Sebastian Lindner
· 07.03.2026
Acht Frauen waren nach 133 Kilometern gemeinsam am Schlussanstieg in Siena angekommen, 33 Kilometer auf Schotter durch elf Gravel-Sektoren konnten zuvor keine größere, dauerhafte Selektion bewirken. Zwei der ganz großen Favoritinnen zählten im Finale jedoch nicht mehr zum Kreis der Anwärterinnen auf den Sieg. Pauline Ferrand-Prevot (Team Visma | Lease a Bike) und Demi Vollering (FDJ United - Suez) waren mit Defekt früh um alle Chancen gebracht.
Neben Chabbey, Niewiadoma und der Deutschen Meisterin waren Elisa Longo Borghini (UAE Team ADQ), Weltmeisterin Magdeleine Vallieres (EF Education-Oatly), Puck Pieterse (Fenix-Premier Tech), Marianne Vos (Team Visma | Lease a Bike) und Monica Trinca Colonel (Liv AlUla Jayco) auf den letzten Kilometern gemeinsam unterwegs. Niewiadoma und Longo Borghini hatten sich im letzten Gravelsektor Le Tolfe zunächst abgesetzt. Zunächst schaffte Pieterse den Sprung nach vorne, später kam der Rest gemeinsam zurück.
Wurden die ersten vier der acht Frauen relativ früh im Schlussanstieg hinauf zur Piazza del Campo, blieben die Podiumsplätze und Longo Borghini bis zur letzten entscheidenenden Kurve rund 200 Meter vor dem Ziel zusammen. An dieser Stelle hatte sich nach harten Kämpfen Chabbey die beste Position erarbeitet. Da es danach nur noch bergab geht, lässt sich daran in der Regel nichts mehr ändern.
So war es auch dieses Mal. “Dieser Sieg weckt so viele Emotionen, dass es mir schwerfällt zu begreifen, was ich erreicht habe”, sagte Chabbey in ihrem Siegerinterview. Für die 32-Jährige, die im vergangenen Jahr die Tour de Romandie Féminin für sich entscheiden konnte, war der sechste der größte Sieg ihrer bisherigen Karriere. “Es ist einfach unglaublich. Die Strade Bianche ist eines meiner Lieblingsrennen. Ich mag es wirklich sehr. Wir hatten heute ein starkes Team zusammengestellt, ursprünglich für Demi, aber sie hatte einige Probleme und so lag es an mir.”
Über Koch verlor Chabbey dagegen kein Wort. Doch die 25-Jährige war es, die im Finale viel Arbeit im Wind verrichtete und dennoch selbst die Chance auf den Sieg hatte. Denn eine Kruve vor der entscheidenden Stelle war Koch drauf und dran, Strade zu gewinnen. Als die Deutsche in einer Linkskurve den langen Weg außenrum mit viel Schwung antrat, wurde ihr die Tür im letzten Moment noch zugemacht, um den Geschwindigkeitsüberschuss zu nutzen. Dennoch ist Rang drei auch für Koch eines der besten Ergebnisse ihrer Laufbahn.
| RG | Fahrer | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | FDJ United - SUEZ | 03:35:42 |
| 2 | CANYON//SRAM zondacrypto | +00:00:00 |
| 3 | FDJ United - SUEZ | +00:00:00 |
| 4 | UAE Team ADQ | +000:00:03 |
| 5 | EF Education-Oatly | +000:00:06 |
| 6 | Fenix-Premier Tech | +000:00:16 |
Bei trockener, frühlingshafter Witterung in der Toskana war ein schnelles Rennen über die weißen Straßen vorprogrammiert. Doch zunächst verhinderten die großen Teams, dass der Wettkampf wirklich eröffnet wurde. Spitzengruppen konnten sich bis Mitte des Rennens nicht lösen. Erst in Sektor vier, San Martino in Grania, dem mit fast zehn Kilometern längsten Abschnitt des Tages, wurde es langsam ernst. Einige Stürze, unter anderem von Niewiadoma, sorgten für Unruhe, nach dem Abschnitt bestand die Kopfgruppe dann nur noch aus rund 25 Fahrerinnen.
Weitere Action gab es erst am übernächsten Sektor, Colle Pinzuto, dem später erneut durchfahren werden würde. Hier attackierten Chabbey und Dominika Wlodarczyk (UAE Team ADQ), die sich in der Folge bis zu einer halben Minute Vorsprung herausfuhren. Im nächsten Abschnitt, Le Tolfe, der ebenfalls doppelt zu bewältigen sein würde, erwischte es dann Vollering und Ferrand-Prévor mit Defekt. Derweil hatten Chabbey und Wlodarczyk ihren Vorsprung eingebüßt, die mittlerweile halbierte Verfolgergruppe hatte wieder aufgeschlossen. Vollering und Co. hatten etwa eine halbe Minute Rückstand.
Doch dieser Rückstand erhöhte sich 32 Kilometer vor dem Ziel dramatisch. Hätte noch die Chance bestanden, zurückzukehren, hatte sich das in dem Moment erledigt, als ein Begleitmotorrad falsch abbog und die Gruppe hinterherfuhr, den Fehler aber erst relativ spät registrierte und umdrehen musste.
22 Kilometer vor dem Ziel attackierte Niamh Fisher-Black (Lidl - Trek) im Schotter aus der Spitze heraus, doch kurz darauf waren es Chabbey und Longo Borghini, die sich der Spitze gemeinsam mit Vos und Noemi Rüegg (EF Education-Oatly) anschlossen. Beim zweiten Mal am Colle Pinzuto lösten sich Longo Borghini und Chabbey, in Le Tolfe kamen die Verfolgerinnen aber wieder ran. Aber nur, bis die Italienerin wieder aufs Tempo drückte und dieses Mal mit Niewiadoma mitnahm. Das Duo fuhr sich im letzten Sektor ein paar Meter heraus. Danach kam Pieterse zurück, dann vier weitere Verfolgerinnen um Koch.
In dieser Kombination ging es dann nach Siena und ins Finale. Mit dem besten Ende für Chabbey, die sich schon den ganzen Tag aktiv und stark präsentiert hatte und so durchaus als verdiente Siegerin anzusehen ist.