Leon Weidner
· 19.01.2026
Noemi Rüegg hat ihren Titel bei der Santos Women's Tour Down Under erfolgreich verteidigt. Die 24-jährige Schweizerin vom Team EF Education-Oatly krönte ihre starke Leistung mit einem Etappensieg auf der anspruchsvollen Schlussetappe nach Athelstone. Auf der Königsetappe mit dem zweimaligen Anstieg über die steile Corkscrew Road, die mit einer maximalen Steigung von 19,8 Prozent aufwartete, bewies Rüegg taktisches Geschick und außergewöhnliche Kletterfähigkeiten. Im Finale ließ sie drei Fahrerinnen des UAE Team ADQ hinter sich und sicherte sich sowohl den Etappensieg als auch den Gesamterfolg bei der australischen Rundfahrt. "Wir sind mit der Ambition ins Rennen gegangen, die Gesamtwertung zu verteidigen und auch einen Etappensieg zu holen", erklärte Rüegg nach ihrem Triumph. "Ich wusste, dass ich in guter Form bin, war mir aber trotzdem nicht ganz sicher. Ich wusste nicht, wie gut ich tatsächlich sein würde. Aber das Team hat so sehr an mich geglaubt, und wir hatten jeden Tag einen Plan, den wir umgesetzt haben. Alle waren so engagiert und haben mir vertraut. Jeden Tag konnten wir unseren Plan fast perfekt umsetzen, heute sogar vollkommen perfekt." Aufgefallen ist, dass die Schweizerin auf einem bislang unveröffentlichten Nachfolger des SuperSix Evo von Cannondale gewann.
Lange vor der Entscheidung an der Corkscrew Road war das Rennen von taktischen Schachzügen geprägt. Die österreichische Fahrerin Carina Schrempf setzte früh zu einer Attacke an und erarbeitete sich einen Vorsprung von 45 Sekunden. Die Hauptgruppe mit den Favoritinnen für die Gesamtwertung, darunter auch die Trägerin des Santos Ochre Jersey, Ally Wollaston, die die ersten beiden Etappen der Rundfahrt gewonnen hatte, hielt sich zunächst zurück. Mikayla Harvey vom Team SD Worx - Protime und Rosita Reinhout vom Team Visma | Lease a Bike konterten jedoch und schlossen zu Schrempf auf. Harvey und Schrempf bildeten schließlich die Spitze des Rennens und bauten ihren Vorsprung zeitweise auf sechs Minuten aus. Erst als das Peloton die Gorge Road erreichte und sich dem ersten Anstieg zur Corkscrew Road näherte, wurde die Lücke zu den Ausreißerinnen kleiner.
Der entscheidende Moment des Rennens ereignete sich auf den letzten 500 Metern vor dem Ziel, als Rüegg gegen die zahlenmäßige Übermacht des UAE Team ADQ mit Dominika Włodarczyk, Paula Blasi und Mavi García antrat. Die Schweizerin hatte beim ersten Anstieg zur Corkscrew Road zunächst Schwierigkeiten, fand aber mit Hilfe ihrer Teamkollegin und Weltmeisterin Magdeleine Vallieres zurück ins Rennen. Beim zweiten Angriff auf dem berüchtigten Anstieg zeigte Rüegg ihre Klasse und positionierte sich perfekt für das Finale. "Ich wusste, wenn ich mit ihnen in die letzten 500 Meter gehe, dann kann nichts mehr passieren", sagte Rüegg. "Ich wollte nicht zu früh an den Sieg glauben, aber es ist einfach Wahnsinn." Das UAE Team ADQ, das mit drei Fahrerinnen im Finale vertreten war, konnte seinen zahlenmäßigen Vorteil nicht nutzen. "In den letzten 500 Metern haben wir uns missverstanden", gestand Blasi, die die Bergwertung der Rundfahrt gewann. "Wir haben nicht gut kommuniziert und versucht, unsere Karten vor der Ziellinie auszuspielen."