Sebastian Lindner
· 14.01.2024
Eigentlich gehört Timo Kielich fast schon zum alten Eisen. Zumindest, setzt man den Zeitpunkt der ersten Saison als Profi zum Maßstab. Selten kommt es noch vor, dass ein Fahrer der U23 entwächst, bevor er irgendwo Berufssportler wird. Doch der Belgier ist nun, mit 24 Jahren, in der World Tour angekommen. Bei Alpecin-Deceuninck hat er als Neo-Profi für zwei Jahre unterschrieben.
Zuletzt fuhr Kielich im Development Team des Rennstalls auf Kontinentalebene. Eine Reihe an Erfolgen sprang dabei bereits heraus. Hervorzuheben ist der Sieg auf der 3. Etappe der Tour de Wallonie, einer Rundfahrt der Pro Tour. In einem Bergaufsprint ließ er den gestandenen Profis Florian Senechal und Simone Consonni keine Chance. Und es sind genau Finals wie dieses in Mont-Saint-Guibert, bei denen der Flame sein volles Potenzial abrufen kann.
“Ich habe sehr schnelle Beine, vielleicht nicht ganz für den Massensprint, aber bei einem schwierigeren Finale passt es immer gut”, sagte Kielich Mitte letztes Jahres zu radsport-news.com. Da stand bereits fest, dass er 2024 zum World-Tour-Kader gehören würde, in dem er auch zuvor schon öfter als Gastfahrer dabei war.
Eigentlich hätte es dabei schon 2023 für die Profis reichen sollen, leistungsmäßig konnte Kielich bereits 2022 überzeugen. Doch alle Kaderplätze waren für das Folgejahr bereits verplant. Dabei war 2022 die erste Saison, in der sich der endschnelle Mann vorrangig auf die Straße konzentrierte. Kielich kommt aus dem Cross. Als Junior holte er 2016 EM-Bronze, vier Jahre später war er in der U23 noch einen Platz besser. 2021 war es dann Bronze bei den U23-Weltmeisterschaften.
Auch auf dem Mountainbike stellte Kielich seine Klasse im Nachwuchsbereich unter Beweis. Von 2018 bis 2020 war er dreimal in Folge Belgischer U23-Meister. Im Feld der Elite konnte er aber in beiden Disziplinen nicht bis an die absolute Spitze vordringen, weshalb er schließlich den Wechsel auf die Straße anging.
Als Kielich 2021 erstmals regelmäßiger auf der Straße unterwegs war, lief es blendend für den jungen Belgier. Von zwölf Etappen bei kleineren .2- oder Nachwuchsrennen finishte er elfmal in den Top 10. 2022 gewann er die Solidarnosc-Rundfahrt in Polen. Bei der Sels Trophy durch den Hafen von Antwerpen und über viel Kopfsteinpflaster fuhr er dann bei seinem ersten .1-Rennen bis auf Platz 6 nach vorne. 2023 toppte er das ganze neben dem Etappesieg in der Wallonie mit Platz 4 bei Nokere Koerse und Platz 3 beim Grand Prix Denain. Die beiden Eintagesrennen geizen weder mit Hügeln noch mit Pflastersteinen.
Ohnehin sind es die Wettbewerbe mit klassischem Charakter, die ihm von Hause aus am besten Gefallen. “Die größeren Rennen reizen mich natürlich sehr”, meinte er bei radsport-news.com und referierte auf die ganz großen Klassiker. Seine Chancen, zumindest im Aufgebot für Paris-Roubaix, die Flandern-Rundfahrt und Co. zu stehen, dürften 2024 aber auch in dem Team, das einen Klassikerfokus wie kein zweites in der World Tour hat, gut stehen. Und so sagte Kielich dann auch: “Es ist ein tolles Team für mich.”