Anna van der BreggenMehr Spaß, weniger Siege nach dem Comeback

Andreas Kublik

 · 04.02.2026

Anna van der Breggen: Mehr Spaß, weniger Siege nach dem ComebackFoto: Getty Images/Luc Claessen
Blickt mit Freude aufs neue Rennjahr: Anna van der Breggen
Anna van der Breggen zieht Bilanz ihres Comeback-Jahres 2025 und blickt voraus. Für die einst dominante Olympiasiegerin und Weltmeisterin ist das Siegen schwerer geworden. Auch weil im Frauenradsport mehr Power steckt. Als nächstes steht für sie die UAE Tour an.

Sie strahlt und wirkt entspannt. Anna van der Breggen steht vor der zweiten Saison seit ihrem Comeback. Sie war Olympiasiegerin, mehrmals Weltmeisterin, teilweise fuhr sie den Konkurrentinnen einfach auf und davon. Das war in ihrem ersten Leben als Rennfahrerin. Danach wechselte sie den Job, stieg vom Rad und setzte sich hinter das Lenkrad des Teamfahrzeugs und steuerte die Rennen nur noch per Teamfunk. Nach drei Jahren hatte sie genug von der sitzenden Tätigkeit. Bei ihrem Comeback 2025 fand sie einen anderen, neueren, besseren Frauen-Radsport vor. Der für sie schlechter war - zumindest, wenn man auf die Ergebnisse blickt. Vor der Saison 2026 sagt sie jedoch rückblickend: “Es war eine gute Saison, eine schöne Saison. Ich bin wieder auf meinem Level. Es war die Bestätigung, dass es eine gute Entscheidung war.” Die Entscheidung, das Comeback zu wagen. Die Niederländerin ist 35 Jahre alt.



WM-Silber beim Comeback

Anna van der Breggen auf dem Weg zu WM-Silber in Kigali/RuandaFoto: Getty ImagesAnna van der Breggen auf dem Weg zu WM-Silber in Kigali/Ruanda

Zwar reihte sie im Comeback-Jahr nicht wie früher einen Sieg an den anderen, aber gleich zum Auftakt bei der Valencia-Rundfahrt gelang ihr Gesamtrang drei. Es folgten der zweite Rang bei den Strade Bianche, ein Etappensieg bei der Spanien-Rundfahrt, die Ränge sechs beim Giro d’Italia und elf bei der Tour de France. Und im Herbst ließ sie noch Medaillen folgen: WM-Silber im Einzelzeitfahren und EM-Bronze im Straßenrennen. Sehr stark, aber nicht mehr herausragend wie früher. Sie weiß selbst: “Ich werde das Peloton nicht mehr dominieren.” Und ergänzte während einer Gesprächsrunde am Medientag ihres Teams SD Worx-Protime vor dem Saisonstart: “Niemand tut das aktuell - und das macht die Rennen schön.” Aber sie sieht sich auch im fortgeschrittenen Rennfahrerinnenalter noch nicht am Ende ihrer Möglichkeiten. “Ich kann noch kleine Schritte machen”, sagt sie vor ihrem ersten Renneinsatz bei der UAE Tour (5. bis 8. Februar). Und sie betont, dass sie besonderen Spaß an der neuen Herausforderung hat - der Herausforderung, dass es schwerer als früher für sie ist weitere Siege zu ihren bisher 63 Karriere-Erfolgen hinzuzufügen: “Ich habe früher mehr Rennen gewonnen. Aber das Rennen Fahren ist jetzt attraktiver.”

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Mehr Teamwork, weniger individuelle Stärke

Sie stellt sich also im neuen Rennjahr neuen Herausforderungen bei Rennen, die sie meist schon gewonnen hat. bei der Trofeo Binda, bei der ihr noch ein Sieg fehlt, den Strade Bianche (Sieg im Jahr 2018), dem Amstel Gold Race (2017), dem Flèche Wallonne (Rekordhalterin mit sieben Siegen) und Lüttich-Bastogne-Lüttich (2017 und 2018). Als vorhersehbare One-Woman-Show enden jetzt nur noch wenige Rennen - seit dem Rücktritt von Annemiek van Vleuten und seit das Frauen-Peloton Jahr für Jahr stärker und professioneller wird, wird auch der Ausgang der Rennen offener. “Man braucht jetzt die Teamkolleginnen. Die Dynamik in den Rennen hat sich total geändert. Früher konnte man jederzeit selbst nach vorne fahren, wenn man gute Beine hatte” - so beschreibt sie den Wandel. Früher kam es vor allem auf die eigene Stärke an. Nun muss auch das Team stark sein. Und da ist SD Worx-Protime nicht mehr die Referenz - andere haben aufgeholt, oder gar überholt. “Der Rest hat uns eingeholt. Die Tatsache, dass so viele Teams an allen Fronten mitkämpfen, macht den Radsport schöner, aber natürlich weniger spaßig für uns”, räumt auch der Sportliche Leiter von SD Worx, Danny Stam, ein.

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Start bei Vuelta, Giro, Tour

Danny Stam, Sportlicher Leiter bei SD Worx-ProtimeFoto: Getty Images/Tim de WaeleDanny Stam, Sportlicher Leiter bei SD Worx-Protime

Nach dem Frühjahr glaubt sie offenbar, noch nicht müde zu sein: Sie will alle drei sogenannten Grand Tours fahren. Im Mai die Vuelta a Espana, im Juni den Giro d’Italia, im August die Tour de France. “Es ist nicht wie damals, als ich vor vier Jahren aufgehört habe. Ich erwarte nicht, dass ich einfach so eine Grand Tour gewinne.” Als sie einst zurücktrat, gab es die neue Tour de France für Frauen noch nicht. Und bei der WM in Kanada könnte die Straßen-Weltmeisterin von 2018 und 2020 im niederländischen Team eine wichtige Rolle spielen. Zwar ist Demi Vollering die stärkste Landsfrau, die das Team SD Worx-Protime vor dem Comeback van der Breggens verlassen hat. Aber die niederländische Teamkollegin bei SD Worx, Lorena Wiebes, hat bereits erklärt, dass ihr die Strecke in Montreal zu anspruchsvoll ist und sie daher keinen WM-Start plant. Das spricht für offensive Fahrweise der Frauen in Oranje. Und das wird van der Breggen zweifellos gefallen. Es wird allerdings für sie schwieriger werden, noch einmal das Regenbogentrikot zu holen. Aber sie sieht das große Ganze: “Es ist schwieriger geworden, aber es ist gut für unseren Sport.”

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