Denn die drei Juniorinnen Hannah Kunz, Pia Grünwald und Joelle Messemer übernahmen lediglich auf Platz 7 von Moritz Bell, Ian Kings und Louis Leidert. Oder besser gesagt: nur von King und Leidert. Bell war zusammen mit Leidert auf nasser Straße zu Fall gekommen und konnte das Rennen nicht beenden. Davor lag Deutschland noch fünf Sekunden vor Italien auf Goldkurs. Leidert hingegen rappelte sich schnell wieder auf, kam aber kurze Zeit später erneut zu Fall.
Im Ziel der ersten Runde nach 19,2 Kilometern hatten die Jungs 33 Sekunden Rückstand auf die bis dato führenden Niederlande. Doch dann kamen die Mädels und stellten alles auf den Kopf. “Ich habe ihnen nicht gesagt, dass sie weit hinten lagen, das hätte sie nur verunsichert”, sagte Bundestrainer Lucas Schädlich. Und damit machte er alles richtig. Schnell holten Kunz, Grünwald und Messemer eine Sekunde nach der anderen auf. An der Wende konnte Letztere den anderen beiden nicht mehr folgen, doch die legten auch ein enormes Tempo mit einem Schnitt von mehr als 52 km/h vor
Für die deutschen Juniorinnen stand letztlich die Bestzeit - insgesamt reichte es noch zu Silber. “Wir müssen den Mädels dankbar sein, dass sie es gerettet haben”, sagte Leidert, nachdem er von freudigen Nachricht hörte. Kunz und Co. hatten erst da erfahren, was zuvor passierte: “Im Ziel haben wir uns gefreut über den Erfolg und waren dann erschrocken, als wir erfuhren, was bei den Jungs passiert ist,“ berichtete sie.
Europameister wurde letztlich Italien, 25 Sekunden vor Deutschland. Bronze ging an Frankreich mit 42 Sekunden Rückstand, die zur Halbzeit führenden Niederländer gingen leer aus. Elf Staffeln waren insgesamt gestartet.
Bei der Elite waren es die selben Nationen, die Medaillen abräumten, nur in anderer Reihenfolge. Frankreich holte sich den Titel, bei der WM waren die Equipe noch Zweiter. Diesen Platz belegte nun Italien vor Deutschland. Das Team des BDR sicherte sich bereits bei der WM Bronze.
Die deutschen Männer Miguel Heidemann, Jannik Steimle und Max Walscheid hatten nach ihrer 19,2 Kilometer langen Runde die drittbeste Zeit vorgelegt, die Niederlande waren aber nur etwas mehr als zwei Sekunden zurück. Italien war zunächst mit 20 Sekunden vor den Franzosen und 26 vor den Deutschen klare Bestzeit gefahren. Während Mieke Kröger, Franziska Koch und Lisa Klein auf die mit Loes Adegeest, Riejanne Markus und Shirin van Anrooij stark besetzten Niederländerinnen nur eine Sekunde verloren und damit Bronze sicherten, drehten die Französinnen richtig auf.
Audrey Cordon-Ragot, Cedrine Kerbaol und Juliette Labous, die schon bei der WM eine Topzeit geliefert hatten, gaben Italien damit noch das Nachsehen und waren in Summe vier Sekunden schneller als Grün-Weiß-Rot.
“Ich denke wir haben das Maximum herausgeholt und zum Schluss alles gegeben”, sagte Klein im Ziel. “Das Finale war hart, wir haben alles riskiert, Podium oder Crash. Am Ende bin ich froh, dass es gereicht hat.”
Ohne den im Einzelzeitfahren schwer gestürzten Stefan Küng konnte die Schweiz nicht an die WM-Leistung mit Gold herankommen und wurde unter lediglich acht Teams Sechste. Allerdings noch vor Belgien, das - bei der WM gar nicht angetreten - aber weder die erste noch die zweite Garde schickte.