Beide waren auf dem 20,6 Kilometern langen Kurs von Emmen unterwegs. Die Strecke erwies sich zwar als komplett flach, dennoch nicht ohne Schwierigkeiten: “Der Wind war heute brutal, vor allem für eine so leichte Fahrerin wie für mich, war es schwierig, die Linie zu halten”, erklärte die gerade mal 50 Kilogramm schwere Niedermaier, die im Ziel fast eine Minute Rückstand auf die neue Europameisterin Zoe Backstedt aus Wales hatte. Die Tochter des ehemaligen Profis Magnus Backstedt ist er 18 Jahre alt und damit nochmal deutlich jünger als die ebenfalls noch lange im U23-Bereich angesiedelte, 20-Jährige Niedermaier. Beide sind Teamkolleginnen bei Canyon//SRAM.
Als zweite deutsche Starterin fuhr die ebenfalls 20-Jährige Linda Riedmann (Jumbo-Visma) auf Platz 24, 3:18 Minuten hinter Backstedt.
Nicht in die Top 10 schafften es die deutschen U23 Männer Tim Torn Teutenberg (Leopard TOGT Pro Cycling) und Tobias Buck-Gramcko (rad-net Oßwald), doch das war auch nicht zu erwarten. Das Duo landete letztlich auf den Plätzen 15 und 16, mit 1:25 bzw. 1:27 Minuten Rückstand auf den alten und neuen Europameister. Das ist Alec Segaert aus Belgien. Der 20-Jährige war vor anderthalb Monaten in Glasgow noch Vize-Weltmeister geworden. Auf dem gleichen Kurs wie die Frauen war Titelverteidiger Segaert mehr als eine halbe Minute schneller als die Konkurrenz. Die weiteren Medaillen gingen nach Dänemark an Carl-Frederik Bevort und Gustav Wang.
Doch auch ohne Edelmetall war die Stimmung im deutschen Lager in Ordnung. “Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, mehr konnten wir nicht erwarten. Sie haben eine solide Leistung gezeigt”, sagte U23-Bundestrainer Ralf Grabsch. Teutenberg selbst konnte ebenfalls gut mit seinem Ergebnis leben. “Ich persönlich hatte einen guten Tag, konnte die Werte fahren, die ich mir vorgenommen hatte und bin zufrieden. Das Zeitfahren gibt mir viel Motivation für das bevorstehende Straßenrennen."
Das gilt auch für Hannah Kunz, die mit ihrer Bronze-Medaille für das Straßenrennen Extra-Motivation getankt hat. “Ich bin hierhergekommen, um eine Medaille zu holen und freue mich sehr, dass es geklappt hat. Das hat mir noch gefehlt“, sagte die 18-jährige Schülerin (VfR Baumholder 1886) aus Rheinland-Pfalz. “Ich war von Anfang an gut im Flow, die Strecke lag mir, es hat Spaß gemacht. Allerdings musste man bei dem heftigen Seitenwind den Lenker gut packen.” Die Juniorinnen waren wie die U23 auf dem 20,6 Kilometer langen Kurs um Emmen unterwegs.
Mit Judith Friederike Rottmann (RC Victoria Neheim) und Anna Maria Borger (VCS Köln) hatte der BDR zwei weitere Juniorinnen am Start, die mit 2:25 bzw. 2:39 Minuten Rückstand 22. und 26. wurden. Neue Europameisterin ist Federica Venturelli aus Italien.
Der WM-Dritte von Glasgow, Louis Leidert (RSV rad-net), musste derweil ohne Medaille auskommen. Der 18-Jährige wurde Sechster. “Meine Seele ist nicht zufrieden, denn ich wäre gern aufs Podium gefahren”, erklärte Leidert. “Ich muss auch sagen, dass ich nicht die optimale Vorbereitung hatte. Ich war viel krank nach der WM. In den letzten zwei Wochen lief es allerdings gut, und ich hatte mir schon etwas mehr erhofft heute.”
Gegen den neuen Europameister Albert Philipsen aus Dänemark wäre aber ohnehin kaum ein Kraut gewachsen gewesen. Der 17-Jährige distanzierte die Konkurrenz deutlich. Doch das kommt nicht von ungefähr. Im WM-Zeitfahren von Glasgow war er nicht am Start, wurde dafür aber Mountainbike-Weltmeister und entschied auch das Straßenrennen klar für sich.
Vor Paul Fiezke (RSV Cottbus), der beim Zeitfahren in Emmen 26. wurde. Ian Kings, Deutscher U19-Zeitfahrmeister, kam als Elfter ins Ziel.