Sebastian Lindner
· 24.09.2023
Laporte hatte sich zu Beginn der letzten Runde aus einer zehnköpfigen Spitzengruppe abgesetzt, holte sich ein Polster von maximal 20 Sekunden heraus, konnte aber nicht mehr eingefangen werden. In einem ähnlichen Szenario hatte tags zuvor bereits Mischa Bredewold (Niederlande) das Rennen der Elite Frauen für sich entschieden.
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Eine weitere Parallele zum Rennen der Frauen, bei dem die ersten drei Plätze an drei Fahrerinnen von SD Worx gingen: Laporte gewann vor seinen Jumbo-Visma-Kollegen Wout van Aert (Belgien) und Olav Kooij (Niederlande). Dabei ging es extrem eng zu. In den Schlussanstieg war der Franzose noch mit gut zehn Sekunden Vorsprung gegangen, doch rund 300 Meter vor dem Ziel hatten van Aert und Kooij aufgeschlossen - der Rest der ehemaligen Spitzengruppe war bereits zu Beginn des Anstiegs auseinandergefallen. Doch in dem Moment, als van Aert am Hinterrad des Franzosen war, gab der nochmal alles, was er noch im Tank hatte und hielt den Belgier im Sprint hinter sich.
“Das war ein verrücktes Finale”, sagte der neue Europameiset ziemlich ausgepumpt im Interview. “Ich fühlte mich gut und dachte mir dann, wenn ich gegen Leute wie Arnaud De Lie (letztlich Vierter) oder Wout sprinten muss, wird es schwer zu gewinnen. Also habe ich versucht, es anders zu lösen – und es hat geklappt."
Teil der Spitzengruppe war auch John Degenkolb. Der gebürtige Geraer, der wie viele andere Fahrer in einen Massensturz in der ersten Hälfte des knapp 200 Kilometer langen Rennens mit Start in Assen verwickelt war, hatte durch gute Positionierung im Feld beim Knackpunkt des Rennens den Sprung geschafft. Bei der dritten Überfahrt des VAM-Bergs stürzte Kim Heiduk, wodurch das Feld zerriss und nicht mehr zusammenfand. Im absoluten Finale konnte er allerdings nicht mehr mit der europäischen Spitze mithalten, kam aber dennoch als guter Acht ins Ziel.
“Am Ende kann ich ziemlich stolz sein, wie wir als Team gefahren sind und wie wir ein weiteres, sehr spezielles Rennen mit vielen Kurven und kleinen Straßen angegangen sind”, sagte der 34-Jährige. “Ich habe heute und auch bei der WM in Glasgow gezeigt, dass ein alter Mann wie ich noch gut mit dabei sein kann.“ Lediglich das die starken Jumbo-Fahrer sorgten ein wenig für Stirnrunzeln bei Degenkolb. “Sie sind auf einem anderen Level, offenbar kann Laporte sogar zehn Sekunden in so einem harten Finale halten, obwohl er ein langes Solo gefahren ist. Chapeau, es ist schön zu sehen, wie stark der menschliche Körper sein kann."
Auch Bundestrainer André Greipel konnte mit dem EM-abschließenden Auftritt seiner Mannschaft gut leben. “Wenn man einen Fahrer in der Spitzengruppe hat, liebäugelt man natürlich mit einer Medaille, aber ich bin dennoch zufrieden. Das Team hat sich gut verkauft”, so Greipel. Jonas Koch wurde als zweitbester Deutscher 16., 42 Sekunden hinter Laporte. Felix Engelhardt, U23-Europameister des Vorjahres, kam vier Plätze hinter ihm ins Ziel (+0:53).
Zuvor waren die Juniorinnen mit fünf Runden auf dem Kurs um den VAM-Berg unterwegs. Die Entscheidung fiel allerdings erst auf den letzen der 69 Kilometer. Die Belgierin Fleur Moors attackierte im absoluten Finale am Berg und hatte dabei mehr Power als alle Kontrahentinnen. Silber holte Zeitfahr-Europameisterin Federica Venturelli (Italien), die auch in der Mixed-Staffel Gold holte und damit erfolgreichste Athletin der EM ist. Bronze ging vor zwei weiteren Französinnen an Leane Tabu.
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Für Deutschland fuhr Hannah Kunz auf Rang 8, nachdem sie bereits Bronze im Einzelzeitfahren und Silber in der Mixed-Staffel geholt hatte. “Es war ein hartes Rennen, lediglich auf den Geraden ging es etwas ruhiger zu, aber sonst war das Tempo immer sehr hoch. Das war auch unser Plan, wir wollen ein hartes Rennen. Leider sind wir auf der Schlussrunde nicht so gut positioniert gewesen und konnten nicht mehr viel gut machen. Das war ein wenig ärgerlich, denn ich habe mich gut gefühlt“, sagte Kunz im Ziel.