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· 23.12.2023
Eddy Planckaert dürfte wohl jedem Belgier bekannt sein. Den jüngeren Landsleuten womöglich aber nicht primär durch seine Erfolge als Radprofi, sondern eher durch eine Reality-Serie. Denn das Leben der Familie Planckaert um Eddy, seine Frau Christa sowie den drei Kindern gab es jahrelang im Fernsehen zu sehen. Mit reichlich Drama: Tochter mit 16 Jahren schwanger, der jüngste Sohn kommt der Schulpflicht nicht nach und vom Grundsatz ohnehin ein eher unkonventionelles Leben am Rande der Zivilisation auf dem sogenannten “Berg Planckaert”.
Es war zu jener Zeit quasi das belgische Pendant zu “The Osbournes”, der MTV-Erfolgsserie um Rocker Ozzy Osbourne in den USA. Und auch das Format “De Planckaerts” entwickelte Kultstatus: Zwischen 2003 und 2009 produzierte das belgische Fernsehen in zwölf Staffeln 122 Folgen.
Als Radprofi folgte Eddy Planckaert den Karrieren seiner beiden Brüder. Der älteste, Willy Planckaert, gewann als Sprinter 1966 zwei Etappen und das Grüne Trikot bei der Tour de France. Nicht minder erfolgreich verlief die Laufbahn von Walter Planckaert, der in den 1970er-Jahren das Amstel Gold Race (1972), Kuurne–Brüssel–Kuurne (1973 und 1979), die Flandern-Rundfahrt (1976) sowie 1978 eine Halbetappe der Tour de France gewann. Später arbeitete Walter Planckaert fast 30 Jahre lang als Sportlicher Leiter, ab 2008 für das belgische Pro-Continental-Team Topsport Vlaanderen. 2018 schied er mit 70 Jahren aus dem Beruf aus.
Die erfolgreichste Karriere aus der Planckaert-Familie legte jedoch Eddy hin. In den 1980er-Jahren gehörte er zu den besten Klassikerfahrern und gewann 1984 und 1985 unter anderem den Omloop Het Volk. Sein größter Erfolg war 1988 der Sieg bei der Flandern-Rundfahrt, 1990 gewann er außerdem Paris-Roubaix. Als guter Sprinter feierte Planckaert zudem zehn Tagessiege bei der Vuelta a Espana und einen Etappensieg beim Giro d’Italia. Bei der Tour de France holte er 1981 und 1986 je einen Tageserfolg und sicherte sich 1988, wie einst Bruder Willy, das Grüne Trikot der Tour.
Dass er später zum Reality-Star wurde, folgt zumindest einer gewissen Logik seiner Nach-Karriere-Aktivitäten. Eddy Planckaert nahm Songs mit flämischen Musikern auf, probierte sich als Schauspieler und trat in TV-Shows auf. Außerdem kaufte er Sägewerke in Litauen und Polen, mit denen er jedoch Konkurs ging. Hoch verschuldet zog sich Planckaert dann in ein Jagdhaus in die Ardennen zurück – da biss das Fernsehen an.
Eine tragende Rolle in der Reality-Serie nimmt auch Sohn Francesco Planckaert ein. Als Junior feierte er im Radsport einige Erfolge, ehe ihn Knieprobleme zurückwarfen. Die Karriere schien vorbei. Doch durch die hohe Popularität der Serie bekam Francesco Planckaert ab 2004 dann einen Profivertrag beim zweitklassigen Team Chocolate Jacques, später fuhr er je eine Saison noch für zwei weitere belgische Teams. Resultate blieben aber aus.
Letztlich fehlte es Francesco Planckaert nicht nur an Talent, sondern offenbar auch an der Disziplin für den Radsport – zum Ärger seines Vaters. “Kennen Sie einen Profi, der bis Juni nur 6000 Kilometer gefahren ist? Ich nicht.”, so Eddy Planckaert in der Serie. Ab 2007 bekam sein Sohn keinen neuen Vertrag mehr.
Mehr Erfolg hatte der Sohn von Willy Planckaert, Jo Planckaert, der von 1991 bis 2004 zum Profipeloton gehörte. 1999 gewann er die Austragung von Kuurne-Brüssel-Kuurne, zudem landete er 1997 bei Paris-Roubaix auf Platz zwei.
Eddy Planckaert setzt derweil seine TV-Karriere fort. 2020 startete eine neue Reality-Serie mit dem Namen “Chateau Planckaert”, in dem er mit seiner Familie eine niedergebrannte Burg in Frankreich restauriert. Die vierte Staffel erschien 2023.