Pogačar absolvierte eine dreistündige Trainingseinheit an der Küste nahe Valencia. Die 130 Kilometer lange Fahrt zeichnete er mit Leistungsmesser und Herzfrequenzmesser auf. UAE Team Emirates - XRG hält die Leistungsdaten des Weltmeisters normalerweise unter Verschluss. Diesmal blieben die Strava-Daten jedoch öffentlich.
Die Strava-App hat die Fahrt ausgewertet und daraus die sieben Leistungszonen des Slowenen berechnet. Seine FTP (Functional Threshold Power) – oft als einer der wichtigsten Leistungswerte im Profi-Radsport bezeichnet – dürfte demnach bei rund 415 Watt liegen. Genau dieser Wert war bereits zuvor von Experten in ähnlicher Größenordnung geschätzt worden.
Die FTP beschreibt die Leistung in Watt, die eine Person auf dem Rad über 60 Minuten konstant treten kann, ohne dabei vorzeitig zu ermüden. Mit den geschätzten 415 Watt liegt Pogacars Wert ziemlich genau in der Mitte der Schwellenzone – und bestätigt damit frühere Berechnungen, die auf seinem Körpergewicht von 66 Kilogramm basierten. Wer selbst schon einmal einen FTP-Test gefahren ist, weiß: 415 Watt sind eine Menge - vor allem bei einem Körpergewicht von 66 Kilogramm und damit 6,28 Watt pro Kilo!
Die von Strava veröffentlichten Trainingsdaten von Tadej Pogačar liefern eine schlüssige Erklärung für seine Dominanz der vergangenen Jahre. In der letzten Saison distanzierte er bei der Dauphiné-Rundfahrt, der wichtigsten Vorbereitungs-Rundfahrt auf die Tour de France, seine Konkurrenz zeitweise sogar im Sitzen. Dank seiner außergewöhnlich hohen Leistungswerte musste der Radstar nicht einmal jene Zusatzleistung abrufen, die im Wiegetritt möglich ist. Spätestens bei der Tour de France bestätigte sich diese Überlegenheit erneut: Selbst sein größter Rivale Jonas Vingegaard fand kein Mittel, um Pogačar ernsthaft unter Druck zu setzen. Nach der Veröffentlichung der neuesten Daten wächst daher der Eindruck, dass ihm in dieser Saison kaum ein anderer Fahrer gefährlich werden könnte. Doch der Radsport bleibt unberechenbar – und genau diese Ungewissheit macht Überraschungen jederzeit möglich.
Werkstudent
Leon Philip Weidner ist Kölner, verfolgt den Profi-Radsport intensiv und ist selbst leidenschaftlich auf dem Rennrad unterwegs. Neben langen Kilometern im Sattel des Straßenrads sitzt er auch regelmäßig auf dem Zeitfahrrad – stets mit dem nächsten Triathlon im Blick. Seine Expertise verbindet sportliche Praxis mit Szenewissen.