Gerade einmal anderthalb Jahre ist es her, dass Paul Seixas – damals erst 17 Jahre alt – noch ausschließlich Nachwuchsrennen in Europa bestritt. Sein Talent war schon früh unverkennbar. Doch im Radsport gilt: Frühe Erfolge sind kein Garant dafür, später tatsächlich den Sprung in die Weltspitze zu schaffen. Beim jungen Franzosen, der seit der vergangenen Saison WorldTour-Rennen fährt, scheint es jedoch anders zu laufen. Seixas setzte sofort ein Ausrufezeichen: starke Resultate bei der Dauphiné-Rundfahrt, ein überzeugender Auftritt bei der Weltmeisterschaft – und schließlich der große Coup bei der Europameisterschaft. Bronze, geschlagen nur von Tadej Pogačar und Remco Evenepoel. Nur wenige Tage später bestätigte er seine Klasse mit Platz sieben bei der Lombardei-Rundfahrt. Ab diesem Moment stand eine Frage im Raum: Kann Paul Seixas dieses Niveau 2026 wieder erreichen, oder sogar noch einen Schritt weitergehen?
Den Saisonauftakt feierte das junge Talent in diesem Jahr bei der Volta ao Algarve, einem fünftägigen Etappenrennen in Portugal. Im Duell mit Topstars wie João Almeida, Oscar Onley, Florian Lipowitz, Kévin Vauquelin, Matthew Riccitello und Juan Ayuso unterstrich Seixas mit Rang zwei im Gesamtklassement eindrucksvoll, dass er bereits früh in der Saison in bestechender Form ist. Und auch bei der Faun-Ardèche Classic, einem anspruchsvollen Eintagesrennen, ließ Paul Seixas keine Zweifel an seinem Können: In einem stark besetzten Feld fuhr er mit fast zwei Minuten Vorsprung souverän zum Sieg.
Nicht Pidcock, nicht Van Aert und nicht Vermeersch waren es, die bei der entscheidenden Attacke des Außerirdischen Tadej Pogačar auf den weißen Straßen der Toskana am Hinterrad des Slowenen blieben, sondern der Debütant Paul Seixas. Noch kann der Youngster nicht bis zum Ende der Attacke dran bleiben. Noch. Beängstigend dürfte diese Leistung für gestandene Profis schon jetzt sein - mit dem Wissen was da noch kommen kann. Für Zuschauerinnen und Zuschauer hingegen verspricht es vor allem Eines: da könnte jemand nachkommen, der dem Dominator der vergangenen Jahre die Stirn bietet. Jemand der in ein bis zwei Jahren auf dem Niveau Pogačars mitfahren kann und vielleicht sogar gegen den Slowenen gewinnen kann.
Und noch etwas fällt auf. Paul Seixas kann nicht nur bei Eintagesrennen auftrumpfen, ist kein reiner Klassikerfahrer. Auf der anderen Seite ist er aber auch kein Rundfahrt-Spezialist wie Jonas Vingegaard, der Pogačar zwar bei den Grand Tours herausfordert, aber bei den Klassikern keine Chance hat. Der wichtigste Aspekt der Leistungen des jungen Nachwuchstalents scheint aber wie beim großen Tadej Pogačar neben dem Talent und dem harten Training der Spaß zu sein. Ein junger Fahrer, der richtig Lust auf Radrennen jeder Form hat und dafür alles gibt. Es könnte das Erfolgsrezept für den nächsten ganz großen Star sein.
Werkstudent