NSN Cycling TeamNeustart für Israel - Premier Tech

Leon Weidner

 · 18.01.2026

NSN Cycling Team: Neustart für Israel - Premier TechFoto: Getty Images/Manaure Quintero
Die Verantwortlichen des NSN Cycling Team haben Großes vor
Israel-Premier Tech heißt seit Anfang des Jahres NSN Cycling Team. Der Rennstall erhält mit dem spanischen Unterhaltungsunternehmen Never Say Never einen neuen Hauptsponsor und geht mit einer Schweizer Lizenz an den Start. Und noch etwas ändert sich für das Team in dieser Saison

Das Team Israel – Premier Tech gibt es nicht mehr. Zumindest nicht unter diesem Namen. Der Rennstall bleibt bestehen, doch Identität, Sponsoren und Ausrichtung ändern sich grundlegend. Ab der Saison 2026 tritt die Mannschaft als NSN Cycling Team an und fährt künftig mit Schweizer Lizenz. Verantwortlich für den Neustart ist das spanische Sport- und Unterhaltungsunternehmen Never Say Never, das gemeinsam mit der Schweizer Investmentplattform Stoneweg die Teamlizenz übernimmt. Der Eigentümerwechsel umfasst sowohl das WorldTour-Team als auch die Nachwuchsmannschaft. Ein normaler Umstrukturierungsprozess? Wohl kaum.



Erdbeben im Radsport

Der Namenswechsel kommt nicht aus dem Nichts. Bereits im Oktober 2025 hatte das Team angekündigt, seine israelische Identität aufzugeben. Auslöser waren anhaltende Proteste gegen die Teilnahme der Mannschaft an internationalen Rennen – besonders deutlich während der Vuelta a España. Pro-palästinensische Aktivisten störten wiederholt das Renngeschehen, was zu Etappenverkürzungen und sogar zur Absage der offiziellen Siegerzeremonie in Madrid führte. Die Proteste richteten sich gegen den Gaza-Krieg und die Rolle Israels in diesem Konflikt und rückten das Team zunehmend in den politischen Fokus.

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Vor allem aufgrund der Teilnahme des Teams Israel - Premier Tech kam es bei der Spanien-Rundfahrt zu massiven Protesten bis hin zum Abbruch der letzten EtappeFoto: Getty Images/Pablo Blazquez DominguezVor allem aufgrund der Teilnahme des Teams Israel - Premier Tech kam es bei der Spanien-Rundfahrt zu massiven Protesten bis hin zum Abbruch der letzten Etappe

Der Druck blieb nicht ohne Folgen. Co-Sponsor Premier Tech sowie Radsponsor Factor drohten öffentlich mit einem Ausstieg, Premier Tech sprach sogar von einer „unhaltbaren Situation“. Auch Teameigentümer Sylvan Adams, ein kanadisch-israelischer Geschäftsmann, kündigte an, sich aus dem operativen Tagesgeschäft zurückzuziehen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar: Ein grundlegender Neuanfang war unausweichlich.

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Aufstieg in die WorldTour

Während es hinter den Kulissen heftig rumorte, ließen die Fahrer auf der Straße Taten folgen. Sportlich blickte das Team auf ein äußerst erfolgreiches Jahr zurück. Derek Gee und Matthew Riccitello sorgten mit starken Leistungen bei den Grand Tours für Aufsehen: Rang vier beim Giro d’Italia und Platz fünf im Gesamtklassement der Vuelta a España bescherten dem Rennstall internationale Anerkennung. Am Ende der Saison stand sogar der Aufstieg in die WorldTour, die höchste Liga des Radsports. Ironischerweise werden ausgerechnet die beiden Leistungsträger diesen Schritt nicht mehr mitgehen. Gee und Riccitello werden 2026 nicht mehr für das NSN Cycling Team an den Start gehen.

Matthew Riccitello stellte bei der Spanien-Rundfahrt sogar Jonas Vingegaard und João Almeida vor HerausforderungenFoto: Getty Images/Dario BelingheriMatthew Riccitello stellte bei der Spanien-Rundfahrt sogar Jonas Vingegaard und João Almeida vor Herausforderungen

Personelle Umbrüche

Der sportliche und strukturelle Neuanfang geht mit tiefgreifenden personellen Veränderungen einher. Neben der erfreulichen Nachricht des neuen Radsponsors Scott, muss das Team gleich mehrere prominente Abgänge verkraften. Mit Derek Gee, Matthew Riccitello, Pascal Ackermann und Hugo Houle verlassen vier Leistungsträger die Mannschaft.

Besonders der öffentlich ausgetragene Konflikt zwischen Gee und Israel – Premier Tech sorgte für Schlagzeilen. Der Kanadier hatte während der Saison erklärt, seinen Vertrag einseitig gekündigt zu haben. Es folgte ein langwieriger Streit, der laut Angaben Gee‘s sogar in einer Klage münden könnte.

Für sportlichen Optimismus sorgt hingegen ein namhafter Neuzugang: Biniam Girmay. Zwar liegt eine schwierige Saison hinter dem Sprintstar, doch sein Potenzial ist unbestritten – und er hat bereits mehrfach bewiesen, wozu er imstande ist.

Blick nach vorn

Im Dezember wurden direkt drei Neuerungen präsentiert: Der Neuzugang Biniam Girmay, das Trikot-Design und der Radsponsor Scott, der in die WorldTour zurückkehrtFoto: Getty Images/Manaure QuinteroIm Dezember wurden direkt drei Neuerungen präsentiert: Der Neuzugang Biniam Girmay, das Trikot-Design und der Radsponsor Scott, der in die WorldTour zurückkehrt

Für die Fahrer des NSN Cycling Team dürfte der Imagewandel vor allem eines bedeuten: Aufatmen. Nach einer Saison unter permanentem Polizeischutz und im Schatten zahlreicher Protestaktionen kehrt nun Ruhe ein. Der politische Ballast ist vorerst abgelegt – und der Fokus kann endlich wieder auf dem liegen, worum es eigentlich gehen sollte: Radsport!

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