Sebastian Lindner
· 03.02.2024
Auf zwei Rädern ist Luke Lamperti schon unterwegs, seit er drei Jahre alt ist. Zunächst allerdings mit “Motordoping”. Sein Vater war Motocrosser, setzte den Sohn früh auf ein Dirt Bike. Auf die Antriebshilfe verzichtete er erst später. Gemeinsam mit seinem knapp anderthalb Jahre älteren Bruder Gianni, der anfangs der motiviertere der beiden war, wechselte er dann aufs Rad. Es sollte sich lohnen. Mit 15 hatte er bereits acht nationale Meistertitel eingesammelt.
So wurde aus Spaß Ernst. Lamperti wechselte mit der Unterstützung des amerikanischen Radsportverbandes nach Europa und schloss sich dem von dort operierenden, unter US-Lizenz startenden LUX Cycling Development Team für Junioren an. In seinem ersten U19-Jahr erwies sich der Kalifonier als extrem vielseitig, parallel zur Highschool, die er nicht komplett online, sondern teilweise in Präsenz absolvierte. Platz 10 im Nachwuchsrennen von Paris-Roubaix, Podestplätze auf zahlreichen Sprintetappen diverser hochklassiger Nachwuchsrennen und schließlich ein Tagessieg beim Grand Prix Rüebliland - vor seinen Landsmännern Quinn Simmons und Magnus Sheffield, die beide mittlerweile World-Tour-Profis bei Lidl-Trek und Ineos Grenadiers sind.
Sein zweites Jahr fiel hingegen komplett ins Wasser. Aufgrund der Corona-Pandemie absolvierte er nicht einen einzigen Wettkampf auf UCI-Niveau. Ein Team für seine Zeit in der U23 zu finden, war trotzdem nicht allzu schwer. Sein Agent ist Andrew McQuaid, Sohn des ehemaligen UCI-Präsidenten Pat McQuaid, Manager des britischen Kontinentalteams Trinity Racing. Trinity, erst 2019 gegründet, brachte unter anderem schon Ben Healy, Ben Turner und Thomas Gloag in die World Tour.
Für das Londoner Team fuhr Lamperti schnell Erfolge ein, seinen ersten UCI-Sieg im Mai 2021 bei der Tour d'Eure-et-Loir (2.2), im Sprint vor Timo Kielich, der dieses Jahr ebenfalls seine erste Profi-Saison fährt, und einer Handvoll Fahrern, die ebenfalls bereits in der World Tour angekommen sind. Und er machte weiter. Mit 18 Jahren gewann er als Jüngster überhaupt in der Geschichte das US Pro Criterium, das vor allem in den Staaten sehr hoch angesehen ist. Dass er diesen Erfolg - als Einzelstarter ohne Team wohlgemerkt - in den beiden folgenden Jahren wiederholte, erklärt den Hype um den jungen Sprinter in Übersee.
Kurz darauf setzte er auch in Europa eine erste Duftmarke. Bei der Tour of Britain (2.Pro) sprintete er bei einer Etappe in einem Weltklasse-Sprinterfeld hinter Ethan Hayter, Giacomo Nizzolo und den Briten Daniel McLay auf Platz 4 - noch vor Mark Cavendish, der in jene Saison vier Etappensiege bei der Tour de France feierte.
Beachtlich für ein erstes Jahr in der U23. Im zweiten folgte bei der Tour de Taiwan sein erster 2.1-Sieg. Und dann kam das dritte - und mit ihm neun Siege. Der prestigeträchtigste war dabei ein Etappensieg beim Giro Next Gen. Wer Lamperti bis dahin noch nicht auf dem Zettel hatte, musste sich nun kümmern, doch war es vermutlich schon zu spät.
Anfang August und damit kurz nach dem Zeitpunkt, nach dem Wechsel öffentlich verkündet werden dürfen, kam Soudal - Quick Step mit der Meldung um die Ecke, Lamperti für 2024 und 2025 mit einem Vertrag im World-Tour-Team ausgestattet zu haben. Ist den Worten Lampertis Glauben zu schenken, standen die Chancen für andere Mannschaften aber ohnehin nicht allzu gut.
“Ich habe schon zu dem Team aufgesehen, als ich noch ein wirklich kleiner Junge war”, sagte er zu seiner Unterschrift. “Soudal - Quick Step ist bekannt für die Entwicklung junger Fahrer und das hatte riesigen Einfluss auf meine Entscheidung, hierher zu kommen.” Und dann ist da ja auch noch der Umstand, dass Lamperti zwar ziemlich gut sprintet, aber eigentlich noch viel lieber andere Rennen fährt, in denen das belgische Team traditionell gut aufgestellt ist. “Ich sehe mich künftig auch wieder mehr bei den Klassikern, ich liebe die Eintagesrennen mit Kopfsteinpflaster. Und ich bin froh, dass ich sie mit dem ‘Wolfpack’ fahren kann.”
Dass die Kombination aus Luke Lamperti und Soudal - Quick Step Früchte tragen kann, zeigte sich bereits im ersten Rennen des Youngsters für sein neues Team. Der an Silvester 21 Jahre alt gewordene Lamperti sprintete bei der Trofeo Ses Salines-Felanitx (1.1), dem ersten Rennen der Mallorca Challenge, direkt auf Platz 3 hinter Alberto Dainese und dem siegreichen Paul Magnier. Der Franzose übrigens fuhr ebenfalls sein erstes Rennen für Quick Step - und kam vom Trinity Racing.
Ob es so erfolgreich weiter geht, wird sich demnächst bei der Tour of Oman zeigen. Dort steht Lamperti am Start, bevor er dann am Openingsweekend bei Kuurne-Brüssel-Kuurne sein geliebtes Kopfsteinpflaster unter die Räder nehmen darf.