Sebastian Lindner
· 04.02.2024
Noch ist die Liste seiner Erfolge im Skilanglauf ähnlich lang wie auf dem Rad. Wer es auf den schmalen Latten zum Norwegischen Juniorenmeister bringt, wie es Johannes Staune-Mittet noch 2019 gelang, ist in der Regel international weit vorne mit dabei und muss sich eher vor der Konkurrenz aus dem eigenen Land fürchten. Im selben Jahr wurde der Junge aus Lillehammer aber auch schon Juniorenmeister im Zeitfahren und als jüngerer Jahrgang Gesamtachter beim prestigeträchtigen Grand Prix Rüebliland.
Staune-Mittet konnte also wählen, nachdem er auch sein zweites Juniorenjahr 2020 noch parallel in beiden Sportarten betrieb. Für die Saison 2021 bekam er ein Angebot vom Jumbo-Visma Development Team. “Und ich habe danach mit beiden Händen gegriffen”, sagte er Ende vergangenen Jahres den Teammedien, als er den nächsten Schritt erfolgreich gemeistert hatte und den Vertrag im World-Tour-Team der Niederländer bis Ende 2026 unterschrieb.
“Ich hatte ein harte Zeit am Anfang”, blickte Staune-Mittet auf seine Juniorenzeit zurück. “Ich war mir nicht sicher, ob ich als Radsportler wirklich richtig aufgehoben war.” Auch sein drei Jahre älterer Bruder Andreas hatte sich auf dem Rad versucht, die Karriere jedoch nach einem Jahr beim norwegischen Kontinentalteam Joker aber wieder beendet. Doch die Zweifel verschwanden bei Jumbo-Visma schlagartig. Noch im ersten Jahr der U23-Klasse sicherte er sich eine schwere Etappe beim Nachwuchs-Rennen Ronde de l’Isard. Spätestens jetzt wurde deutlich, dass sich hier ein Klettertalent entwickelt.
Ein Jahr später holte er an gleicher Stelle zwei Etappen - eine davon im Teamzeitfahren - und den Gesamtsieg. Doch zu diesem Zeitpunkt war längst klar, wozu Staune-Mittet in der Lage ist, denn einen guten Monat zuvor hatte er die Tour de l’Avenir als Zweiter beendet. Lediglich Supertalent Cian Uijtdebroeks war besser.
Ein wenig Luft nach oben blieb also noch für das Jahr 2023, in dem er bereits häufiger als Gastfahrer mit den Profis auch bei Rennen unterwegs war. Eine schwere Etappe bei der Settimana Internazionale Coppi e Bartali (2.1) beendete er nur drei Sekunden hinter dem Sieger als Vierter in der ersten Verfolgergruppe. Doch sein Fokus blieb zunächst auf den U23-Rennen, zunächst dem Giro Next Gen.
Und das zahlte sich aus. Die 4. Etappe hinauf zum Passo dello Stelvio war seine. Mit dem Etappensieg, errungen im Zweiersprint, legte er den Grundstein für seinen späteren Gesamtsieg, den er mit einem zweiten Platz auf der zweiten schweren Bergetappe verteidigen konnte. Als Giro-Sieger fuhr Staune-Mittet nun auch als Favorit zur l’Avenir. Unterwegs sammelte er dabei noch im Feld der Profis seinen ersten 2.1-Sieg bei der Czech Tour ein.
In Frankreich hingegen verließ ihn das Glück. Schon auf der 1. Etappe stürzte er, nachdem sich ein Verpflegungsbeutel in seinem Rad verhangen hatte. Es bedeutete das Ende der Rundfahrt, aber auch das Ende der Saison. Auf die geplanten Rennen zum Saisonabschluss in Italien verzichtete er - zumindest als Fahrer. “Obwohl ich nicht am Rennen teilnehmen konnte, habe ich gefragt, ob ich nicht trotzdem mitfahren, und wenn ich nur Flaschen reiche. Ich wollte dem Team etwas zurückgeben, beenden, was wir ein paar Jahre zuvor gemeinsam begonnen hatten. Die Leute im Devo Team sind sehr leidenschaftlich bei dem was sie tun. Und dieser Enthusiasmus steckt an.”
Die Dankbarkeit sprach in diesem Moment aus Johannes Staune-Mittet, Jumbo-Visma hatte ihm den Weg gewiesen, mit dem Vertragsangebot damals nach der Juniorenzeit mehr oder weniger auch die Entscheidung abgenommen, ob er sich nun auf Langlauf oder Radsport konzentrieren sollte. Ohne zu wissen, wie sich der kürzlich 22 Jahre alt gewordene Norweger mit vollem Fokus auf die Ski hätte entwickelt, scheint es doch zumindest keine ganz falsche Wahl gewesen zu sein, auf das Rad zu setzen.
Bei O Gran Camino Mitte Februar wird Staune-Mittet nach der Tour Down Under, bei der er wie das gesamte Team nur mitschwamm, seinen zweiten Renneinsatz als Profi bestreiten, als Helfer an der Seite von Tour-de-France-Sieger Jonas Vingegaard.