Der deutsche Radprofi Max Walscheid vom Team Jayco AlUla hat sich am Samstag bei einem Sturz während des Rennens Dwars door het Hageland den Ellbogen gebrochen. Der 32-Jährige wurde am Sonntagmorgen in der ATOS-Klinik in Köln von Dirk Tenner operiert, wobei sein Arm mit Platte und Schrauben stabilisiert wurde. Walscheids Teilnahme an der am 5. Juli in Lille beginnenden Tour de France ist durch diese Verletzung stark gefährdet. Der Sprinter schätzt seine Chancen auf einen Start realistisch als sehr gering ein, will aber die minimale Restchance nutzen und den Heilungsprozess mit vollem Einsatz angehen. Auf Instagram postete Walscheid, dass er gerne viele Panini-Sticker bei der Tour unterschrieben hätte, dies jedoch jetzt fraglich sei. Der Deutsche betonte, dass er sich seiner Verantwortung sowohl gegenüber den anderen Fahrern im Peloton als auch für seine eigene langfristige Zukunft bewusst sei.
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Die kommenden Tage werden für Walscheids Genesungsprozess von entscheidender Bedeutung sein. Er muss das verletzte Gelenk mobil halten und Lymphdrainagen durchführen lassen, um die Heilung anzuregen und Schwellungen zu reduzieren. Sollte die Heilung überraschend schnell und gut verlaufen, würde Walscheid weiterhin gerne bei der Tour de France an den Start gehen. “Ich habe einfach Bock auf das Rennen”, sagte er gegenüber radsport-news.com. Walscheid ist in den vergangenen Monaten zu einem wichtigen Bestandteil des Sprintzuges von Dylan Groenewegen bei Jayco AlUla geworden und war an allen drei Saisonsiegen des niederländischen Top-Sprinters maßgeblich beteiligt. Sein Ausfall wäre daher ein schwerer Schlag für die australische Mannschaft.
Walscheid erklärte im Gespräch mit radsport-news.com auch die Umstände, die zu dem folgenschweren Sturz geführt hatten. In der Anfahrt zum ersten Schottersektor des belgischen Eintagesrennens zwischen Aarschot und Diest wurde es im Positionskampf hektisch. “Ich war gut positioniert, weit vorne, aber dann sind einige Fahrer wieder über den Bürgersteig nach vorne gefahren und als sie sich reingedrängt haben, hat es gekracht”, berichtete Walscheid. Einmal mehr hatte also ein Verhalten im Peloton, das laut UCI-Regularien verboten ist, aber zu selten geahndet wird, einen Massensturz ausgelöst. Der Deutsche spürte sofort, dass mit seinem Ellbogen etwas nicht stimmte. Er wurde zunächst in ein lokales belgisches Krankenhaus gebracht, wo Röntgenaufnahmen gemacht und ein Gips angelegt wurden. Von dort brachte ihn sein Team dann zur weiteren Behandlung in die ATOS-Klinik nach Köln.
Walscheid betonte, dass er sich der Risiken bewusst sei, die eine verfrühte Rückkehr ins Renngeschehen mit sich bringen würde. “Wenn man mit einer Verletzung herumfährt, die nicht zu 100 Prozent ausgeheilt ist, ist das nie gut – weitere Sturzgefahr, keine volle Belastbarkeit. Ich will da auch nicht mit schlechtem Beispiel vorangehen und die Gesundheit riskieren, wo es nicht angebracht ist”, erklärte er. Der Radprofi plant, sich von Experten beraten zu lassen, die seine Situation besser einschätzen können. Sollte ein langfristiges Gesundheitsrisiko bestehen, werde er keine unüberlegten Entscheidungen treffen. Walscheid zeigt sich dankbar gegenüber dem Chirurgen Dirk Tenner, der ihn am Sonntagmorgen “außer der Reihe” sofort operiert habe, wodurch wertvolle Zeit im Heilungsprozess gewonnen wurde.
Ein möglicher Ausfall von Max Walscheid für die Tour de France würde das Team Jayco AlUla vor große Herausforderungen stellen. Der Deutsche hat sich in den vergangenen Monaten zu einem Schlüsselfahrer im Sprintzug von Dylan Groenewegen entwickelt. Seine Erfahrung und Stärke waren maßgeblich an den drei Saisonsiegen des niederländischen Topsprinters beteiligt. Er wäre damit jedoch nicht der einzige Ausfall des Teams, dass erst vor wenigen Tagen verkündet hat, dass es auf die Teilnahme von Micheal Matthews verzichten muss. Bei Mathews wurden Anzeichen einer Lungenembolie entdeckt, weshalb Rennen für den Fahrer bis auf Weiteres gestrichen wurden.
Werkstudent