TOUR: Ist es eine gute Idee, die UCI-Radweltmeisterschaften in Ruanda abzuhalten?
Kimberly Coats: Die Austragung der UCI-Radweltmeisterschaften auf dem afrikanischen Kontinent ist eine großartige Leistung. Es ist eine Ehre und zeigt, wie weit wir in der Entwicklung des Radsports auf dem Kontinent gekommen sind. Als Jock Boyer 2007 seine Arbeit in Ruanda aufnahm, hatte das Land keine funktionierende Nationalmannschaft, keine Punkte für die UCI-Afrika-Rundfahrt und keine angemessene Ausrüstung oder Ausbildung. Jetzt ist Ruanda Gastgeber der UCI-Weltmeisterschaften. Das spricht für die Qualität der Radsportler auf dem Kontinent, das Wachstum des Sports und das Engagement der Nationen, den Sport zu fördern und Profi- und Freizeitradler anzuziehen, die das Land kennenlernen wollen.
TOUR: Das Europäische Parlament fordert, die WM aufgrund des Konflikts in der benachbarten Demokratischen Republik Kongo abzusagen …
Kimberly Coats: Ich habe keine politische Meinung. Ruanda hat das Recht, seine Bevölkerung und seine Grenze zu schützen. Ich habe acht Jahre lang in der Nähe der Grenze zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda gelebt und habe mich immer sicher gefühlt. Darum sollte es letztlich gehen: Ist das Land sicher und kann es die Weltmeisterschaften in einem sicheren Umfeld ausrichten? Ich glaube, dass die Antwort ein klares Ja ist. Dieses Ereignis mit der aktuellen politischen Situation zu verknüpfen, bedeutet, die Träume vieler junger afrikanischer Radsportler zu zerstören. Dieses Rennen ist ihr Rennen. Dieses Rennen ist ihre Chance, der Welt das aufkeimende Talent des Kontinents zu zeigen. Wenn dieses Rennen aufgrund der Maßnahmen des Europäischen Parlaments abgesagt wird, trifft diese Entscheidung die Radsportler am härtesten.
Vor zehn Jahren war der Kontinent noch nicht so weit. Heute ist er bereit.
TOUR: Wird die WM dem afrikanischen Radsport helfen oder wäre das Geld besser in Projekte zur Förderung afrikanischer Radsporttalente und -rennen investiert?
Kimberly Coats: Wenn die Weltmeisterschaften vor zehn Jahren in Ruanda stattgefunden hätten, würde ich sagen, dass das Geld besser in die Basisarbeit investiert worden wäre. Vor zehn Jahren war der Kontinent noch nicht so weit. Heute ist er bereit. Irgendwann kommt der Punkt, an dem sich die Welt selbst ein Bild von den Talenten und der Landschaft machen muss, aus der diese Talente kommen. 2025 ist dieser Zeitpunkt gekommen.

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