Jens Voigt ist euphorischGoldenes Zeitalter des Radsports

Kristian Bauer

 · 14.02.2026

Jens Voigt ist euphorisch: Goldenes Zeitalter des RadsportsFoto: Getty Images/Tim de Waele
Jens Voigt Women's Tour Down Under 2020
Jens Voigt bezeichnet die aktuelle Zeit als Goldenes Zeitalter des Radsports und schwärmt von Pogačar und Van der Poel. Der ehemalige Profi spricht in einem aktuellen Podcast über den Ursprung seines berühmten "Shut up legs"-Spruch und die Herausforderungen moderner Fahrer. Voigt verrät einen überraschenden Traum: er würde gerne eine Buchhandlung besitzen.

Ex-Radprofi Jens Voigt sieht den Radsport in einer historisch einmaligen Phase. „Wir leben im Goldenen Zeitalter des Radsports", erklärt der 53-Jährige im "Domestique Hotseat"-Podcast und begründet seine Einschätzung mit der außergewöhnlichen Qualität der aktuellen Fahrergeneration: “Ich meine, man geht zu Rennen und sieht Wout Van Aert gegen Mathieu van der Poel antreten, man sieht Pogacar, Vingegaard, Remco Evenepoel. Wir erleben eine wirklich gute Zeit des Radsports, des spektakulären Radsports.” „Das Glück, ein herausragender Athlet zu sein", beschreibt Voigt als seltenes Geschenk, das nur wenige erhalten. Seine Reflexionen über Talent und harte Arbeit verdeutlichen die komplexe Natur des Spitzensports. Die Kombination aus genetischen Voraussetzungen und mentaler Stärke entscheide über Erfolg oder Misserfolg. Er betont, dass die heutige Generation nicht nur körperlich, sondern auch mental außergewöhnlich stark sei. Der Umgang mit medialem Druck und kommerziellen Erwartungen erfordere neue Fähigkeiten.

Jens Voigt und die Kunst des Kämpfens

In dem Podcast blickt er auch auf seine eigene Karriere zurück. “Ich war kein Sprinter. Also musste ich leider immer den harten Weg gehen, um zu gewinnen. Aber wenn man versucht zu gewinnen, wie ich es getan habe, scheitert man viel öfter, als man tatsächlich Erfolg hat”, erklärt er in dem Podcast. “Ich habe wahrscheinlich neun von zehn Mal versagt, aber diese 10 Prozent Chancen haben mein Leben geprägt.” Er berichtet in dem Podcast auch wie er sich motiviert hat in einer Ausreißergruppe nicht aufzugeben, wenn er am Anschlag war. Manchmal rettete er sich in Gedanken nur bis zur nächsten Kurve oder zum nächsten Baum und hoffte die Verfolger abzuschütteln. Er hat sich zudem stets selbst Mut zugesprochen: “Okay, ich bin ein sehr guter Fahrer. Wenn ich so leide, muss es für die anderen noch viel schwerer sein, denn sie können nicht besser sein als ich. Ich habe trainiert, ich bin topfit. Ich war auf dieses Rennen vorbereitet. Wenn ich wie verrückt leide, müssen die anderen mindestens doppelt so viel leiden. Und wenn nichts funktioniert, dann macht es dich einfach unglaublich wütend und ärgerst dich über alle und alles auf der Welt. Negative Energie ist ein super starker Schub, aber sie ist Gift für die Seele. Man kann sie nicht ständig nutzen, nur in kleinen Dosen. Aber wenn man sich unglaublich wütend und zornig macht, hilft es einem, weiterzumachen.”

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Jens Voigt träumt vom Buchladen

Voigts Gedanken über sein eigenes Vermächtnis im Radsport offenbaren einen nachdenklichen Charakter. „Freundlichkeit ist genauso wichtig wie Härte im Spitzensport", fasst er seine Lebensphilosophie zusammen. Seine Träume jenseits des Radsports, einschließlich des Wunsches, eine Buchhandlung zu besitzen, zeigen die vielseitigen Interessen des ehemaligen Profis. Der "Domestique Hotseat"-Podcast verdeutlicht, dass Voigt auch nach dem Karriereende vielfältige Pläne verfolgt und seine Erfahrungen an die nächste Generation weitergeben möchte. Überraschend ist sein Traum von einer eigenen Buchhandlung: “Ich möchte gerne einen kleinen Buchladen mit einer guten Kaffeemaschine haben. Ich möchte dort sitzen und meine eigenen Cappuccinos trinken. Das wäre mein Traumjob.”

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Moderne Herausforderungen für Fahrer

Die aktuellen Belastungen für Profifahrer sieht Voigt kritisch. Das Anti-Doping-Meldesystem und der konstante öffentliche Druck stellten neue Herausforderungen dar, die seine Generation in dieser Form nicht kannte. Die Balance zwischen notwendiger Kontrolle und Privatsphäre beschäftigt ihn als ehemaligen Athleten. Voigt betont, dass der Sport der aktuellen Fahrergeneration noch einiges schulde. Die Anerkennung ihrer Leistungen unter erschwerten Bedingungen sei wichtig für die Glaubwürdigkeit des Radsports.

​Entstehung einer Legende: "Shut up legs"

Der berühmte Ausspruch "Shut up legs" entstand aus Voigts pragmatischem Umgang mit Schmerzen während des Rennens. „Das Leiden gehört zum Radsport dazu", erklärt er die Philosophie hinter seinem Markenzeichen. Diese mentale Einstellung half ihm, in kritischen Rennphasen durchzuhalten und wurde zu seinem charakteristischen Merkmal. Die Entstehungsgeschichte des Spruchs verdeutlicht Voigts direkte Art im Umgang mit körperlichen Grenzen. Der Domestique-Podcast erinnert, wie Voigt mit coolen Sprüchen rund um das Leiden internationalen Kultstatus erreichte.

Kristian Bauer

Kristian Bauer

Redakteur

Kristian Bauer ist gebürtiger Münchner und liebt Ausdauersport – besonders wenn es in die Berge geht. Er ist ein Fan der Tour de France und bevorzugt solide Rennradtechnik. Er führt für TOUR Interviews, berichtet von Events im Hobbyradsport und schreibt Artikel über die Fahrradbranche sowie Trends im Rennradsport.

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