“Verrücktes Projekt”Biathlet Émilien Jacquelin wechselt zum Decathlon CMA CGM Team

Kristian Bauer

 · 30.03.2026

“Verrücktes Projekt”: Biathlet Émilien Jacquelin wechselt zum Decathlon CMA CGM TeamFoto: GettyImages/Kevin Voigt)
Emilien Jacquelin
Der französische Biathlet Émilien Jacquelin wechselt ab 1. Mai zum Decathlon CMA CGM Team und testet im NewGen-Kader seine Radsport-Fähigkeiten. Der vierfache Olympia-Medaillengewinner und neunfache Weltmeister bringt 55 Podestplätze aus Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften und Biathlon-Weltcup mit. Jacquelin trainiert bereits seit seiner Kindheit auf dem Rad und nutzt Radsport als Grundlage seiner Biathlon-Vorbereitung. Er bezeichnet das Projekt selbst als “etwas verrückt”.

Das Decathlon CMA CGM Team holt mit Émilien Jacquelin einen der erfolgreichsten französischen Biathleten in sein Nachwuchsteam NewGen. Der 30-Jährige startet seine neue Karriere im Straßenradsport ab dem 1. Mai und verlässt damit zeitweise den Biathlon-Zirkus. Der Vertrag läuft vorerst nur über sechs Monate. Die Verbindung zum Team besteht bereits seit längerem. “Mein Traum seit meiner Kindheit ist es, Profi-Radrennfahrer zu werden. Dank des Teams habe ich die Möglichkeit, diese Chance zu ergreifen. Ich weiß aber, dass der Weg schwierig werden wird. Ich fange ganz von vorne an. Radfahren ist sehr anspruchsvoll - das gesamte Feld ist bereits auf einem unglaublichen Niveau. Aber es ist eine Herausforderung, und ich möchte all meine Kraft und Energie einsetzen, um zu versuchen, diese Herausforderung zu meistern.”, erklärte er im RMC-Podcast “Grand Plateau”. Er sieht sich als potentieller Helfer: “Wasserflaschen holen, für einen Teamkollegen fahren, der besser sprintet als ich. Damit hatte ich in meiner Vergangenheit, als junger Radfahrer kein Problem”, erklärt er. Eine große Motivation ist auch sportlicher Natur: “Ich bin wirklich neugierig darauf zu sehen, wozu mein Körper fähig ist – wie weit ich auf dem Weg zur Höchstleistung gehen kann”.

Jacquelin gewann bei den Olympischen Spielen in Milano-Cortina seine erste olympische Goldmedaille mit der französischen Staffel. Am Start stand er mit den Ohrringen von Marco Pantani den er bewundert. Seine Bilanz umfasst vier olympische Medaillen, neun WM-Medaillen mit fünf Titeln sowie eine Kristallkugel in der Verfolgung. Insgesamt erreichte er 55 Podestplätze bei Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften und im Biathlon-Weltcup.

Jacquelin fährt seit Jahren Rennrad

Der Franzose trainiert seit seiner Kindheit auf dem Rennrad. Radsport bildet einen zentralen Bestandteil seiner Biathlon-Vorbereitung. Der Wechsel in den Radsport ist aber nicht für immer geplant - vielmehr sieht er es als persönliche Herausforderung und Erfüllung eines Traums. Die Winterspiele 2030 in Frankreich bleiben nach eigenen Angaben weiterhin ein Ziel. Jacquelin will seine physischen Fähigkeiten im professionellen Peloton testen. “Eine Herausforderung bedeutet, dass man nicht unbedingt die Gewissheit hat, erfolgreich zu sein, ganz im Gegenteil. Aber auf jeden Fall werde ich wirklich wieder jeden Tag 100 Prozent geben”, erklärte er bei RMC. Das Team stellt ihm Trainingsmethoden und Ernährungsbetreuung zur Verfügung. Jacquelin betont, dass er keine halben Sachen machen will und sich der Anforderungen bewusst ist. So denkt er bereits an ein niedrigeres Körpergewicht, das er erreichen kann indem er seine Oberkörpermuskulatur reduziert.

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Jacquelin als Puncheur

Jean-Baptiste Quiclet, Head of Performance beim Decathlon CMA CGM Team, verweist auf die langjährige Verbindung zwischen Jacquelin und dem Team. Die Betreuung wird sich auf Training mit Coaching und Ernährungsbegleitung sowie Zugang zu professionellem Material konzentrieren. Ein Höhentrainingslager in Arc 1950 mit dem NewGen-Kader steht als nächstes auf dem Programm. Das Team plant eine Evaluierungsphase im Spätsommer. Quiclet sieht in Jacquelins Explosivität aus dem Biathlon das Potenzial für einen Puncheur auf der Straße. Der hohe VO2max-Wert, den Jacquelin auf Skiern unter Beweis stellte, soll sich nun auf dem Rad zeigen.

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Anpassung an lange Belastungen

Guillaume Bonnafond, Head of NewGen, erklärt die Philosophie des Nachwuchskaders. Die Entwicklung braucht Zeit, besonders bei Fahrern aus anderen Disziplinen. Jacquelin soll sich zunächst von der Wintersaison erholen, bevor ein neuer Block mit aerobem Training beginnt.

Obwohl Jacquelin hohe Trainingsbelastungen gewohnt ist, muss er sich an die langen Belastungen im Radsport anpassen. Bonnafond sieht in seinen physischen Qualitäten und seiner Mentalität als Champion einen Gewinn für alle Fahrer im Kader. Das NewGen-Programm nimmt sich bewusst Zeit für die Umstellung auf die spezifischen Anforderungen des Straßenradsports.


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Kristian Bauer

Kristian Bauer

Redakteur

Kristian Bauer ist gebürtiger Münchner und liebt Ausdauersport – besonders wenn es in die Berge geht. Er ist ein Fan der Tour de France und bevorzugt solide Rennradtechnik. Er führt für TOUR Interviews, berichtet von Events im Hobbyradsport und schreibt Artikel über die Fahrradbranche sowie Trends im Rennradsport.

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