Sebastian Lindner
· 01.04.2026
Van Aert hatte sich bereits im Vorjahr mit Rang zwei begnügen müssen. Damals hatte sein Team eine 3:1-Überzahl im Finale gegen Neilson Powless (EF Education - EasyPost) verspielt, der US-Amerikaner gewonnen. Dieses Mal wollte es der 31-Jährige nicht zu dieser Situation kommen lassen. 40 Kilometer vor dem Ziel griff er am Eikenberg an, sprang aus dem Feld heraus zur Spitzengruppe und schüttelte bis zum Nokereberg zehn Kilometer vor dem Ziel alle Begleiter ab.
Sein Solo konnte er aber nicht zu Ende bringen, es fehlten wenige Meter. Denn gut drei Kilometer vor dem Ziel griff Ganna aus dem nahenden Feld heraus an. Es sollte der entscheidende Move des Tages werden, denn Ganna machte Meter um Meter gut und ging mit einem Sprinterloch in die letzte Kurve 300 Meter vor dem Ziel. Mit hoher Geschwindigkeit saugte er sich im Windschatten an und flog noch am Belgier vorbei zu seinem 39. Sieg.
Und auch Ganna musste dafür einige Widerstände überwinden. “Über den Tag verteilt hatte ich einiges an Pech”, so der Sieger. Zwei Mal musste er in nicht unentscheidenden Situationen das Rad wechseln. Beim erstes Mal nach Vorderrad-Defekt, beim zweiten Mal wegen eines gebrochenen Lenkers. Doch Ganna kämpfte sich immer wieder zurück. “Es ist ein wichtiger Sieg für mich und hoffentlich auch eine Motivation für das Team für die nächsten Rennen.”
Auch für van Aert hatte hielt er warme Worte bereit: “Wout war extrem beeindruckend. Ihn wieder einzuholen, war alles andere als einfach.” Doch das wird dem Belgier kaum Trost spenden. “Es wäre natürlich schön gewesen, wenn das Rennen 150m kürzer gewesen wäre. Ich habe alles versucht und war am Schluss wirklich leer, so sind eben Radrennen. Bis zum letzten Moment dachte ich, dass es reichen könnte. Ich habe nicht nach hinten geschaut, weil ich mich auf mich selbst konzentrieren wollte. Plötzlich sah ich, dass Ganna an mir vorbeifuhr und wusste, es ist vorbei.”
| RG | Fahrer | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | INEOS Grenadiers | 03:48:27 |
| 2 | Team Visma | Lease a Bike | +00:00:00 |
| 3 | Uno-X Mobility | +00:00:00 |
| 4 | NSN Cycling Team | +00:00:00 |
| 5 | Red Bull - BORA - hansgrohe | +00:00:00 |
| 6 | Movistar Team | +00:00:00 |
Nachdem für fast 80 Kilometer trotz reihenweiser Versuche sich keine Gruppe lösen konnte, waren die 18 Mann, die danach eine Lücke herausfahren konnten, umso prominenter. Mads Pedersen (Lidl - Trek), Chrtistophe Laporte (Team Visma | Lease a Bike), Florian Vermeersch (UAE Team Emirates - XRG), Tobias Lund Andresen (Decathlon CMA CGM) oder auch Sören Waerenskjold (Uno-X Mobility) zählten dazu. Über die ersten beiden Rennstunden lag der Schnitt bei mehr als 48 km/h.
84 Kilometer vor dem Ziel war die Gruppe dann erstmal wieder gestellt. Kurz darauf ging eine neue, wieder mit 16 Fahrern. Und wieder mit Vermeersch, Laporte und Pedersen. Doch auch sie kamen nicht weit. In der Folge beruhigte sich das Rennen ein wenig. Es blieb zwar schnell, aber die großen Namen hielten sich etwas zurück.
Erst 50 Kilometer vor dem Ziel, als zum zweiten Mal die Mariaborrestraat auf dem Plan stand, hatte sich ein neues Trio um Romain Gregoire (Groupama - FDJ), Niklas Larsen (Unibet - Rose) und Thomas Garchignard (TotalEnergies) gelöst. Über den Eikenberg stieß van Aert dazu dazu, Garchignard hingegen konnte nicht mitfahren.
Bis zum Nokereberg 20 Kilometer vor dem Ziel fuhr sich das Trio, das dort zum Duo wurde, weil Gregoire zurückfiel, 45 Sekunden Vorsprung auf die Hauptgruppe heraus. Dazwischen hingen Vermeersch, Tim van Dijke (Red Bull - BORA - hansgrohe) und Magnus Sheffield (INEOS Grenadiers). Das war kurz nach dem Anstieg aber Geschichte. Und als es zehn Kilometer vor dem zweiten Mal über diesen Berg ging, war van Aert dann der alleinige Führende des Rennens.
Und das auch noch bis in die letzte Kurve 300 Meter vor dem Ziel. Doch aus dem Feld heraus hatte Ganna seine Verfolgung gut drei Kilometer vor dem Ziel gestartet. Mit 50 Metern Rückstand auf den Belgier ging er in die letzte Kurve. Danach saugte er sich mit seinem Geschwindigkeitsüberschuss im Windschatten an den Belgier heran und finf van Aert 100 Meter vor dem Ziel tatsächlich noch ab.