Radsport-HoffnungenDiese deutschen Fahrer muss man 2026 im Auge behalten

Kristian Bauer

 · 02.04.2026

Radsport-Hoffnungen: Diese deutschen Fahrer muss man 2026 im Auge behaltenFoto: Getty Images/Tim de Waele
Lennard Kämna

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Florian Lipowitz hat 2025 die ganze Aufmerksamkeit der deutschen Radsportfans auf sich gezogen. Seine erfolgreiche Tour-de-France-Premiere entfachte in der Heimat ein mediales Radsportfieber. Wer sind die anderen deutschen Fahrer, die 2026 für Erfolge sorgen könnten? Unsere Top-Liste deutscher Fahrer, die man im Auge behalten muss mit einem besonderen Blick auf aufsteigende Talente.

​Erlebt der deutsche Radsport wieder einen Höhenflug? Erstmals seit vielen Jahren fahren künftig wieder zwei deutsche Teams in der World-Tour. Neben Red Bull-Bora-hansgrohe um Remco Evenepoel und Florian Lipowitz ist auch der Rennstall Lidl-Trek künftig mit einer deutschen Lizenz ausgestattet. Dort fährt unter anderem Tour-Etappensieger Lennard Kämna. Ein Blick auf deutsche Radprofis, die in dieser Saison besonders unter Beobachtung stehen:

Florian Lipowitz

Die größten Hoffnungen der deutschen Radsportfans ruhen auf Lipowitz - dabei ist noch unklar, welche Rolle ihm diese Saison zugewiesen wird. In der vergangenen Saison startete Florian Lipowitz (25) richtig durch. Er belegte den dritten Platz bei seiner ersten Tour de France, gewann das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers und wurde als einer der besten Bergfahrer der Welt bezeichnet. Der neue deutsche Radsport-Liebling muss in dieser Saison mit großen Erwartungen leben und dem Druck standhalten. Zudem wird es spannend zu sehen, wie in dem neu aufgestellten Team die Rollenverteilung ausfällt. Der Neuzugang Remco Evenepoel wird das Teamgefüge bei Red-Bull-Bora-hansgrohe deutlich verändern. Welche Rolle Lipowitz bei den Großen Rundfahrten zugewiesen wird und was er erfüllen kann, wird eine der spannenden Fragen der Saison. Drei Monate vor dem Start der Frankreich-Rundfahrt präsentiert sich die deutsche Radsport-Hoffnung in guter Form: Sein dritter Gesamtrang hinter dem überragenden Jonas Vingegaard und dem Franzosen Lenny Martinez bei der schweren Katalonien-Rundfahrt war ein Fingerzeig für die Tour de France.

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Pascal Ackermann

Mit seinen 32 Jahren gehört Pascal Ackermann zu den Routiniers im World-Tour-Peloton. Die vergangene Saison war für ihn sehr schwierig. Beim Etappenrennen Tour de la Provence in Frankreich stürzte er im Zielsprint und verletzte sich am Knie, worauf die Saison-Planung durcheinandergewirbelt wurde. Für Stress sorgten auch die permanenten Proteste und Drohungen gegen sein damaliges Team Israel - Premier Tech. Er wird sich freuen, wenn er sich bei seinem neuen Team Jayco AlUla wieder auf das Sportliche konzentrieren kann. Ackermann bringt die Erfahrung von sechs Grand Tours mit und hat 41 Erfolge in seinem Palmarès stehen. Ein Fahrer den man im Sprint immer auf dem Zettel haben muss. Sein größter Traum ist ein Etappensieg bei der Tour de France. Beim Giro gelang ihm das schon drei Mal.

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Maximilian Schachmann

Schachmann hat zweimal Paris-Nizza und vier Etappensiege beim Giro d’Italia gewonnen – sein Aufstieg im Profi-Radsport verlief zunächst kometenhaft. 2022 riss die Erfolgssträhne und er kämpfte gegen viele Krankheitsphasen und beim Team Bora-hansgrohe lief es nicht mehr rund. Wie Lennard Kämna und Emanuel Buchmann verließ er das Team. Im letzten Jahr wechselte er zum Team Soudal Quick-Step und hofft in seinem zweiten Jahr auf neue Sternstunden auf dem Rad. Der Start in die neue Saison 2026 verlief schmerzhaft. Schachmann suchte bei der Algarve-Rundfahrt zusammen mit Frankreichs dreimaligem Weltmeister Julian Alaphilippe sein Heil in der Flucht, lag zum Zeitpunkt seines Sturzes 1:45 Minuten vor dem Feld. Rund 35 Kilometer vor dem Ziel rutschte Schachmann in einer langgezogenen Linkskurve in einer Abfahrt weg. Zum Glück blieb er aber ohne schwere Verletzungen. Bei Paris-Nizza stand er nicht im Aufgebot.

Max Kanter

Mit 28 Jahren ist Max Kanter vom XDS Astana Team kein Nachwuchstalent mehr – über die Teams Sunweb, DSM, Movistar und Astana sammelte er seit Jahren Erfahrung in der WorldTour. Der Fahrer aus Cottbus war schon viermal beim Giro d’Italia am Start und kann mit seinen Sprints vor allem bei Eintagesrennen punkten. In die Saison ist er mit einem zweiten Platz bei der Trofeo Palma und einem dritten Rang bei der Ronde Van Brugge gestartet. Die ganz großen Erfolge stehen noch nicht in seinem Palmarès, aber in der UCI Jahreswertung ist er momentan einer der besten Deutschen.

Georg Steinhauser

Wird zu den vielversprechenden Talenten gezählt, aber hatte eine schwere Saison 2025. Sein Start in die aktuelle Rennsaison verlief hingegen perfekt. Steinhauser hat Paris-Nizza überraschend als Dritter abgeschlossen und damit den größten Rundfahrt-Erfolg seiner Karriere erzielt. Obendrein sicherte sich der 24-Jährige das Weiße Trikot des besten Jungprofis und trat damit das Erbe von Florian Lipowitz an, der im Vorjahr Zweiter geworden war.

Lennard Kämna

Die ganz großen Erfolge fehlen noch, seit Lennard Kämna nach seinem schrecklichen Trainingsunfall auf Teneriffa Anfang 2024 wieder im Rennsattel sitzt. Die Tour de Suisse im vergangenen Jahr zeigte, dass der einstige Tour- und Giro-Etappensieger aber wieder zurück in der erweiterten Weltspitze ist. Am Ende stand Gesamtrang sechs, bei der darauffolgenden Deutschen Meisterschaften mischte er lange im Titelrennen mit und kam in Sichtweite des neuen Meisters Georg Zimmermann ins Ziel. Nach der Verpflichtung des neuen Rundfahrt-Leaders Juan Ayuso, der bei Lidl-Trek endlich aus dem Schatten von Tadej Pogacar treten will, kommt ihm voraussichtlich bei schweren Rennen wie im Baskenland und voraussichtlich auch der Tour de France eine Rolle als Edelhelfer zu.

Anton Schiffer

Der Kölner Anton Schiffer überraschte 2025 mit einem Etappengewinn bei der Sibiu Cycling Tour und dem dritten Platz bei der Deutschen Meisterschaft. Das brachte ihm einen Wechsel vom Continental-Team Bike Aid zur World-Tour-Mannschaft Team Visma | Lease a Bike ein. „Ich habe mein ganzes Radsport-Leben keinen Trainer gehabt, mich immer selbst trainiert“, verriet er im TOUR-Interview. Das ihn sein Training so weit gebracht hat, liegt auch an seinem Hintergrund: er ist Sportwissenschaftler. An der Seite von Jonas Vingegaard und Wout van Aert erlebt er seine erste Saison auf der ganz großen Radsportbühne und muss sich auf einem anderen Niveau beweisen. Bei der Tour Down Under startete er in die Saison. Der Bergspezialist hofft auf einen Einsatz bei einer großen Rundfahrt. Bei der Settimana Coppi e Bartali (2.1) konnte Schiffer seine starke Leistung zeigen: er beendete die Rundfahrt auf Platz fünf in der Gesamtwertung.

Emil Herzog

Herzog gilt als eines der spannendsten deutschen Talente - er wechselte 2024 ins Profi-Lager. In der aktuellen Saison wurde der 21-Jährige dritter in der Nachwuchswertung der Settimana Internazionale Coppi e Bartali und fuhr bei der Volta Comunitat Valenciana auf der 5. Etappe als Zweiter über den Zielstrich. Bei Strade Bianche war er bester Deutscher auf Rang 83 mit 16:38 Minuten Rückstand auf Sieger Pogacar.

Felix Engelhardt

Mit dem Sieg der Sprintwertung bei der Tour of the Alps hatte Felix Engelhardt 2021 auf sich aufmerksam gemacht. 2022 gewann er den EM-Titel im Straßenrennen der U23. und bei der Slowakei-Rundfahrt 2024 gewann die Königsetappe mit der Bergankunft in Strbske Pleso - vor seinem Jayco-AlUla-Teamkollegen Mauro Schmid und dem zweimaligen Weltmeister Julian Alaphilippe. Im Straßenrennen der DM landete er 2025 auf dem zweiten Platz. Als Teamkollege von Pascal Ackermann beim Team Team Jayco AlUla ist der 25-jährige Felix Engelhardt gut in die Saison gestartet. Mit Hitze ist er in der Vergangenheit nicht immer gut zurechtgekommen, er hofft bei den Klassikern wie Amstel Gold Race und Lüttich-Bastogne-Lüttich vorne mitfahren kann.

Kristian Bauer

Kristian Bauer

Redakteur

Kristian Bauer ist gebürtiger Münchner und liebt Ausdauersport – besonders wenn es in die Berge geht. Er ist ein Fan der Tour de France und bevorzugt solide Rennradtechnik. Er führt für TOUR Interviews, berichtet von Events im Hobbyradsport und schreibt Artikel über die Fahrradbranche sowie Trends im Rennradsport.

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