Nur in der ersten der acht Runden von Hulst konnten van der Poels Kontrahenten auf Tuchfühlung bleiben - danach sahen sie den alten und neuen Weltmeister nur noch im Entgegenkommen. Die Dominanz war in dieser Form auch erwartet worden - lediglich Defekte oder Stürze hätten ihn vom Titel abhalten können. Es war der achte. 2015, 2019, 2020, 2021, 2023, 2024 und 2025 standen bisher auf der Habenseite des 31-Jährigen, der mit dieser Bilanz noch auf einer Stude mit Erik De Vlaeminck stand, der in den 60er und 70er Jahren sieben Titel feiern konnte. Nun ist van der Poel alleiniger Rekordweltmeister.
Ob van der Poel auch im nächsten Winter nochmal aufs Cross-Bike steigt, ließ er offen. “Wir werden sehen. Es wird noch eine Weile dauern, bis die nächste Saison vor der Tür steht”, sagte er nun nach seinem Titel. Im Vorfeld war darüber spekuliert worden, ob er nach seinem achten Titel den vollen Fokus auf die Straßenkarriere legt. “Als ich mit dem Radsport angefangen habe, war es mein Traum, einmal als Profi Weltmeister zu werden. Dass ich jetzt die meisten Titel aller Zeiten habe, ist unglaublich.”
Hinter dem überragenden Crosser seiner Zeit kämpfen - ebenso einsam wie van der Poel einige Meter weiter vorne - Del Grosso und Nys um die verbliebenen Medaillen. Lange Zeit war es am Belgier, die Führungsrolle zu übernehmen. Distanzieren konnte er van der Poels Landsmann und Teamkollegen bei Alpecin-Premier Tech aber nicht. Stattdessen übernahm Del Grosso das Ruder Mitte der letzten Runde und stellte Nys schließlich noch ab.
Für Deutschland waren Fabian Eder und Marcel Meisen am Start. Beide hatten mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun und wurden 25. und 26. Das beste Ergebnis aus dem DACH-Raum lieferte Kevin Kuhn (Schweiz) als Elfter. Ohnehin dominierten die Niederländer und Belgier das Geschehen an der Spitze. Lediglich der Italiener Filippo Fontana und Felipe Orts aus Spanien als Fünfter und Siebenter repräsentierten andere Farben in den Top 10.
Gleich von Beginn an setzten sich van der Poel, Del Grosso und Nys vom Rest des Feldes ab, wobei auch Nys schon Probleme bekam, dem niederländischen Tempodiktat zu folgen. An den Treppen kam der Belgier zurück, doch das war nur von kurzer Dauer. Denn kurz nachdem das Trio die erste Runde vollendet hatte und bereits 20 Sekunden Vorsprung auf den Rest des Feldes hatte, setzte van der Poel noch einen drauf und löste sich von seinen Begleitern.
Bereits zur Hälfte des Rennens nach vier von acht Runden hatte van der Poel fast Minute Vorsprung herausgefahren, nahm dann aber wieder etwas Tempo heraus, um kein unnötiges Risiko zu gehen. Dahinter versuchte Nys vergeblich, seinen niederländischen Schatten abzuschütteln. Aber Del Grosso blieb am Hinterrad, auch wenn er ab und an ein paar Meter Lücke ließ. Auf die weiteren Verfolger betrug ihr Vorsprung gut 25 Sekunden.
Zum Ende der sechsten Runde konnte Nys dann aber doch ein paar Sekunden zwischen sich und Del Grosso bringen. Dann setzte Regen ein, der den Kurs noch ein wenig anspruchsvoller machte. Zur Glocke zur letzten Runde hatte Del Grosso die Lücke zu Nys wieder geschlossen, fuhr sogar vorbei. Obwohl Del Grosso zwischenzeitlich einige körperliche Probleme zu haben schien, konnte er sich schließlich doch noch von Nys absetzen und Silber sichern.