Die kanadische Radsportlerin Maggie Coles-Lyster hat mit ihrem Sieg beim Eintagesrennen der Tour Down Under in Australien ein beeindruckendes Comeback nach gesundheitlichen Problemen gefeiert. Die Sprintspezialistin setzte sich im Start- und Zielort Tanunda gegen die Tour-Down-Under-Rundfahrts-Siegerin Noemi Rüegg und die Polin Marta Lach durch. Für Coles-Lyster stellt dieser Erfolg neben ihrem Titel als nationale Meisterin, den bisher größten ihrer Karriere dar, nachdem sie sich erst vor sechs Monaten einer Operation an der Beckenarterie unterziehen musste. Die Genesung von diesem medizinischen Eingriff stellte für die Kanadierin eine besondere Herausforderung dar, die sie nun mit dem prestigeträchtigen Sieg in Australien krönen konnte. Das Rennen in der Barossa-Valley-Region verlief nach klassischem Sprintermuster, wobei Coles-Lyster ihre Schnelligkeit und taktische Finesse unter Beweis stellte. Die Kanadierin positionierte sich im Finale optimal und konnte ihre Konkurrentinnen auf den letzten Metern distanzieren. Besonders bemerkenswert war, dass sie sich gegen Rüegg durchsetzen konnte, die zuvor die Gesamtwertung der mehrtägigen Tour Down Under für sich entschieden hatte und entsprechend formstark an den Start gegangen war.
Die Tour Down Under und das damit verbundene Eintagesrennen markieren traditionell den Beginn der internationalen Radsportsaison für die Frauen. Entsprechend hochkarätig war das Teilnehmerinnenfeld besetzt. Neben der Gesamtsiegerin Rüegg und der drittplatzierten Lach waren zahlreiche weitere Spitzenfahrerinnen am Start. In den Tagen zuvor hatte sich besonders die Neuseeländerin Ally Wollaston in den Fokus gefahren, die zwei Etappensiege bei der Tour Down Under feiern konnte. Beim ersten Erfolg hatte Wollaston, die für das Team FDJ-Suez fährt, mit einem beeindruckenden 100-Kilometer-Solo für Aufsehen gesorgt, das beinahe von der Konkurrenz noch eingeholt worden wäre. Auch beim zweiten Etappensieg musste die Neuseeländerin hart kämpfen, nachdem sie fast ihre Chance verpasst hätte. Beim abschließenden Eintagesrennen konnte sich Wollaston jedoch nicht in Szene setzen, was den Weg für Coles-Lysters Triumph ebnete. Die Kanadierin nutzte ihre wiedergewonnene Stärke und bewies, dass sie zu den besten Sprinterinnen der Welt zählt, wenn sie ohne gesundheitliche Einschränkungen fahren kann.
Schon direkt nach dem Start prägte ein erster Ausrissversuch das Rennen: Loes Adegeest (Lidl - Trek) und die australische Meisterin Mackenzie Coupland (Liv AlUla Jayco) setzten sich bereits nach zwei Kilometern ab und versuchten, den Vorsprung auf das Peloton auszubauen. Doch früh zeichnete sich ab, dass die Teams der Sprinterinnen keinen Spielraum lassen würden und die Attacke konsequent kontrollierten. Mehr als knapp 40 Sekunden Vorsprung wurden dem Duo nicht zugestanden – nach rund zehn Kilometern an der Spitze war die Flucht wieder beendet. Anschließend folgten zwar zahlreiche weitere Angriffe, doch die Solistinnen konnten sich jeweils nur mit wenigen Sekunden absetzen.
Mit nur noch rund 30 Fahrerinnen auf den letzten Kilometern kam es 1,5 Kilometer vor der Ziellinie im Feld zu einem Sturz, der das Peloton auseinander riss und in zwei Hälften teilte. Wer um den Etappensieg mitsprinten wollte, musste sich in der vorderen Gruppe behaupten. Aus einer etwa 15-köpfigen Spitzengruppe heraus spielte Coles-Lyster ihre Karten clever aus: Sie nutzte die Sprintvorbereitung der rivalisierenden Teams, heftete sich an das Hinterrad von Ruby Roseman-Gannon (Liv AlUla Jayco) und wartete geduldig ab. Erst 100 Meter vor dem Ziel eröffnete die Kanadierin ihren Sprint, schob sich mit einer Radlänge Vorsprung über die Linie und rettete den Sieg hauchdünn vor Rüegg. Die Schweizerin kam mit klar erkennbarem Geschwindigkeitsüberschuss an die Ziellinie, setzte jedoch einige Sekunden zu spät zum entscheidenden Antritt an. Hinter Coles-Lyster und Rüegg komplettierte Lach das Podium, nur mit minimalem Abstand im Ziel.