Tudor Pro Cycling Team verstärkt sein Aufgebot mit Clara Koppenburg, die nach elf Jahren im professionellen Straßenradsport eine neue Herausforderung im Gravel-Bereich sucht. Die Deutsche aus den Hügeln Süddeutschlands tauscht schmale Reifen gegen Stollenprofil und startet 2025 in eine völlig neue Rennkategorie. Ausschlaggebend war nach gesundheitlichen Problemen eine lange Phase ohne Rennerfolge im Straßenradsport. Ihre Entscheidung fiel nach erfolgreichen ersten Erfahrungen im Gelände, wo sie bei der UCI Gravel World Series Sea Otter Europe einen Top-5-Platz erreichte. Das Gravel Burn Etappenrennen in Südafrika bestätigte ihre Begeisterung für diese Disziplin und ebnete den Weg für den Teamwechsel.
Die 30-Jährige bringt umfangreiche Rennerfahrung mit und ergänzt das bestehende Gravel-Programm von Tudor Pro Cycling. Gemeinsam mit dem Schweizer Jan Stöckli bildet sie das Gravel-Duo des Teams, wobei beide Fahrer vollständig in die organisatorischen Abläufe integriert sind. Koppenburg wird als erste weibliche Athletin im Kader eine Vorreiterrolle übernehmen und das Team bei internationalen Gravel-Events repräsentieren. Ihre Verpflichtung unterstreicht die Ambitionen des Teams, sich im wachsenden Gravel-Segment zu etablieren.
"Ich bin glücklich und fühle mich privilegiert, meine neu entdeckte Leidenschaft für Gravel-Rennen bei Tudor Pro Cycling verfolgen zu können", kommentiert Koppenburg ihre Entscheidung. Das erste Trainingslager im Dezember überzeugte sie nach eigener Aussage von der Teamphilosophie, wo sie herzlich aufgenommen wurde und volle Unterstützung erfuhr. Die vergangene Saison im Straßenradsport brachte einige Höhen und Tiefen mit sich, was ihren Wunsch nach Veränderung verstärkte. Nach der Anmeldung zu ihrem ersten Gravel-Rennen erkannte sie, wie viel Energie und Freude diese neue Disziplin ihr brachte.
Der Fokus liegt nun auf den anspruchsvollsten Gravel-Events der internationalen Szene, wo sie das Tudor-Emblem tragen möchte. Koppenburg sieht ihre neue Rolle als Chance, Spuren im Gravel-Racing zu hinterlassen. Die Umstellung von der Straße auf unbefestigte Wege erfordert neue taktische Ansätze und technische Fertigkeiten, die sie systematisch entwickeln will. Ihre langjährige Erfahrung im Profisport bildet dabei eine solide Basis für den erfolgreichen Übergang in die Gravel-Szene.
Raphael Meyer, CEO und Team-Miteigentümer von Tudor Pro Cycling, betont die Bedeutung der Verpflichtung: "Clara Koppenburg bei Tudor Pro Cycling willkommen zu heißen, ist ein stolzer Moment für uns." Das Team freut sich, eine vielversprechende Gravel-Fahrerin gewonnen zu haben und den Kader mit einer inspirierenden Persönlichkeit zu erweitern. Als erste weibliche Fahrerin verkörpert Koppenburg die Grundwerte des Teams und erhöht die Vielfalt der Athleten bei Tudor Pro Cycling. Ihre Integration erfolgt nahtlos in die bestehenden Strukturen, wobei sie dieselben Ressourcen und Unterstützung wie alle anderen Teammitglieder erhält.
Die Saison 2025 wird für Koppenburg eine Lernphase darstellen, in der sie sich an die spezifischen Anforderungen des Gravel-Sports anpasst. Unterschiedliche Untergründe, wechselnde Wetterbedingungen und längere Distanzen erfordern angepasste Trainingsmethoden und Materialwahl. Das Team plant eine schrittweise Heranführung an die wichtigsten Events der Gravel-Szene, wobei der Fokus auf kontinuierlicher Entwicklung liegt. Koppenburg wird dabei von erfahrenen Betreuern und Mechanikern unterstützt, die bereits Expertise im Gravel-Bereich mitbringen und ihre Anpassung erleichtern werden.
Im Oktober 2025 sprach die deutsche Profi-Radsportlerin Clara Koppenburg im Interview mit TOUR ausführlich über den jahrelangen inneren und körperlichen Kampf, der hinter ihren sportlichen Erfolgen stand. Sie räumte ein, dass sie in ihrer stärksten Phase zwar Siege eingefahren habe, dabei aber oft gesundheitlich am Limit fuhr und ein kritisches Untergewicht entwickelte – weil sie glaubte, nur so im Spitzensport bestehen zu können. Koppenburg beschrieb, wie sie über Jahre hinweg ungesund viel trainierte und zu wenig aß, was sie im Nachhinein als Teil des REDs-Syndroms einstuft, das zu gravierenden gesundheitlichen Risiken führen kann. Erst nach mehrfachen familiären Schicksalsschlägen und dem zermürbenden Auf und Ab mit ihrem Gewicht gelang es ihr, gesund zuzunehmen und Abstand von dieser extremen Gewichtsdynamik zu gewinnen. Sie betonte, dass Erfolg im Radsport allein nicht gleichbedeutend mit Glück oder Gesundheit sei und dass sie heute stärker auf ein ausgewogenes Leben achte. Gleichzeitig kritisierte sie die in Teilen des Sports verbreitete Vorstellung, Erfolg hinge unbedingt an einem niedrigen Körpergewicht – ein Narrativ, das vor allem junge Fahrerinnen gefährde. Koppenburg äußerte sich dankbar über die positive Resonanz auf ihren offenen Instagram-Post in dem sie das Thema erstmalig angesprochen hatte.