Alkohol am LenkerDVR fordert 1,1-Promillegrenze für Radfahrende in Deutschland

Matthias Borchers

 · 22.04.2026

Alkohol am Lenker: DVR fordert 1,1-Promillegrenze für Radfahrende in DeutschlandFoto: Deutscher Verkehrssicherheitsrat
Stopp bei zuviel Alkohol am Lenker. Der DVR fordert schärfere Promillegrenze
Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat fordert eine Herabsetzung der Promillegrenze für Radfahrende von 1,6 auf 1,1 Promille. Zwischen 2014 und 2024 sank die Zahl getöteter Radfahrender in der EU um acht Prozent auf 1.926, während sie in Deutschland von 396 auf 441 stieg. Der Verkehrsausschuss des Bundestages hat die Bundesregierung Ende März 2026 aufgefordert, die Einführung eines Bußgeldtatbestands zu prüfen. Länder wie Österreich, Frankreich und die Schweiz wenden bereits strengere Regeln an.

Themen in diesem Artikel

Ein Bericht des Europäischen Verkehrssicherheitsrates zeigt die Entwicklung der Verkehrstoten im Radverkehr. Die Zahl der getöteten Radfahrenden in der EU sank zwischen 2014 und 2024 von 2.096 auf 1.926. Das entspricht einem Rückgang von acht Prozent. Bei den Pkw-Fahrenden lag der Rückgang im selben Zeitraum bei 19 Prozent. In Deutschland entwickelte sich die Situation entgegengesetzt: Laut Statistischem Bundesamt stieg die Zahl der getöteten Radfahrenden von 396 im Jahr 2014 auf 441 im Jahr 2024.

Aktuelle Rechtslage und Forderung

In Deutschland liegt der Blutalkohol-Grenzwert für Radfahrende bei 1,6 Promille. Erst ab diesem Wert liegt eine Straftat vor. Unterhalb dieser Grenze bleibt Alkoholkonsum juristisch folgenlos, solange keine Fahrunsicherheit erkennbar ist oder kein Unfall passiert. Der DVR fordert die Einführung eines Ordnungswidrigkeitentatbestands ab 1,1 Promille. Deutschland würde damit zu Ländern wie Österreich, Frankreich, Italien, Portugal, Spanien oder der Schweiz aufschließen.

Manfred Wirsch, Präsident des DVR, erklärt, dass Reaktionsfähigkeit, Gleichgewicht und Wahrnehmung schon deutlich unter 1,6 Promille stark eingeschränkt sind. Lenken und Bremsen seien kaum noch sicher möglich. Wer so fährt, befinde sich auf einem Blindflug auf zwei Rädern.

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Politische Entwicklung

Der DVR setzt sich seit 2014 für eine Herabsetzung der Promillegrenze ein. Der Deutsche Verkehrsgerichtstag unterstützte diese Forderung wiederholt, zuletzt im Januar 2026. Der Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages forderte die Bundesregierung Ende März 2026 auf, die Herabsetzung der Promillegrenze und die Einführung eines Bußgeldtatbestands mit angemessener Sanktionshöhe zu prüfen. Eine repräsentative forsa-Befragung im Auftrag des DVR zeigt, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung entweder ein vollständiges Alkoholverbot oder deutlich niedrigere Promillegrenzen für Radfahrende befürwortet.

Weitere Maßnahmen für mehr Sicherheit

Eine niedrigere Promillegrenze kann laut DVR nur ein Baustein für mehr Sicherheit im Radverkehr sein. Für nachhaltige Verbesserungen ist eine konsequente Überwachung bestehender Verbote durch Länder und Kommunen erforderlich. Die Radinfrastruktur muss aufgewertet werden. Dazu gehören baulich getrennte Wege für Rad- und Pkw-Verkehr, eine sichere Führung des Radverkehrs an Kreuzungen sowie eine bauliche Umgestaltung oder Anpassung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit an unfallauffälligen Stellen.

Radwege müssen ausreichend breit sein und eine gut gepflegte Oberfläche ohne Schlaglöcher oder Wurzelschäden aufweisen. Sie sollten frei von Hindernissen sein. Verkehrsschauen sollten verstärkt durchgeführt und die Empfehlungen der Unfallkommissionen konsequent umgesetzt werden, um Gefahrenstellen systematisch zu beseitigen. Die digitale Vernetzung mittels Vehicle-to-X-Technologie kann dazu beitragen, die Sichtbarkeit von Radfahrenden zu erhöhen.

Wirsch betont, dass Sicherheit im Straßenverkehr eine Gemeinschaftsaufgabe ist. Sie macht ein koordiniertes Vorgehen von Bund, Ländern und Kommunen erforderlich. Während die Politik den Rechtsrahmen und die Infrastruktur sichern muss, können Radfahrende selbst aktiv ihre Sicherheit erhöhen: durch das Tragen eines Helms, vorsichtiges Fahren und den Verzicht auf Alkohol beim Radfahren.


Matthias Borchers ist im Test-Ressort von TOUR, Experte für Bekleidung und Zubehör. Als Hobbyradsportler hat er die TOUR-Transalp und die TOUR-Trans Austria absolviert. Prägend sind zudem Reportage-Reisen von San Francisco bis Sakai sowie 17 Trips zur Tour de France mit rund 30.000 Wohnmobilkilometern.

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