TOUR
· 13.06.2025
Der Aberglaube spielt im Radsport eine überraschend große Rolle, insbesondere wenn es um die als Unglückszahl geltende 13 geht. Viele Profis haben ihre ganz eigenen Rituale entwickelt, um vermeintliches Pech abzuwenden und sich mental auf wichtige Rennen vorzubereiten. Eine weit verbreitete Praxis ist das Umdrehen der Startnummer 13, was nicht nur bei Hobbyfahrern, sondern auch bei Top-Athleten zu beobachten ist. Diese Tradition hat sich über die Jahre fest im Peloton etabliert und wird von vielen Fahrern als wichtiger Teil ihrer Vorbereitung angesehen. Ob es tatsächlich einen Einfluss auf die Leistung hat, lässt sich natürlich nicht wissenschaftlich belegen. Dennoch halten viele Radsportler und Radsportlerinnen an diesem Brauch fest, da er ihnen ein Gefühl von Kontrolle und Sicherheit vermittelt.
Zwei bekannte Fälle, bei denen Profis die Startnummer 13 umdrehten, sind besonders erwähnenswert. Der belgische Klassiker-Spezialist Tom Boonen, mehrfacher Sieger von Paris-Roubaix und der Flandern-Rundfahrt, erhielt bei einem Rennen die Nummer 13 zugeteilt. Kurzerhand entschied er sich, die Startnummer auf den Kopf zu stellen. Interessanterweise gewann Boonen dieses Rennen, was natürlich Spekulationen über die Wirksamkeit dieses Rituals anheizte. Ob sein Sieg tatsächlich mit dem umgedrehten 13er zusammenhing oder schlicht auf Boonens außergewöhnliches Talent zurückzuführen war, bleibt Gegenstand von Diskussionen unter Radsportfans. Ein weiteres prominentes Beispiel lieferte der deutsche Fahrer Marcus Burghardt. Bei der Tour de France 2019 trug er seine Startnummer 13 ebenfalls verkehrt herum. Burghardt konnte elf Jahre zuvor sogar eine Etappe der Frankreich-Rundfahrt für sich entscheiden - damals allerdings mit der Nummer 42.
Die umgedrehte Startnummer 13 ist bei weitem nicht das einzige abergläubische Ritual im Radsport. Viele Fahrerinnen und Fahrer haben ihre ganz persönlichen Glücksbringer, die sie bei jedem Rennen mit sich führen. Das können kleine Gegenstände sein, die in der Trikottasche verstaut werden, oder auch spezielle Kleidungsstücke, die unter der Rennbekleidung getragen werden. Manche Athleten und Athletinnen schwören auf bestimmte Routinen vor dem Start, wie etwa das Anziehen der Schuhe in einer festgelegten Reihenfolge oder das Aufpumpen der Reifen auf einen ganz bestimmten Luftdruck. Besonders an Tagen wie Freitag, dem 13., sind viele Radsportler besonders vorsichtig. Einige vermeiden an solchen Tagen riskante Manöver oder besonders anspruchsvolle Trainingseinheiten. Andere wiederum sehen gerade in solchen vermeintlichen Unglückstagen eine Chance, das Schicksal herauszufordern und besonders gute Leistungen zu erbringen. Die individuellen Herangehensweisen sind so vielfältig wie die Persönlichkeiten im Peloton selbst.
Obwohl es keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit abergläubischer Praktiken gibt, erfüllen sie dennoch eine wichtige psychologische Funktion für viele Sportler und Sportlerinnen. Rituale können helfen, Nervosität abzubauen und ein Gefühl von Kontrolle in Situationen zu vermitteln, die von vielen unvorhersehbaren Faktoren beeinflusst werden. Gerade im Radsport, wo Stürze, technische Defekte oder plötzliche Wetterumschwünge den Rennverlauf drastisch beeinflussen können, bieten solche Rituale einen mentalen Anker. Sportpsychologen betonen, dass es weniger auf den tatsächlichen Einfluss dieser Praktiken ankommt, sondern vielmehr auf den Glauben der Athleten und Athletinnen an ihre Wirksamkeit. Solange ein Ritual dazu beiträgt, dass sich ein Fahrer oder eine Fahrerin mental stärker und besser vorbereitet fühlt, kann es durchaus einen positiven Effekt auf die Leistung haben. Es ist eine Art Placebo-Effekt, der im Spitzensport nicht unterschätzt werden sollte.
Der Aberglaube im Radsport ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie sich Tradition und Moderne in diesem Sport verbinden. Während die Fahrräder immer leichter und aerodynamischer werden, die Trainingsmethoden sich ständig weiterentwickeln und die Ernährung der Athleten und Athletinnen wissenschaftlich optimiert wird, halten viele Profis an Ritualen fest, die teilweise Jahrzehnte alt sind. Diese Mischung aus High-Tech und Folklore macht den Radsport zu einer einzigartigen Sportart, in der Vergangenheit und Zukunft Hand in Hand gehen. Letztendlich liegt es an jedem Fahrer und jeder Fahrerin selbst, ob und welche abergläubischen Praktiken sie in ihre Rennvorbereitung einbeziehen möchten. Ob nun mit umgedrehter 13, Glücksbringer oder ganz ohne Rituale – am Ende zählen auf der Strecke ohnehin nur die Beine und der Wille zum Erfolg. In diesem Sinne wünschen wir allen Radsportlern und Radsportlerinnen stets eine erfolgreiche und vor allem unfallfreie Fahrt, ganz gleich, welche Startnummer sie tragen mögen.