Sebastian Lindner
· 14.03.2026
Es dürfte die letzte Chance gewesen sein, Del Toro noch aus dem Blauen Trikot zu fahren und zu verhindern, dass der 22-Jährige nach der flachen Schlussetappe den Dreizack für den Tirreno-Sieger in Empfang nimmt. Im letzten Anstieg der 188 Kilometer langen Etappe zwischen San Severino Marche und Camerino in Mittelitalien versuchte es in Giulio Pellizzari (Red Bull - BORA - hansgrohe) zwar Del Toro größter Konkurrent nochmal, Sekunden gutzumachen. Doch auch der Heimvorteil - Pellizzari lernte auf jenen Straßen das Radfahren - sollte nicht reichen, um Del Toro in die Schranken zu weisen.
Stattdessen drehte der Mann in Blau den Spieß um, konterte Pellizzaris Attacke und siegte mit drei Sekunden Vorsprung auf Johannessen und Jorgenson, vor heimischem Publikum wurde Pellizzari mit neun Sekunden Rückstand Vierter. In der Gesamtwertung trennen die beiden auf Rang eins und zwei nun 42 Sekunden, eine dahinter ist Jorgenson Dritter. Johannessen hat sich noch an Primoz Roglic (Red Bull - BORA - hansgrohe) und Giulio Ciccone (Lidl - Trek) vorbeigeschoben und ist Vierter.
“Es war heute ziemlich knapp, aber ich bin überglücklich, diese Etappe gewonnen zu haben. Ich habe gestern schon gesagt, dass ich das wollte”, sagte Del Toro nach seinem ersten Tagessieg bei Tirreno, nachdem er zuvor zwei Teilstücke als Zweiter beendet hatte. “Als Giulio Pellizzari attackierte, war ich mir nicht sicher, ob ich ihn wieder einholen sollte, denn es war ein sehr harter Anstieg und er ist extrem stark. Wir durften ihm nicht zu viel Raum lassen. Es weckt gemischte Gefühle in mir, in seiner Heimatstadt zu gewinnen. Jetzt steht noch eine Etappe aus – hoffen wir auf das beste Ergebnis morgen.“
Für Del Toro war es bereits der vierte Sieg der Saison. Nach der UAE Tour könnte er morgen seine zweite Rundfahrt nachlegen.
| RG | Fahrer | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | UAE Team Emirates - XRG | 04:46:50 |
| 2 | Uno-X Mobility | +000:00:03 |
| 3 | Team Visma | Lease a Bike | +000:00:03 |
| 4 | Red Bull - BORA - hansgrohe | +000:00:09 |
| 5 | Lidl - Trek | +000:00:11 |
| 6 | Bahrain - Victorious | +000:00:11 |
Ein kleiner Hügel kurz nach dem Start sorgte für einen nervösen Beginn der Etappe. Wout van Aert (Team Visma | Lease a Bike) und Mathieu van der Poel (Alpecin-Premier Tech) beschleunigten das Feld so stark, dass es schon nach wenigen Kilometern auseinanderriss. Danach beruhigte sich die Situation allerdings wieder, beide Teile des Feldes fanden zusammen. Und es ging auf Initiative von Filippo Ganna (INEOS Grenadiers) eine Spitzengruppe.
Mit Ganna sprangen sechs weitere Profis, unter ihnen Gregor Mühlberger (Decathlon CMA CGM Team). Über den ersten großen Anstieg zum Skigebiet Sassotetto fuhr sich die Gruppe knapp vier Minuten heraus.
80 Kilometer vor dem Ziel hatte sich an der Situation wenig geändert - abgesehen davon, dass die Ausreißer schon anderthalb Minuten auf das Feld, das den Rundkurs um Zielort Camerino erreicht hatte, verloren hatten. Kurz vor der ersten Überquerung des Zielstrichs, knapp 60 Kilometer vor dem Ziel, löste sich die Spitzengruppe im Anstieg auf. Mühlberger und Clément Braz Afonso (Groupama - FDJ United) schüttelten den Rest ab.
Im Hauptfeld ging das Tempo derweil raus, der Vorsprung auf das Feld, der schon auf 1:30 Minuten runter war, erweiterte sich nochmal um eine Minute. Die Ruhe im Feld nutzte Richard Carapaz (EF Education - EasyPost) und ging in die Offensive. 45 Kilometer vor dem Ziel hatte er zu den ersten Verfolgern des Spitzenduos um Ganna aufgeschlossen, aber immer noch eine Minute Rückstand nach ganz vorne. Zehn Kilometer später war die Aktion dann beendet.
Die beiden übrigen Ausreißer kämpften wie die Löwen mit Minimalvorsprung, der zwischenzeitlich schon auf zehn Sekunden abgefallen war, gegen eine Favoritengruppe. Erst sieben Kilometer vor dem Ziel wurden sie gestellt. Drei Kilometer später, kurz vor dem Schlussanstieg, attackierte dann Wout van Aert (Team Visma | Lease a Bike). Er wurde kurze Zeit später von Ben Healy (EF Education - EasyPost) abgelöst.
Dann Auftritt Pellizzari: Der Mann im Weißen Trikot ging ebenfalls in die Offensive. Unter dem Teufelslappen war der Italiener am Iren dran, ließ ihn stehen. Hinten musste Del Toro nachführen und schloss die Lücke 600 Meter vor dem Ziel wieder. Jorgenson attackierte drüber und der Mexikaner blieb als einziger dran und setzte dann noch nach, um sich den Tagessieg zu sichern. Auch Johannessen konnte Jorgenson noch einholen. Pellizzari musste sich mit Rang vier begnügen.