Sebastian Lindner
· 25.03.2026
Evenepoel und Vingegaard hatten sich knapp 30 Kilometer vor dem Ziel aus einer rund 30-köpfigen Spitzengruppe gelöst, die Red Bull auf der Windkante gebildet hatte. Als der Belgier daraus attackierte, konnte sich nur Vingegaard an sein Hinterrad klemmen. Zunächst verzichtete der Däne auf Mitarbeit, dann schaltete er sich sporadisch ein. Als der Abstand, der schon fast bis auf eine halbe Minute gewachsen war, dann doch wieder schrumpfte, musste Evenepoel die letzten zehn Kilometer wieder allein ran.
“Die Zusammenarbeit war wirklich hervorragend”, sagte Evenepoel später ironisch in der Tür seines Teambusses. Zwischenzeitlich hatte auch er die Beine hochgenommen, dann aber noch mal zu einer finalen Attacke geblasen, die auch gereicht hätte, um das Feld auf Distanz zu halten, wenn da nicht der Sturz gewesen wäre. “Ich wollte in den Unterlenker greifen und genau in dem Moment bin ich in ein Schlagloch gefahren. Ich habe es einfach nicht gesehen. Es gab keine Markierung oder ähnliches. Deshalb habe ich es übersehen und dabei die Kontrolle über den Lenker verloren”, so der Belgier über die Szene, die ihm den möglichen Tagessieg gekostet hat.
Und vielleicht noch mehr. Zwar fuhr er das Rennen noch zu Ende, doch ob er auch zur nächsten Etappe antreten kann, ließ er offen. “Ich habe ein paar etwas größere Blessuren. Wir schauen heute Abend und morgen früh, wie der Körper reagiert. Aber ich stehe noch. Nichts ist gebrochen, das ist schon mal positiv. Meinen Ellenbogen hat es ziemlich erwischt. Wir müssen sehen, was geht und was nicht.“
Während Evenepoel an der Stelle des Unfalls noch seine Wunden ausspülte, fuhr Godon zu einem souveränen zweiten Etappensieg in Katalonien. Mehr als eine Radlänge Vorsprung trennten ihn vom Zweitplatzierten vor Ethan Vernon (NSN Pro Cycling Team) und Noah Hobbs (EF Education – EasyPost) auf Rang drei.
Unmittelbaren Einfluss auf das Gesamtergebnis hatte der Tag letztlich nicht. Godon führt das Klassement mit elf Sekunden Vorsprung auf Evenepoel an, der aufgrund der Fünf-Kilometer-Regel zeitgleich gewertet wurde. Dritter ist Thomas Pidcock (Pinarello - Q36.), Vierter Vingegaard.
| RG | Fahrer | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | INEOS Grenadiers | 03:43:33 |
| 2 | NSN Cycling Team | +00:00:00 |
| 3 | EF Education - EasyPost | +00:00:00 |
| 4 | Lotto Intermarché | +00:00:00 |
| 5 | Uno-X Mobility | +00:00:00 |
| 6 | Pinarello Q36.5 Pro Cycling Team | +00:00:00 |
Das fordernde erste Viertel der insgesamt recht kurzen und insgesamt nicht allzu schwierigen Etappe nutzte eine Sechsergruppe, um sich maximal knapp vier Minuten Vorsprung herauszufahren. Unter den Ausreißern waren alte Bekannte, die schon an den ersten beiden Tagen offensiv zu Werke gingen. So wie Josh Burnett (Burgos Burpellet BH), Diego Uriarte (Equipo Kern Pharma) und vor allem auch Baptiste Veistroffer (Lotto Intermarché), der beste Punktesammler der laufenden Rundfahrt sowohl an Sprints als auch an den Bergwertungen. Er hatte in Reuben Thompson erneut einen Teamkollegen an seiner Seite.
An den beiden ersten Bergwertungen des Tages sammelte Veistroffer einmal mehr die maximale Punktzahl ein, auch am ersten Zwischensprint ließ er keine Zweifel aufkommen. 70 Kilometer vor dem Ziel war es dann um die Gruppe fast gesehen, als nach einer Konterattacke aus dem Feld lediglich zehn Sekunden übrigblieben. Doch im Feld war die Interessenlage eine andere, es wurde gebremst und so wuchs die Differenz nochmal auf über eine Minute an.
Zum letzten Anstieg übernahm dann Red Bull - BORA - hansgrohe das Kommando im Feld - sowohl bergauf als auch bergab. An der 30-Kilometer-Marke, das letzte Flachstück war erreicht, wurden die Ausreißer gestellt. Zudem nach Red Bull das Feld auf die Windkante. Etwa 30 Fahrer schafften den Sprung in die erste Gruppe - in Joao Almeida (UAE Team Emirates - XRG) zählte einer der Mitfavoriten auf den Gesamtsieg nicht dazu.
Aus der Spitzengruppe löste sich dann noch Evenepoel. Vingegaard sprang hinterher. Das Duo fuhr sich über die verblieben Kilometer beinahe eine halbe Minute an Vorsprung heraus. Als Almeida und die Sprinter den Sprung zur Verfolgergruppe schafften und dort die Tempoarbeit übernahmen, schrumpfte der Abstand aber wieder. So weit, dass Vingegaard seine ohnehin verhaltene Mitarbeit ganz einstellte. Evenepoel schüttelte mit dem Kopf, nahm die Beine hoch - und trat dann doch nochmal an.
Das Feld wäre nicht mehr in der Lage gewesen, die Lücke zu Evenepoel und Vingegaard zu schließen. Doch der Sturz des Belgiers in der Einfahrt zum letzten Kreisverkehr 500 Meter vor dem Ziel änderte alles. Vingegaard nahm daraufhin raus, sodass es doch noch zum Sprint kam, den Godon dann klar für sich entscheiden konnte.