Sandra Schuberth
· 18.03.2025
Trotz intensiver Bemühungen und verschiedener Angebote aus der Thüringer Staatskanzlei in den letzten Tagen sehen die Organisatoren keine Möglichkeit, die Differenz für eine erfolgreiche und sichere Durchführung der Tour zu kompensieren. Die Absage des Rennens, das seit 1986 nur zweimal – während der Wende 1990 und 1991 sowie bedingt durch die Corona-Pandemie 2020 – pausiert hatte, bedeutet einen schweren Schlag für den Frauenradsport in Deutschland und darüber hinaus.
Die unsichere Finanzlage, die spätestens Mitte bis Ende Februar dieses Jahres zu einem existenziellen Problem wurde, zwang die Veranstalter dazu, viele wichtige Organisations- und Pressetermine mit Städten, Gemeinden und Sponsoren auf Eis zu legen. Vom Freistaat Thüringen liege eine schriftliche Absage zur finanziellen Beteiligung an der Lotto Thüringen Ladies Tour vor, heißt es in einer Pressemitteilung. Im Haushaltsentwurf waren 200.000 Euro für das Frauen-Etappenrennen vorgesehen. Mit Verweis auf die schwierige Haushaltslage und das Thüringer Sportfördergesetz sei Unterstützung im geforderten sechsstelligen Umfang nicht möglich, wie die Thüringer Staatskanzlei gegenüber Sport im Osten zu verstehen gab.
Trotz aller Bemühungen sehen die Veranstalter keine Möglichkeit, die Thüringenrundfahrt so durchzuführen, dass sie den eigenen Anforderungen und denen der UCI genügt. Tourdirektorin Vera Hohlfeld und Renndirektor Marian Koppe erklärten in einer Mitteilung: "Die Aufarbeitung ist in drei Monaten bis zum Start der Tour nicht mehr umsetzbar und das finanzielle Risiko, um weitere Arbeiten auf den Weg zu bringen, nicht tragbar." Die Veranstalter betonen, dass sie sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht haben. In den letzten Tagen gab es viel Zuspruch und Angebote zur Unterstützung für eine Durchführung der Tour, die alle sorgfältig geprüft wurden.
Die Absage der Lotto Thüringen Ladies Tour ist nicht nur ein Verlust für den Radsportkalender, sondern auch für die Region Thüringen. Das Rennen hat sich über die Jahre zu einer fixen Größe entwickelt und bot nicht nur spannende Etappen, sondern auch mediale Präsenz für den Freistaat. Bei der letzten Austragung 2024 triumphierte die US-Amerikanerin Ruth Edwards (geb. Winder) vom Team Human Powered Health. Die Tour war eine wichtige Plattform für Athletinnen, um sich auf internationalem Niveau zu messen und ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.
Der Wegfall der Lotto Thüringen Ladies Tour hinterlässt eine spürbare Lücke im internationalen Radsportkalender. Das Rennen war nicht nur für die Athletinnen von Bedeutung, sondern auch für Teams, Sponsoren und Fans. Es bot eine wichtige Gelegenheit für Nachwuchstalente, sich mit etablierten Fahrerinnen zu messen und Erfahrungen auf höchstem Niveau zu sammeln. Die Absage könnte auch Auswirkungen auf die Vorbereitung der Fahrerinnen für andere wichtige Rennen der Saison haben, da die Tour oft als wichtiger Formtest galt.
Die Absage der Lotto Thüringen Ladies Tour wirft Fragen zur Zukunft des Frauenradsports in Deutschland auf. Es zeigt die anhaltenden Herausforderungen bei der Finanzierung und Organisation von Großveranstaltungen im Radsport, insbesondere im Frauenbereich. Die Veranstalter, Sportlerinnen und Fans hoffen nun, dass die Entscheidung als Weckruf dient und möglicherweise neue Unterstützer und Sponsoren auf den Plan ruft, um die Zukunft des Rennens und ähnlicher Veranstaltungen zu sichern. Es bleibt abzuwarten, welche langfristigen Auswirkungen diese Entwicklung auf die Radsportlandschaft in Deutschland haben wird.

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