Sebastian Lindner
· 10.04.2026
Am Berg hingegen hatte sich Lipowitz gut verkauft, sogar die vorentscheidende Attacke initiiert. Auch in den Abfahrten ließ sich der 25-Jährige nicht vom rasanten Seixas abschütteln. Es war am Ende die Spritzigkeit nach 176 Kilometern rund um Eibar, die nach acht Anstiegen den Ausschlag für das Megatalent gab.
In der Gesamtwertung machte Lipowitz aber einen Schritt nach vorne und ist jetzt Zweiter, überholte seinen Teamkollegen Primoz Roglic, der in der Verfolgergruppe mit 1:11 Minuten Rückstand das Ziel erreichte. Aus dieser hatte sich auf den letzten Kilometern noch Javier Romo (Movistar Team) abgesetzt, der Tagesdritter wurde. Nicht zu den Verfolgern gehörten Mattias Skjelmose (Lidl - Trek) und Ben Tulett (Visma | Lease a Bike), die so ihre Top-6-Platzierungen verloren. Dennoch hat Roglic sein Podium noch nicht sicher. Der Slowene hat gerade mal zehn Sekunden Vorsprung auf Ion Izagirre (Cofidis), liegt dabei 3:40 Minuten hinter Seixas und 70 Sekunden hinter Lipowitz.
Auch die letzte Etappe am Samstag wird mit sechs Anstiegen nochmal schwierig. Dazu soll es nach bisher bestem Wetter im Norden Spaniens regnen, was vor allem die Abfahrten nochmal einen Ticken gefährlichen machen kann. Angst, seinen ohne Sturzpech im Grunde sicheren Gesamtsieg nochmal herzuschenken hat Seixas dennoch nicht. “Alle werden vorsichtig sein, niemand will stürzen und ich weiß, dass ich mein Rad beherrsche. Natürlich wird es gefährlich, aber im Radsport gibt es keinNull-Prozent-Risiko”, so der Sieger, der sein Konto im Baskenland nun auf drei Siege gestellt hat. In seiner Karriere - in diesem Jahr - steht er insgesamt bei fünf Siegen.
Den jüngsten davon hatte er mehr oder weniger angekündigt. “Ich hatte heute Morgen schon gesagt, dass ich die Etappe gerne gewinnen würde. Es war heute ein großer Test. Am Ende war es eine enge Kiste. Chapeau an alle, es war ein wirklich schwerer Tag und ich bin happy, dass ich für das Team gewinnen konnte.”
| RG | Fahrer | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | Decathlon CMA CGM Team | 04:30:02 |
| 2 | Red Bull - BORA - hansgrohe | +00:00:00 |
| 3 | Movistar Team | +000:01:03 |
| 4 | INEOS Grenadiers | +000:01:11 |
| 5 | Cofidis | +000:01:11 |
| 6 | XDS Astana Team | +000:01:11 |
Zu Beginn des Tages ähnelte das Rennszenario dem des Vortages. Erneut ließ Decathlon eine große Gruppe mit mehr als 30 Fahrern entkommen, dabei waren überwiegend auch die Protagonisten des Vortages um Sieger Alex Aranburu. Dem großen Pulk voraus waren Steven Kruijswijk (Visma | Lease a Bike) und Baptiste Veistroffer (Lotto Intermarché). Bis zu vier Minuten betrug ihr Abstand auf das Hauptfeld. Doch das änderte sich nach 100 Kilometern blitzartig. Im Anstieg zur fünften Bergwertung des Tages (1. Kategorie) machte Decathlon so viel Druck, dass die Lücke zur Gruppe auf eine halbe Minute zusammenschmolz. Dann attackierte Lipowitz.
Dem Vorstoß des Deutschen konnte zunächst nur Seixas folgen. In Windeseile waren sie mitten in der Verfolgergruppe, aus der sich Vauquelin nach vorne abgesetzt hatte. Bis zum Gipfel kamen aber auch die meisten der Klassement-Fahrer zurück. Etwa 25 Fahrer gingen in die Abfahrt. Dort fiel die Gruppe nochmal auseinander, fand sich in der Ebene danach aber wieder zusammen.
In der Anfahrt zum nächsten Anstieg 50 Kilometer vor dem Ziel lösten sich Ben Healy (EF Education EasyPost) und Marc Soler (UAE Team Emirates - XRG). Bis zu 45 Sekunden Vorsprung reichten für 20 Kilometer. Dann, im zweitletzten Anstieg des Tages, erhöhte zunächst Seixas das Tempo, ehe Lipowitz drüber attackierte. Bis zum Gipfel hatte sich das Duo einen Vorsprung von 25 Sekunden auf Roglic herausgefahren. Den Anschluss hatte derweil sogar noch Romo geschafft, doch oben angekommen, stürzte er nach einem Kontakt mit dem Hinterrad von Lipowitz.
Bergab konnte der Deutsche dem rasanten Seixas folgen, auch Roglic und Romo bildeten später ein Gespann, dass nach dem letzten Anstieg rund zehn Kilometer vor dem Ziel aber von den weiteren Verfolgern um Izagirre gestellt wurde. Das Spitzenduo, dessen Vorsprung mindestens 30 Sekunden betrag, war aber nicht mehr einzuholen, erst recht nicht, als die Gruppe fünf Kilometer vor dem Ziel die Zusammenarbeit einstellte.
Zwar versuchte Lipowitz im leicht ansteigenden Finale nochmal, Seixas vom Hinterrad abzuschütteln. Doch das gelang ihm nicht. Im Sprint hatte der Franzose dann die besseren Karten.