Mailand-Sanremo 2026Zentimeterentscheidung! Pogačar schlägt Pidcock hauchdünn

Thomas Huber

 · 21.03.2026

Bei Mailand-Sanremo 2026 wurde ein Showdown zwischen Mathieu van der Poel (rechts) und Tadej Pogacar (links) erwartet
Foto: Getty Images/Marco Bertorello
Tadej Pogačar hat Mailand-Sanremo 2026 gewonnen. Gemeinsam mit Tom Pidcock kam der Slowene auf die Zielgerade der Via Roma und entschied das Sprintduell hauchzart für sich. Dritter wurde Wout van Aert.

Nach vier Top-5-Platzierungen hintereinander gelingt Tadej Pogačar (UAE Team Emirates - XRG) bei Mailand-Sanremo 2026 der große Coup. Erstmalig gewinnt der Slowene La Primavera und schnappt sich damit auch das vierte von fünf Radsport-Monumenten in seiner Karriere. Sein größter Konkurrent dabei ist nicht Vorjahressieger Mathieu van der Poel (Alpecin-Premier Tech), sondern Tom Pidcock (Pinarello Q36.5 Pro Cycling Team). Im Sprintduell auf der Zielgeraden rettet der Slowene eine halbe Laufradlänge Vorsprung über die Ziellinie.

Pogačar siegt trotz Sturz

Dabei lief Mailand-Sanremo 2026 bei Tadej Pogačar und seiner Mannschaft längst nicht wie geplant. Circa 33 Kilometer vor dem Ziel, unweit der Cipressa, rutschte der Slowene bei einer Linkskurve weg und prallte auf den Asphalt. Sein durchlöcherter Rennanzug und seine Schrüfwunden hielten ihn aber nicht davon ab, weiter voll auf Sieg zu fahren. Noch an der Cipressa saugte er sich nicht nur wieder ans Hauptfeld heran, sondern attackiert nur wenige Minuten nach seinem Sturz. Ihm konnten bei der Attacke nur Mathieu van der Poel und Tom Pidcock folgen.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Sie trennte nur ein Wimpernschlag voneinander bei Mailand-Sanremo 2026: Tadej Pogacar (links) und Tom Pidcock (rechts)Foto: Getty Images/Dario BelingheriSie trennte nur ein Wimpernschlag voneinander bei Mailand-Sanremo 2026: Tadej Pogacar (links) und Tom Pidcock (rechts)

Zwar schaffte es Pogačar, seinen großen Konkurrenten van der Poel am Poggio abzuschütteln, den bärenstarken Pidcock bekam er aber einfach nicht los. Auf der Zielgeraden fuhr der Slowene das Sprintduell von vorne und hatte am Ende auch das nötige Glück, dass er nicht vom Briten eingeholt wurde. Wenige Zentimeter reichten dem Tour-de-France-Sieger für den Sieg beim legendären Klassiker.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?
“Als ich gestürzt bin, dachte ich kurz, es ist alles vorbei. Unweit der wichtigsten Stelle des Rennens zu stürzen, ist nicht ideal. Glücklicherweise war ich schnell wieder auf dem Rad und nicht allzu schlimm verletzt. Meine Mannschaft hat mir die nötige Hoffnung gegeben und meine Beine waren gut. Dank meiner Mannschaft habe ich heute gewonnen.” - Tadej Pogačar im Siegerinterview

Mailand-Sanremo 2026: Ergebnisse

Erstmalig gewinnt Tadej Pogacar in seiner Karriere Mailand-SanremoFoto: Getty Images/Marco BertorelloErstmalig gewinnt Tadej Pogacar in seiner Karriere Mailand-Sanremo
“Tom Pidcock ist in einer super Verfassung. Ich hatte etwas Sorge, als er mich auf der Zielgeraden von vorne fahren lassen hat. Am Ende war es richtig eng. Chapeau an ihn.” - Tadej Pogačar über Tom Pidcock


So lief Mailand-Sanremo 2026

​Die fast 300 Kilometer lange 117. Austragung von Mailand-Sanremo 2026 führte das Fahrerfeld von Pavia nach Sanremo. Sofort nach dem Rennbeginn gab es erste Attacken. Unter anderem Alexy Faure Prost (Team Picnic PostNL) war aktiv und schaffte es mit acht weiteren Fahrern, sich vom Hauptfeld abzusetzen. Neben dem Franzosen waren auch Lorenzo Milesi (Movistar Team) und Martin Marcellusi (Bardiani CSF 7 Saber) in der Spitzengruppe mit von der Partie.

Im Peloton ließ man die neun Fahrer erst einmal ziehen. Lange Zeit lag der Vorsprung der Spitzengruppe bei drei bis vier Minuten, maximal betrug die Lücke zwischenzeitlich sieben Minuten.

Alpecin und UAE kontrollieren

Silvan Dillier (Alpecin-Premier Tech) arbeitete vor allem in der ersten Rennhälfte regelmäßig im Wind und war für die Nachführarbeit eingeteilt, immer wieder wurde er aber auch von Fahrern anderer Teams entlastet. Im Verlauf des Rennens war es dann das UAE Team Emirates – XRG, das mehr und mehr das Kommando übernahm. Wohl für eine frühe Attacke von Tadej Pogačar. Auch der Österreicher Felix Großschartner musste immer wieder im Wind für den Slowenen büffeln.

Am Capo Berta bekamen die ersten Fahrer der Spitzengruppe Probleme. So vielen unter anderem Manilo Moro (Movistar Team) und Martin Marcellusi zurück, ehe das Rennen erst so richtig los ging.

​Mailand-Sanremo 2026: Pogačar stürzt und berappelt sich

Tadej Pogacar ließ sich von seinem Sturz bei Mailand-Sanremo 2026 nicht beirrenFoto: Getty Images/Dario BelingheriTadej Pogacar ließ sich von seinem Sturz bei Mailand-Sanremo 2026 nicht beirren

Circa 33 Kilometer vor dem Ziel rutschte dann Tadej Pogačar weg und stürzte. Es erwischte nicht nur den Slowenen, sondern unter anderem Wout van Aert (Team Visma | Lease a Bike) und Biniam Girmay (NSN Cycling Team) lagen ebefalls auf dem Hosenboden. Der Sturz ereignete sich genau in der Phase, in der UAE mächtig auf die Tube drückte, um für den Kapitän eine Attacke vorzubereiten. Pogačar aber auch van Aert verloren an Zeit und mussten die aufs Peloton entstandene Lücke erst wieder zu fahren. Kurz war unklar, ob die beiden Fahrer überhaupt noch ein Wörtchen um die Entscheidung mitreden können.

Doch Pogačar berappelte sich schnell. Zügig stieg er auf sein Rad und nahm die Verfolgung aufs Peloton auf. Auch die anderen Fahrer um van Aert konnten das Rennen fortsetzen. Es dauerte keine 15 Minuten, ehe Pogačar nicht nur zurück im Peloton war, sondern zu einer Attacke an der Cipressa nach Vorarbeit von Brandon McNulty und Isaac del Toro ansetzte. Währenddessen waren auch die letzten drei verbliebenen Ausreißer Lorenzo Milesi, Mirco Maestri und Dario Igor Belletta (beide Team Polti VisitMalta) gestellt worden.

Favoritentrio bildet sich

Bei der Pogačar-Attacke konnten nur zwei Fahrer am Hinterrad des Slowenen bleiben: Vorjahressieger Mathieu van der Poel und Tom Pidcock. In Führung liegend ging es für das Trio nicht nur in die Abfahrt, sondern auch hinein in den entscheidenden Anstieg des Tages: den Poggio. 20 Sekunden trennte zu dem Zeitpunkt das Führungstrio vom Peloton bei noch zehn zu gehenden Kilometern.

Van der Poel kann nicht folgen

Bereits bei der ersten Tempoverschärfung Pogačars musste der müde wirkende van der Poel abreißen lassen, der auf den letzte Kilometern vom Peloton geschluckt werden sollte. Pogačar trat zwar am Poggio noch zweimal an, schaffte es aber nicht, den starken Pidcock zu distanzieren. Er klebte förmlich am Hinterrad des Slowenen und hielt sich geschickt in seinem Windschatten.

​Mailand-Sanremo 2026: Pogačar gewinnt

Auch in Folge versuchte Pogačar mehrfach, die Führungsarbeit an den Briten abzugeben, der aber Mal um Mal verweigerte. So kam das Peloton nochmal näher ans Spitzenduo heran, in die Entscheidung konnte es aber nicht eingreifen. Im Sprint gewann Pogačar Mailand-Sanremo 2026 hauchzart vor Pidcock. Wout van Aert konnte sich vom Rest der Verfolger lösen und erreichte nach Sturz einen beachtlichen dritten Rang.

Meistgelesen in der Rubrik Profi - Radsport