Wir haben alle geknacktFahrradschlösser von Aldi und Lidl im Sicherheitscheck

Matthias Borchers

 · 25.03.2026

Das Crivit-Schloss von Lidl kostet 4,99 Euro, das Kabelschloss von Aldi 2,99 Euro und das Kettenschloss mit Schlüssel 3,99 Euro
Foto: Matthias Borchers

Drei günstige Fahrradschlösser von Aldi und Lidl mussten im Test zeigen, was sie wirklich können – und alle drei wurden in kurzer Zeit geknackt. Was nach einem Schnäppchen aussieht, entpuppt sich als riskante Sparlösung für fast jede Gelegenheit.

​Drei günstige Fahrradschlösser von Aldi und Lidl mussten im Test zeigen, wie viel Sicherheit man zum Spottpreis tatsächlich bekommt. Zwei Kandidaten setzen auf Zahlencodes: ein vierstelliges Aldi‑Kabel-Schloss und ein fünfstelliges Lidl‑Pendant mit Kette. Beide sind deutlich leichter als das dritte Testmodell, ein massives Kettenschloss mit Schlüssel von Aldi. Mit rund 950 Gramm wirkt das Lidl‑Kettenschloss zunächst robust und vertrauenerweckend, die Aldi-Kette ist deutlich schwerer. Das höhere Gewicht suggeriert Stabilität, doch entscheidend ist, wie gut die Schlösser mechanischen Angriffen standhalten.

Die Zahlenschlösser punkten beim Handling, doch die Frage bleibt: Bietet ein fünfstelliger Code wirklich mehr Sicherheit als ein vierstelliger? In der Theorie ja, in der Praxis hängt es stark von der Qualität des Schließzylinders und der Toleranzen im Mechanismus ab. Leichte Schlösser sind unterwegs angenehm, können aber konstruktionsbedingt schneller zu knacken sein.

Das schwere Kettenschloss mit Schlüssel von Aldi vermittelt durch seine Bauart mehr Vertrauen, doch auch hier zeigt sich erst im Test, ob Material und Schlosskörper echten Widerstand leisten. Gewicht allein ist kein Garant für Sicherheit – entscheidend ist die Kombination aus Materialhärte, Schließtechnik und Verarbeitung.

Erstes Fazit

Keines der Schlösser kostet mehr als fünf Euro. Das ist ein Bruchteil des Preises dessen, was Qualitätshersteller wie Abus oder Kryptonite für ihre günstigen Modelle verlangen. Bei der Handhabung überzeugen uns die Zahlenschlösser, da sie schlüssellos komfortabel zu bedienen sind. Bezüglich der Sicherheit vertrauen wir instinktiv dem schweren Kettenschloss von Aldi mehr Sicherheitsreserven zu als dem leichten Konkurrenten mit einem Gewicht von weniger als einem Kilo. Das fühlt sich zwar gut an beim Transport - aber in Punkto Sicherheit?

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Der Test mit dem Bolzenschneider

Der Schloss-Gegner: Ein Bolzenschneider von Hersteller BesseyFoto: Matthias BorchersDer Schloss-Gegner: Ein Bolzenschneider von Hersteller Bessey

Short Story short: Alle Schlösser, egal ob mit Stahlkabel oder Kettengliedstrang, haben wir mit einem Qualitätsbolzenschneider binnen Sekunden geknackt. Am schnellsten gings beim Zahlenschloss mit Stahlkabel von Aldi, nach einer Sekunde hatte das Schlösschen im grünen Gummi-Mantel verloren. Zwei mal ansetzen mussten wir beim Lidl-Kettenschloss, entsprechend “länger” dauerte der Vorgang: nämlich zwei Sekunden. Insgesamt vier Sekunden wehrte sich das schwere Kettenschloss von Aldi aufgrund der Materialstärke von acht Millimeter. Fazit: Alle Modelle verwenden einen billigen Baustahl, der den hoch vergüteten Schneiden von unserem Bolzenschneider wenig Gegenwehr boten

Meinung und Einordnung der Redaktion

​Alle drei getesteten Schlösser eignen sich nur für kurze Stopps vor dem Bäcker oder im Biergarten, wenn das Rad im Blick bleibt. Für eine dauerhafte Sicherung reichen weder Materialstärke noch Schließmechanik aus, denn die Discountermodelle lassen sich zu leicht überwinden. Wichtig ist außerdem, dass viele Versicherungen eine bestimmte Sicherheitsklasse verlangen, die keines der drei Schlösser erfüllt. Wer sein Rad wirklich schützen will, braucht daher ein deutlich hochwertigeres Schloss – idealerweise eines, das offiziell zertifiziert ist und nachweislich länger gegen Aufbruchversuche standhält.

Matthias Borchers ist im Test-Ressort von TOUR, Experte für Bekleidung und Zubehör. Als Hobbyradsportler hat er die TOUR-Transalp und die TOUR-Trans Austria absolviert. Prägend sind zudem Reportage-Reisen von San Francisco bis Sakai sowie 17 Trips zur Tour de France mit rund 30.000 Wohnmobilkilometern.

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