BikepackingSo viel Gepäck muss mit auf eine Bikepacking-Tour

Sandra Schuberth

 · 22.02.2026

Bikepacking: So viel Gepäck muss mit auf eine Bikepacking-TourFoto: Piarazzi

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​Bikepacking heißt auch, Entscheidungen zu treffen. Eine der größten ist die nach dem richtigen Gepäck. Wie viel du wirklich brauchst, lässt sich nicht pauschal sagen. Dieser Artikel hilft dir dabei, für deine Bikepacking-Tour das passende Maß zu finden.

Wie viel Gepäck braucht man beim Bikepacking? Diese Frage stellen sich fast alle, die ihre erste oder zweite oder dritte Bikepacking-Tour planen. Du wahrscheinlich auch. Und ich verstehe sie total. Besonders vor der ersten Tour fühlen sich die Fragen riesig an: Was muss ich alles einpacken? Ich habe gar kein Zelt, muss ich mir eins kaufen, damit es als Bikepacking-Tour zählt? Wie viele Radhosen? 7 Tage, 7 Unterhosen?

Viele wünschen sich eine klare Zahl. 10 Kilo. 25 Liter. Eine perfekte Packliste. Ich muss dich enttäuschen: die gibt es nicht. Aber ich kann dir helfen, ein Gefühl dafür zu entwickeln, was für dich sinnvoll ist. Die Entscheidung musst am Ende aber du treffen. Oder vielmehr die Entscheidungen. Dazu musst du ein paar Fragen beantworten. Die Antworten bringen dich zu deiner Packliste. Und dann weißt du auch, wie viel Gepäck du auf deine Tour mitnehmen musst.

Dauer der Tour und Gepäckmenge

Die erste Frage lautet: Wie lange willst du unterwegs sein? Gleich vorweg: dein Gepäck verdoppelt sich nicht, wenn du doppelt so lange unterwegs bist. Ich habe bei gleichen Randbedingungen die gleiche Gepäckmenge, ganz gleich, ob ein Wochenende oder eine Woche.

​Bei mir sind es meist ein oder zwei Unterhosen, ein Paar Socken, ein T-Shirt oder Longsleeve sowie eine Leggings oder Shorts für abends und zum Schlafen. Eine Puffy-Jacke ist fast immer dabei. Zum Radfahren trage ich ein komplettes Outfit und habe eine Hose zum Wechseln im Gepäck.

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Klar kannst du auch ein Wechsel-Trikot oder -Shirt einpacken. Das braucht mehr Platz und dein Gepäck wird schwerer. Und jedes Gramm musst du auch Berge hochschleppen.

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Tipp: Wasche lieber zwischendrin deine Wäsche. Dann bleibt dein Rad leichter, das tägliche Packen geht schneller und du hast weniger Packvolumen.

​Was wirklich über dein Bikepacking-Gepäck entscheidet, ist nicht die Dauer, sondern wie du übernachtest, das Wetter, die Temperaturen.

Übernachtung: Zelt, Biwak, Hotel

Wenn du mit Zelt unterwegs bist, hast du deine komplette Unterkunft dabei:

Das bringt Volumen. Und Gewicht. Und manchmal auch Flüche.

Letzteres bei mir immer dann, wenn ich morgens warte, dass das Zelt trocknet, wenn das Packen lange dauert und wenn ein Anstieg besonders kräftezehrend ist. Es gibt diese Momente, in denen ich mein Rad im Keller eines Hotels abstelle und denke: “Warum schleppe ich das alles eigentlich mit?“

Keine Lust, das Zelt im Regen aufzubauen. Keine Lust, alles nass einzupacken. Ich freue mich auf mein trockenes Zimmer und die heiße Dusche, während Zelt, Isomatte und Schlafsack unangetastet am Rad hängen.

Zelt bedeutet Freiheit? Ganz so einfach ist das nicht. Wildcampen ist in vielen Ländern verboten – unter anderem, weil es immer wieder Menschen gibt, die Müll, Feuerstellen oder Toilettenpapier hinterlassen. Wenn du legal campen willst, bist du auf Campingplätze angewiesen oder auf Privatgrundstücke, die angeboten werden, zum Beispiel über Plattformen wie Nomady.

Ohne Zelt wird dein Gepäck sofort deutlich leichter. Das ist deine Entscheidung – und auch die deines Geldbeutels.

Hast du bereits ein leichtes, platzsparendes Setup, sind Campingplätze oft günstiger als Hotels. Musst du erst alles neu kaufen, kann eine Tour mit Hotel, Pension oder geliehenem Equipment fürs erste Mal die entspanntere und günstigere Lösung sein.

Tipp: Plane mit dem, was du hast.

​Das muss immer mit

Es gibt Dinge, die gehören für mich auf jede Bikepacking-Packliste:

Darüber diskutiere ich nicht. Manchmal können kleine Dinge entscheiden übers Abbrechen oder Weiterfahren. Auf einer mehrtägigen Wintertour – mitten im Lockdown – konnte nirgendwo rein, um mich aufzuwärmen. Mein rechter Fuß war so kalt, dass ich ernsthaft überlegt habe abzubrechen. Ich hatte Zehenwärmer dabei, ein Weihnachtsgeschenk von meiner Mutter. Sie haben mir die Tour gerettet. Und ich hatte noch gezögert, sie einzupacken. Aber sie haben mir die Tour einfach gerettet.

Wetter, Temperatur und Jahreszeit

Du wirst es erahnen. Für eine sommerliche Bikepacking-Tour mit lauen Nächten packst du anders als für wechselhaftes Wetter oder winterliche Bedingungen.

​Auf einer anderen Winter-Bikepacking-Tour hatte ich vier Paar Handschuhe dabei. Für verschiedene Temperaturen und zum Wechseln, wenn eins nassgeschwitzt war. Ich habe es nicht bereut, sondern es war genau richtig.

Überlege dir: Was ziehst du bei den Bedingungen, die dich erwarten, normalerweise auf dem Rad an? Worauf kannst du verzichten?

Für mich ist ein zweites Trikot Luxus. Eine zweite Radhose dagegen ist essentiell, um Sitzprobleme in Schach zu halten.

Kochen, Supermarkt, Restaurant

Viele denken, ein Kocher gehört zum Bikepacking dazu wie die abgesägte Zahnbürste. Ich sehe das anders. Ich verzichte oft darauf – sowohl auf Kocher als auch auf das Absägen der Zahnbürste.

Ich fahre ein kleines Rad, das heißt, ich habe weniger Platz für Gepäck. Wenn möglich, fahre ich ohne Lenkertasche. Ich gehe lieber essen oder kaufe im Supermarkt ein und esse kalt. Na klar, nicht auf jeder Tour lässt sich abends ein Restaurant, Imbiss oder Supermarkt finden. Dann musst du vorher einkaufen.

Ein Kocher bedeutet:

  • mehr Gewicht
  • mehr Packvolumen
  • morgentlicher selbst gebrühter Kaffee oder Tee

Ein Restaurant bedeutet:

  • weniger Gepäck
  • kein warmes Essen und keinen Kaffee, wenn es kein Restaurant oder Kaffee-Shop gibt

Ob mit oder ohne Kocher: Beides ist richtig. Du musst nur wissen, was dir wichtiger ist und welche Infrastruktur deine geplante Tour hergibt. Für mich ist Essenkochen auf dem Campingkocher eine romantische Vorstellung, die wenig mit der Realität zu tun hat. Meine Realität ist meistens: Ich bin abends müde und habe keine Lust zu kochen - und danach noch abzuwaschen.

​Ob mit oder ohne Kocher: Beides ist richtig. Es hängt von deiner Tour und deinen Prioritäten ab.

Persönlicher Komfort

​Entscheide, was für dich persönliche Komfort-Gegenstände sind. Das kann für dich ganz anders aussehen als für mich. Ich verzichte zum Beispiel auf eine Haarbürste - die längste Zeit ohne waren rund drei Wochen. Dafür habe ich immer eine zweite Radhose im Gepäck, auch bei Bikepacking-Events. Ich bekomme schnell Probleme im Sitzbereich. Mir hilft es, die Hose zu wechseln. Dein Luxus-Gegenstand kann ein Kissen sein, eine schöne Zeltlampe, ein Buch, eine Schlafmaske.

Tipp: Verzichte auf unnötiges aber pack ein, was dir deinen Trip deutlich angenehmer macht.

Wie viel passt eigentlich in die Taschen?

Vielleicht hast du jetzt eine grobe Packliste. Wenn du schon Bikepacking-Taschen. Dann probiere doch mal aus, ob du alles reinbekommst. Gerade am Anfang hieß es bei mir an diesem Punkt immer: Was kann ich von der Packliste streiche, um alles in die Taschen gestopft zu bekommen?

Fazit

Wie viel Gepäck du beim Bikepacking brauchst, hängt nicht nur von der Strecke ab. Es hängt davon ab, wie du reisen willst. Mein Packstil ändert sich ständig, immer je nach Zielsetzung.

Für ein Bikepacking-Event wie Badlands packe ich minimal, für das Bright Midnight in Norwegen hatte ich eine komplette Regenkluft aus Regenjacke mit Kapuze, kurzer Regenhose, Überschuhen und Gummihandschuhen dabei. Für Touren mit mehr Zeit abseits des Rades packe ich mehr ein.

Mit jeder Tour lernst du dazu. Und irgendwann merkst du: Du denkst weniger darüber nach. Du weißt, was du brauchst, du kennst deine Komfort-Gegenstände und bist über unnötigen Ballast bewusst. Dieser Lernprozess ist auch Bikepacking.

​Diese Fragen können dir beim Packen helfen:

  1. Was brauche ich jeden Tag? (Sonnencreme, Zahnbürste)
  2. Was gibt mir Sicherheit – auch im Kopf?
  3. Was kann ich unterwegs kaufen? (z. B. Snacks)
  4. Habe ich es oder muss ich es kaufen oder leihen?
  5. Wie viel Komfort will ich?

​FAQ: Wie viel Gepäck braucht man beim Bikepacking

Wie schwer sollte mein Bikepacking-Gepäck wirklich sein?

So leicht wie möglich. Aber so schwer wie nötig.

Für eine drei- bis sieben-tägige Sommer-Tour mit Zelt sind acht bist zwölf Kilogramm normal. Wenn du bei 14 landest, bist du kein Versager. Wenn du bei sieben landest, bist du kein Profi.

Wichtiger als die Zahl ist: Fährst du noch entspannt – oder kämpfst du nur gegen dein Gepäck?

Reichen 20 Liter für eine Woche Bikepacking?

Ja. Wenn du weißt, was du tust. Nein. Wenn du für jede Eventualität packst.

20 bis 30 Liter sind für viele Einsteigerinnen mit Zelt realistisch. Wer ohne Zelt fährt, kommt oft mit deutlich weniger aus.

Muss ich mit Zelt fahren, damit es „richtiges“ Bikepacking ist?

Nein.

Bikepacking ist kein Wettbewerb im Draußenschlafen. Wenn du im Hotel übernachtest, ist es immer noch Bikepacking. Wenn du dir Equipment leihst, ist es immer noch Bikepacking. Wenn du keinen Kocher dabeihast, auch.

Du bestimmst die Regeln deiner Tour.

Brauche ich einen Kocher – oder ist das nur Instagram-Romantik?

Ein Kocher ist praktisch. Aber er ist kein Pflichtprogramm.

Wenn du Infrastruktur hast, kannst du essen gehen oder im Supermarkt einkaufen. Wenn du maximale Unabhängigkeit willst, nimm einen Kocher mit.

Die ehrlichere Frage ist: Hast du abends wirklich Lust zu kochen – oder gefällt dir nur die Vorstellung davon?

Woran merke ich, dass ich zu viel eingepackt habe?

  • Wenn du beim Packen schon fluchst
  • Wenn du dein Rad kaum noch handeln kannst
  • Wenn du 1000 Dinge herumfährst, die du nicht benutzt
  • Ausnahme: Werkzeug und Erste Hilfe sollte immer dabei sein und man hofft immer, es nicht zu brauchen.

Zu viel Gepäck fühlt sich selten erst am dritten Tag falsch an – meistens weißt du es schon beim Losfahren.

Sandra Schuberth

Sandra Schuberth

Redakteurin

Sandra Schuberth, mal Feierabendrunde, mal Trainingsride, mal unsupported Bikepacking-Challenge. Hauptsache sie und ihr Gravelbike – abseits vom Verkehr. Seven Serpents, Badlands oder Bright Midnight: Sie hat anspruchsvolle Bikepacking-Rennen gefinisht. Gravel und Bikepacking sind ihre Herzensthemen, ihr Anspruch an Equipment ist hoch. Was sie fährt, nutzt und empfiehlt, muss draußen bestehen: nicht im Marketing, sondern im echten Leben.

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