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Dauertest Bowdenzüge

Unbekannt

 · 12.10.2010

Dauertest Bowdenzüge

Die häufigste Ursache für ungenaue Schaltvorgänge sind verschlissene Züge. TOUR hat zwölf Systeme im Dauertest untersucht und zeigt, welche auf lange Zeit gut funktionieren.

Wenn die Gänge eines Rennrades leise, knackig und präzise einrasten, erscheint ein modernes Rennradgetriebe als feinmechanisches Kleinod. Aber wehe, es gelangt – im übertragenen wie im Wortsinn – Sand ins Getriebe: Dann macht die rasselnde und nur widerwillig das Ritzel wechselnde Kette schnell deutlich, dass sich die Rennradschaltung im Prinzip einer antiquierten Technik bedient. Zwischen dem Schalthebel und dem Schaltwerk soll ein ellenlanger, in Kurven verlegter Bowdenzug den Befehl zum Gangwechsel übermitteln – der Schwachpunkt im System. Die Reibung des Schaltzuges in seiner Hülle erhöht im besten Fall nur Kraft, mit der man schalten muss. Wird sie jedoch zu hoch, leidet auch die Präzision. Schaltet man auf ein größeres Ritzel, lässt sich dem noch vergleichweise einfach begegnen: mehr Druck am Hebel und “Überschalten”. In die andere Richtung, auf ein kleineres Ritzel, wird der saubere Gangwechsel ausschließlich von der Feder des Schaltwerks bewerkstelligt. Reicht deren Rückstellkraft nicht mehr aus, rasselt die Kette bisweilen ätzend lange, bevor sie sich auf das nächstkleinere Ritzel bequemt. Neue Züge wirken da meist Wunder: Plötzlich funktioniert die Schaltung wieder wie am ersten Tag.

Getestet haben wir zwölf Zug-Sets – solche, die Erstausrüster verwenden ebenso wie Nachrüstmodelle; die Preisspanne reicht von gut zehn Euro (Xtreme “Easycable Pro”) bis fast hundert Euro für die extravaganten Nokon-“Slimline”-Züge. Technisch unterscheiden sie sich vor allem darin, wie die Hüllen abgedichtet sind und wie der Innenzug beschichtet ist – beides Maßnahmen, welche die Reibung dauerhaft niedrig halten und lang währende Schaltpräzision sicherstellen sollen. Dass beschichtete Züge signifikant besser abschneiden, lässt sich aus den Test-Ergebnissen nicht ableiten. Die Teflonbeschichtung der beiden Modelle von Jagwire und Xtreme rieb sich im engen Bogen sogar ab – die Vermutung liegt nahe, dass der Abrieb die innere Reibung weiter erhöht.

Im TOUR-Test zeigten sich die Konstruktionsunterschiede spätestens nach dem ersten Beschuss mit Wasser und Sand.

KURZ & KNAPP

Die Unterschiede bei den Zügen machen die Dichtungen: Gut gedichtete Züge laufen im Neuzustand etwas schwerer, sind aber deutlich langlebiger als die ungedichtete. Besonders Allwetter-Fahrer sollten auf gute Dichtungen achten. Komplett gekapselte Systeme wie Nokon oder Gore machen viel Arbeit bei der Montage, sind aber fast für die Ewigkeit gemacht und für Crosser oder Mountainbikes eine klare Empfehlung. Gores Systeme laufen zudem erstaunlich leicht. Teflonbeschichtete Innenzüge bieten keine Vorteile.

Die Testergebnisse dieser Produkte finden Sie unten als PDF-Download:

BBB BCB-055

Campa Ultra Shift

Gore Ride on Professional

Gore Ride On Sealed

Jagwire Ripcord

Jagwire Hyper

Nokon Rennrad Set

Nokon Slim Line

Shimano Dura-Ace SP41

Shimano SIS SP40

Xtreme Easycable KS

Xtreme Easycable Pro

  Verschiedene Dichtungen (von oben): Gummitülle, gedichtete Endkappen, durchgehender Liner, Teleskopdichtung. Alle wirken, verursachen aber unterschiedlich starke Reibung.
Verschiedene Dichtungen (von oben): Gummitülle, gedichtete Endkappen, durchgehender Liner, Teleskopdichtung. Alle wirken, verursachen aber unterschiedlich starke Reibung.
  Großer Bahnhof: der TOUR-Zug-Prüfstand
Großer Bahnhof: der TOUR-Zug-Prüfstand
  TOUR-Tester Jens Klötzer bei der Zugkontrolle: Für jeden Zug wurden mit Messrechner und Sensoren Kraft-Weg-Diagramme erstellt.
TOUR-Tester Jens Klötzer bei der Zugkontrolle: Für jeden Zug wurden mit Messrechner und Sensoren Kraft-Weg-Diagramme erstellt.

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