Kristian Bauer
· 11.04.2026
Auto hat die DuoBell in Zusammenarbeit mit Forschern der University of Salford entwickelt. Die Wissenschaftler untersuchten, wie sich aktive Geräuschunterdrückung auf die Hörbarkeit herkömmlicher Fahrradklingeln auswirkt. Die Entwicklung entstand aus der Beobachtung, dass herkömmliche Klingeln bei Fußgängern mit Kopfhörern zur Geräuschunterdrückung (Active Noise Cancelling - ANC) oft wirkungslos bleiben.
Die Zahl der Radfahrer in Metropolen steigt weltweit. In London soll die Anzahl der Radfahrer 2026 erstmals die der Autofahrer übertreffen. Gleichzeitig wächst das Kollisionsrisiko zwischen Radfahrern und unaufmerksamen Fußgängern. Transport for London verzeichnete laut Škoda 2024 einen Anstieg solcher Vorfälle um 24 Prozent. In den Straßen Londons trägt bis zu die Hälfte aller Fußgänger Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung (ANC). Diese Technologie reduziert die Fähigkeit, Umgebungsgeräusche wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Viele ANC-Systeme arbeiten so effektiv, dass selbst das Läuten einer herkömmlichen Fahrradklingel nicht durchdringt.
Die Wissenschaftler der University of Salford führten akustische Tests durch und identifizierten einen schmalen Frequenzbereich, der ANC-Filter passieren kann. Diese Sicherheitslücke liegt zwischen 750 und 780 Hz. Die DuoBell sendet Töne in diesem Frequenzbereich aus. Ein zusätzlicher Resonator arbeitet auf einer höheren Frequenz. Der Name DuoBell leitet sich von diesem zweiten Resonator ab. Ein speziell konstruierter Hammermechanismus erzeugt schnelle und unregelmäßige Schläge. Diese Schallwellen können ANC-Algorithmen nicht schnell genug verarbeiten und unterdrücken.
Die Messungen während der Testphase zeigten, dass Fußgänger mit aktiven Noise-Cancelling-Kopfhörern bis zu 22 Meter zusätzliche Reaktionsdistanz erhielten, wenn die Fahrradklingel DuoBell aktiviert wurde. Diese Distanz stellt einen wichtigen Sicherheitsabstand dar. Im Februar fanden Praxistests auf Londons Straßen in Kooperation mit Deliveroo-Kurieren statt. Die Klingel erwies sich als so wirkungsvoll, dass die Kuriere sie behalten wollten. Ben Edwards von der Agentur AMV BBDO beschreibt die DuoBell als analogen Trick, der die Algorithmen künstlicher Intelligenz in Kopfhörern austrickst. Die Agentur PHD unterstützte das Konzept, die Produktionsfirma Unit9 trug zur Entwicklung des Prototyps bei. Ob die Klingel wirklich in die Massenproduktion geht, ist noch nicht klar. Die wissenschaftlichen Hintergründe und die grundlegende Funktion der Fahrradklingel wurden frei zugänglich gemacht - es könnten sich also interessierte Hersteller finden.

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