Es ist Feierabend. Ein langer, anstrengender Tag liegt hinter mir und der Group Ride heute Abend ist genau das, worauf ich mich den ganzen Tag gefreut habe. Frische Luft, gute Gesellschaft, abschalten.
Die Gruppe rollt los, es wird dunkel und dann fängt es an. Vor mir blinkt es rot. Neben mir auch. Alle in einem anderen Takt, alle in meinem Gesichtsfeld. Fast sofort spüre ich jedes Blinken direkt in meinem Kopf. Ich weiß, ich bin anfällig für Kopfschmerzen. Wenn ich blinkende Rücklichter vor mir habe, geht das sofort los.
Im Stadtverkehr, allein unterwegs zwischen Autos, mag ein zusätzliches Blinklicht zum Rotlicht mit Dauerleuchten sinnvoll sein. Es fällt auf. Ich streite das gar nicht ab.
Aber im Group Ride ist die Situation eine andere. Ich bin nicht 50 Meter hinter dir. Ich bin 2 Meter hinter dir. Ich sehe dich. Was ich nicht brauche, ist ein permanentes Warnsignal in meinem Sichtfeld, das meinem Gehirn im Sekunden-Takt einen Schlag versetzt.
Oft warte ich ein paar Minuten, dann halte ich es nicht mehr aus und bitte die Mitfahrenden, auf Dauerlicht umzuschalten. Jedes Mal kostet das Kraft und Überwindung. Meistens stoße ich auf Verständnis, manchmal wird einfach kommentarlos der Knopf gedrückt, der von Blinken zu Dauerlicht umschaltet.
Die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung schreibt vor, dass Rücklichter am Fahrrad dauerhaft leuchten müssen. Ein reines Blinklicht ohne gleichzeitig aktives Dauerlicht ist nicht zulässig. Eine Ausnahme gibt es nur dann, wenn das Licht eine entsprechende Zulassung besitzt und das Blinklicht zusätzlich zum Dauerlicht läuft – nicht stattdessen.
Mit anderen Worten: Ein blinkendes Rücklicht erfüllt die gesetzlichen Anforderungen in den meisten Fällen nicht.
Stimmt – das Auge reagiert auf Veränderung stärker als auf Dauerlicht. Aber Blinklicht hat einen Haken: Abstände lassen sich schlechter einschätzen, wenn ein Licht rhythmisch verschwindet. Und im Group Ride mit mehreren Blinklichtern in verschiedenen Takten entsteht kein Informationsgewinn mehr – nur noch Lärm fürs Gehirn.
Wer wirklich besser gesehen werden will, findet in Rücklichtern mit Bremslichtfunktion das bessere Argument. Dauerlicht im Normalbetrieb, automatisch heller oder kurz aufblinkend beim Bremsen. Das ist sinnvolle Information – nicht permanentes Blinken ohne Aussage.
Ich kann dir nicht vorschreiben, ob du mit StVZO-konformem Rücklicht fährst oder nicht. Aber mein Appell ist: Stell es auf Dauerlicht, bevor die Gruppe losfährt. Lade den Akku vorher auf – Dauerlicht verbraucht mehr als Blinken, das ist einzuplanen.
Group Ride bedeutet, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Bei der Linienwahl, beim Tempo, bei Handzeichen. Beim Licht auch.
Und wenn du solo unterwegs bist:

Redakteurin