Sicherheit im RadsportNeues Airbag-System für Rennradhose vorgestellt

Julian Schultz

 · 27.01.2026

Die Zukunft im (Profi-)Radsport? Mit dem Aerobag präsentierte das gleichnamige Unternehmen ein neues Airbag-System für Radfahrer.
Foto: Aerobag
​Ein neues Airbag-System namens Aerobag soll die Sicherheit im Radsport erhöhen. Das in die Rennradhose integrierte Luftkissen könne innerhalb von Millisekunden auslösen. Bei einem Sturz sollen Nacken, Wirbelsäule und Brustkorb geschützt werden. Der belgische Hersteller habe das System speziell für Profis entwickelt. Im Handel ist der Aerobag aktuell noch nicht.

Die World-Tour-Saison ist erst wenige Tage alt, da liegen die ersten Profis mit Knochenbrüchen schon wieder im Krankenhaus. Bei der Tour Down Under in Australien sorgte vor allem ein Unfall mit zwei Kängarus für Aufsehen, infolgedessen unter anderem Menno Huising (Visma | Lease a Bike) mit einem Schlüsselbeinbruch aufgeben musste. Bereits zuvor forderte der World-Tour-Auftakt mit Jhonatan Narvaez (UAE Team Emirates-XRG) ein prominentes Sturzopfer. Der Mitfavorit um den Gesamtsieg kam an einem Fahrbahnteiler zu Fall und fällt vorerst mit Frakturen an der Brustwirbelsäule aus. Auch Marius Mayrhofer (Tudor Pro Cycling) ist nach mehreren Knochenbrüchen infolge eines heftigen Sturzes zunächst außer Gefecht.



TPU-Schläuche als Luftkissen

Mit dem Aerobag präsentiert das gleichnamige Unternehmen aus Belgien nun einen neuen Airbag, der speziell Profis vor schweren Verletzungen wie bei Mayrhofer & Co. schützen soll. Das System ist vollständig in die Träger der Rennradhose integriert. Als Luftkissen fungieren TPU-Schläuche, die mittels einer integrierten CO²-Kartusche gefüllt werden. Das Herzstück seien neun Sensoren, die kontinuierlich Daten wie Geschwindigkeit, Beschleunigung oder Bewegungsmuster erfassen. Ein speziell entwickelter Algorithmus analysiert diese Daten in Echtzeit. Erkennt das System eine Abweichung, werde der Airbag innerhalb von 100 Millisekunden ausgelöst und bildet eine Schutzhülle um Nacken, Wirbelsäule und Brustkorb.

Nacken, Wirbelsäule und Brustkorb: Der Dummy am Velofollies-Messestand von Aerobag zeigt, welche Körperteile der Airbag des gleichnamigen Unternehmens schützen soll.Foto: AerobagNacken, Wirbelsäule und Brustkorb: Der Dummy am Velofollies-Messestand von Aerobag zeigt, welche Körperteile der Airbag des gleichnamigen Unternehmens schützen soll.

Der Hersteller aus Flandern ist besonders stolz darauf, dass der integrierte Airbag kaum aufträgt und nach einem Auslösemechanismus wieder seine ursprüngliche Form erlangen könne. Damit sei eine zentrale Forderung von Profifahrern erfüllt. Nach heftigen Unfällen in den vergangenen Jahren hatte der Radsport-Weltverband UCI bereits laut über die Einführung einer Airbag-Pflicht im Peloton nachgedacht. Teamchef Ralph Denk (Red Bull-Bora-Hansgrohe) stand den Plänen aufgeschlossen gegenüber. “Wenn das zumutbar ist, dass man 250 Kilometer Radrennen damit fahren kann, warum nicht”, so der 52-Jährige gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Auch Ex-Profi Marcel Kittel warb bereits für Airbags: “Wir haben keine Knautschzone. Die Frage ist: Wie kann man noch mehr Innovation reinbringen? Für den Stadtradfahrer gibt es Airbags, vielleicht ist das eine Zukunft.”

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Testphase beim Team Picnic PostNL

Noch ist ein Airbag im Profi-Radsport allerdings Zukunftsmusik. Das gilt im Übrigen auch für den Marktstart des Aerobag. Auf der Velofollies in Kortrijk/Belgien stellte das sechsköpfige Entwicklungsteam das System zwar der Weltöffentlichkeit vor und präsentierte mit Nalini einen Partner aus der Bekleidungsbranche. Serienmäßig werden aber noch keine Rennradhosen mit integriertem Airbag produziert. Das System allein koste mehrere Hundert Euro, wie Aerobag mitteilte.

Aktuell im Einsatz sei die Neuheit beim Team Picnic PostNL, so Aerobag. Wie die World-Tour-Mannschaft mitteilte, werde der Airbag jedoch nicht von den Profis um John Degenkolb (Gera) oder Niklas Märkl (Queidersbach) benutzt. “Das System ist für unser Devo-Programm gedacht, das es in den nächsten Wochen im Training einsetzen will”, antwortete eine Team-Sprecherin auf TOUR-Anfrage.

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