Lycra ist insolvent1,2 Mrd. Schulden

Kristian Bauer

 · 19.03.2026

Lycra ist insolvent: 1,2 Mrd. SchuldenFoto: KI generiert
Radhose mit Lycra
Aus der Fahrradbekleidung ist Elastan nicht wegzudenken - jetzt ist das Unternehmen hinter Lycra insolvent. Der Elastan-Hersteller Lycra Company hat am 17. März 2026 in Houston Insolvenzschutz nach Chapter 11 beantragt. Das Unternehmen will 1,2 Milliarden US-Dollar Schulden abbauen und erhält von Kreditgebern 75 Millionen US-Dollar neue Finanzierung. Lycra beschäftigt weltweit 2000 Mitarbeiter an acht Produktionsstandorten und kämpft seit 2019 mit wirtschaftlichen Problemen.

Seit Jahrzehnten profitieren Radsportler von dehnbaren Elastan-Faser in ihrer Radbekleidung. Lycra ist ein führender Anbieter von Elastan. Die Lycra Company hat beim US-Insolvenzgericht in Houston, Texas, ein vorab abgestimmtes Chapter-11-Verfahren eingeleitet. Die Kreditgeber unterstützen den Plan nahezu einstimmig und stellen 75 Millionen US-Dollar bereit, um den Großteil der bestehenden Schulden von 1,53 Milliarden US-Dollar zu beseitigen. Das in Wilmington, Delaware ansässige Unternehmen erwartet, das Verfahren innerhalb von 45 Tagen abzuschließen. Produktionsabläufe, Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter bleiben von der Umstrukturierung unberührt.

Ursachen der finanziellen Schieflage

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten begannen laut verschiedenen Medienberichten nach der Übernahme durch das chinesische Textilunternehmen Ruyi Textile and Fashion International Group Limited im Jahr 2019. Das Geschäft war nach dieser Transaktion über Jahre hinweg stark belastet. Kreditgeber übernahmen 2022 die Kontrolle, nachdem Lycra in Zahlungsverzug geraten war. Sinkende Nachfrage, zunehmende Konkurrenz durch günstigere generische Elastan-Produkte, unvorhersehbare US-Zölle und anhaltende Rechtsstreitigkeiten mit den früheren Eigentümern in China verschärften die Lage weiter.

Lycra Schuldenabbau

Im Rahmen der Restrukturierung werden 1,2 Milliarden US-Dollar Verbindlichkeiten gestrichen. Die Kreditgeber stellen 75 Millionen US-Dollar zur Sicherung des laufenden Betriebs bereit. Weitere 75 Millionen US-Dollar sind für die Zeit nach Abschluss des Verfahrens vorgesehen. Ein zentraler Bestandteil des Plans ist die Umwandlung von Schulden in Eigenkapital. Das Finanzierungskonzept soll dem Unternehmen wieder Handlungsspielraum verschaffen und Investitionen in Effizienzsteigerungen ermöglichen.

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Unternehmensstruktur Lycra

Lycra wurde 1958 als Teil von DuPont de Nemours Inc. gegründet und war der ursprüngliche Hersteller von Elastan. Das Unternehmen betreibt acht Produktionsstätten, drei Forschungslabore und 11 Büros in Nordamerika, Europa, Asien und Südamerika. Weltweit beschäftigt Lycra 2.000 Mitarbeiter. Die Marke ist fest in der Textilindustrie etabliert und zählt weiterhin zu den führenden Anbietern von Elasthanfasern. Preisaggressive Anbieter aus Asien erhöhen jedoch den Wettbewerbsdruck, während die Nachfrage stark von konjunkturellen Schwankungen im Bekleidungssektor abhängt.

Lycra in Sportbekleidung

​Lycra, ein Markenname für die Kunstfaser Elastan, ist aus der modernen Sportbekleidung nicht wegzudenken und ein Standard für funktionale Radsportmode. Das Material zeichnet sich vor allem durch seine extreme Dehnbarkeit aus, da es sich um das Vielfache seiner Länge strecken lässt und danach stets in die Ursprungsform zurückkehrt. Diese Bi-Elastizität ermöglicht eine körpernahe Passform, die im Radsport die Aerodynamik verbessert, störendes Flattern verhindert und durch den „Zweite-Haut-Effekt“ schmerzhaftes Wundscheuern minimiert.

In der Herstellung wird Lycra fast immer als Mischgewebe eingesetzt, meist kombiniert mit Polyester oder Polyamid. Während die Begleitfasern für Atmungsaktivität und schnellen Schweißabtransport sorgen, verleiht der Lycra-Anteil (meist zwischen 18 und 30 Prozent) dem Kleidungsstück die nötige Flexibilität und Formbeständigkeit.


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Kristian Bauer

Kristian Bauer

Redakteur

Kristian Bauer ist gebürtiger Münchner und liebt Ausdauersport – besonders wenn es in die Berge geht. Er ist ein Fan der Tour de France und bevorzugt solide Rennradtechnik. Er führt für TOUR Interviews, berichtet von Events im Hobbyradsport und schreibt Artikel über die Fahrradbranche sowie Trends im Rennradsport.

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