Zwölf Helmmützen-Modelle im Test

Matthias Borchers

 · 01.02.2022

Zwölf Helmmützen-Modelle im TestFoto: Jan Greune

Helmmützen sollen den Kopf beim Rennradfahren vor Kälte schützen, wozu sie kaum spürbar unter den Helm passen müssen. Im TOUR-Test: Zwölf Wintermützen für Radsportler von 20 bis 75 Euro.

Café du Cycliste: Belgian Cap
Foto: MATTHIAS BORCHERS

Zugegeben, optisch sind Helmmützen mit ihrer Badekappenoptik zwar kein modisches Highlight, dafür aber praktisch und sinnvoll: Die dünnen Stoffhauben halten den kälteempfindlichen Kopf kuschelwarm, wenn kalte Luft durch die Belüftungsschlitze des Helms pfeift. Das Zeug zur Lieblingsmütze haben jedoch lediglich solche Modelle, die gut schützen und unterm Helm nicht stören.

Da zwischen Schädel und Schale kaum Raum bleibt, sollte die Helmmütze idealerweise dünn sein und nicht auftragen. Möglichst wenige und flache Nähte sind dafür von Vorteil; Nahtkreuzungen oder Verdickungen können auf Dauer ebenso unangenehm drücken wie umlaufende Nähte genau auf Höhe der Ohren. Ob man eine Mütze mit oder ohne Schirm bevorzugt, ist, wie so oft, eine Frage persönlicher Vorlieben. So ein kleines Mützendach kann einerseits die Brille vor Regen und Dreck abschirmen, andererseits aber auch das Sichtfeld einengen. Grundsätzlich darf der Schirm nicht zu steif sein, sonst entsteht am Übergang zur Mütze eine Kante, die insbesondere unter engen Helmen schmerzhaft auf Stirn und auf Schläfen drücken und rote Striemen hinterlassen kann.

Leise und laute Helmmützen für Rennradfahrer

Zum Tragekomfort gehört ebenfalls, ob eine Helmmütze mehr oder weniger Windgeräusche am Ohr verursacht. Beeinflusst wird das sowohl durch den Schnitt beziehungsweise den Sitz der Mütze über den Ohren als auch vom verwendeten Material. Unter leichtem, netzartigem Mesh ist es naturgemäß lauter als unter dickerem Stoff; liegt der Stoff ums Ohr herum eng an, wird es darunter in der Regel leiser sein, als wenn der Fahrtwind unter den Rand schlüpfen kann. Wir haben hierfür die subjektiven Eindrücke der Tester auf einer schnellen Abfahrt dokumentiert.

Witterung, die Belastungsintensität auf dem Rad und individuelles Kälteempfinden entscheiden darüber, welche Helmmütze die richtige ist. Die leichtesten Modelle wiegen etwa 20 Gramm, haben lediglich vorn im Stirnbereich eine winddichte Membran, während der Rest aus großporigem und dampfdurchlässigem Material besteht, das Ohren und Nacken knapp bedeckt. Kappen dieser Machart sind beliebt bei Radlern, die weniger kälteempfindlich sind und auch während der kalten Jahreszeit gerne intensiv trainieren. Diese leichten Mützen schützen vor Zugluft, verhindern aber, dass man nach einiger Zeit einen durchgefeuchteten Lappen unterm Helm trägt, mit dem es erst recht kalt am Kopf wird.

Wer’s kuscheliger mag oder auch leichter friert, findet seine Lieblingsmütze wahrscheinlich bei den etwas dickeren und schwereren Modellen ab 30 Gramm. Bei diesen Kandidaten ist das winddichte Material teils in Stirnband-Form verarbeitet, sodass Schweiß nach oben abdampfen kann; angerautes Roubaixmaterial im Inneren dient dabei als dünne Isolationsschicht. In Summe bieten diese Mützen einen guten Kompromiss für ein breites Einsatzspektrum.

Bei den wärmsten und dichtesten Mützen sind Windschutz und Polster rundherum großflächig verarbeitet, sie halten mollig warm und Fahrtwind zuverlässig fern. Allerdings kann es darunter schon bei leichter Anstrengung fast zu warm werden.

Der beste Allrounder nach unseren Erfahrungen ist die Haube von Velocio, die sehr gut schützt, sehr bequem unter den Helm passt und die wenigsten Windgeräusche verursacht. Und über das Aussehen der Helmmützen diskutieren wir ein anderes Mal.

Alle getesteten Rennrad-Helmmützen im Überblick:

Café du Cycliste: Belgian Cap

www.cafeducycliste.com / 50 Euro /  Italien / 60 Gramm

Ausstattung: Schirm, Netzfutter

Isolation: hoch

Fazit: Warm und rundum winddicht, bedeckt den Kopf großflächig, Druckstellen an Stirn und Schläfen möglich, kaum Windgeräusche

Café du Cycliste: Belgian CapFoto: MATTHIAS BORCHERS
Café du Cycliste: Belgian Cap

www.gorewear.com / 30 Euro / China / 32 Gramm

Ausstattung: Reflexlogo

Isolation: mittel

Fazit: Rundum-Wetterschutz in Stirnbandform, oben dampfdurchlässig, hoher Tragekomfort, Allround-Passform, in zwei Größen erhältlich, auch in Signalfarbe, macht Windgeräusche

Gore Wear: C3 Gore WS Helmet KappeFoto: MATTHIAS BORCHERS
Gore Wear: C3 Gore WS Helmet Kappe

www.castelli-cycling.com / 35 Euro / Vietnam / 39 Gramm

Ausstattung: Schirm, Reflexmaterial

Isolation: mittel

Fazit: Rundum-Wetterschutz in Stirnbandform, oben dampfdurchlässig, hoher Tragekomfort, Allround-Passform, in zwei Größen erhältlich, auch in Signalfarbe, macht Windgeräusche

Castelli: Difesa Thermal CapFoto: MATTHIAS BORCHERS
Castelli: Difesa Thermal Cap

www.gripgrab.com / 35 Euro / Pakistan / 49 Gramm

Ausstattung: Schirm, überm Ohr Roubaixmaterial

Isolation: warm

Fazit: Sehr warm, rundum winddicht und wasserabweisend, flauschig an den Ohren, trotz viel Material kaum Druckstellen, kaum Windgeräusche, in drei Größen erhältlich

Gripgrab: Windproof Winter Cycling CapFoto: MATTHIAS BORCHERS
Gripgrab: Windproof Winter Cycling Cap

www.craft-sports.de / 35 Euro / Litauen / 18 Gramm

Ausstattung: -

Isolation: gering bis mittel

Fazit: Extrem leicht, nur an der Stirn winddicht, sehr dampfdurchlässig, für intensive Belastung, die umlaufende Naht kann oben auf Ohrmuschel drücken, macht Windgeräusche, zwei Größen

Craft: Active Extreme X Wind HatFoto: MATTHIAS BORCHERS
Craft: Active Extreme X Wind Hat

Bontrager: Windshell Fahrradhelmmütze

www.trekbikes.com / 20 Euro / Vietnam / 31 Gramm

Ausstattung: –

Isolation: mittel

Fazit: Sehr leicht, schmaler winddichter Streifen, dampfdurchlässig, hoher Tragekomfort ohne Druckstellen, kaum Windgeräusche, günstig

Bontrager: Windshell FahrradhelmmützeFoto: MATTHIAS BORCHERS
Bontrager: Windshell Fahrradhelmmütze

www.pocsports.com / 50 Euro / Rumänien / 48 Gramm

Ausstattung: Schirm, Roubaix-Ohrenpolster

Isolation: warm

Fazit: Rundum winddicht und wasserabweisend, flauschig am Ohr, bedeckt den Kopf großflächig, Druckstellen durch umlaufende Naht möglich, kaum Windgeräusche, zwei Größen erhältlich

Poc: Thermal CapFoto: MATTHIAS BORCHERS
Poc: Thermal Cap

www.sportful.com / 40 Euro / Bosnien / 41 Gramm

Ausstattung: Schirm, Roubaix-Futter

Isolation: mittel

Fazit: Frontpartie gut geschützt gegen Wind und Wasser, im hinteren Bereich und an den Ohren Meshmaterial, Schirmkante drückt auf die Stirn, macht Windgeräusche

Sportful: Helmet LinerFoto: MATTHIAS BORCHERS
Sportful: Helmet Liner

www.rapha.cc / 40 Euro / Vietnam / 41 Gramm

Ausstattung: Schirm, Merinomaterial

Isolation: mittel bis warm

Fazit: Wind- und wasserabweisendes Material an der Stirn, sonst flauschige Merinowolle, ab Kopfumfang 58 cm kann die Schirmkante etwas drücken, macht Windgeräusche

Bontrager: Windshell FahrradhelmmützeFoto: MATTHIAS BORCHERS
Bontrager: Windshell Fahrradhelmmütze

Velocio: Zero Cycling Cap

www.velocio.cc / 79 Euro / Italien / 45 Gramm

Ausstattung: Schirm, Roubaix-Futter

Isolation: warm

Fazit: Wind- und wasserabweisendes Material an der Stirn, sonst flauschige Merinowolle, ab Kopfumfang 58 cm kann die Schirmkante etwas drücken, macht Windgeräusche

Velocio: Zero Cycling CapFoto: MATTHIAS BORCHERS
Velocio: Zero Cycling Cap

www.loeffler.at / 35 Euro / Österreich / 35 Gramm

Ausstattung: überm Ohr Roubaixmaterial

Isolation: mittel bis warm

Fazit: Rundum winddicht und wasserabweisend, tolles Tragegefühl ohne Druckstellen, bedeckt den Kopf großflächig, macht Windgeräusche, zwei Größen erhältlich

Löffler: Windstopper Cycling Skull CapFoto: MATTHIAS BORCHERS
Löffler: Windstopper Cycling Skull Cap

Santini: XF Helmmütze

www.santinicycling.com / 25 Euro / Italien / 24 Gramm

Ausstattung: –

Isolation: mittel

Fazit: An der Stirn winddicht aber nicht wasserabweisend, angenehmer Stoff; spürbare Naht am Hinterkopf; fällt sehr klein aus, passt lediglich bis Umfang 54 cm gut, macht Windgeräusche

Santini: XF HelmmützeFoto: MATTHIAS BORCHERS
Santini: XF Helmmütze


Dr. Bianca-Michaela Wölfling ist Produktmanagerin Comfort Performance beim Textilforschungs-Institut Hohenstein.Foto: THOMAS WAGNER
Dr. Bianca-Michaela Wölfling ist Produktmanagerin Comfort Performance beim Textilforschungs-Institut Hohenstein.

Interview mit Dr. Bianca-Michaela Wölfling: Warum man den Kopf vor Kälte schützen sollte

Dr. Bianca-Michaela Wölfling ist Produktmanagerin Comfort Performance beim Textilforschungs-Institut Hohenstein. Sie erläutert, warum man den Kopf besonders vor Kälte schützen sollte.

TOUR Angeblich ist der Wärmeverlust über den Kopf bei gleicher Oberfläche verhältnismäßig größer als bei anderen Körperteilen. Stimmt das?

DR. WÖLFLING Der Kopf gehört aus physiologischer Sicht zum Körperkern mit einr durchschnittlichen Temperatur von 37 Grad Celsius. Im Vergleich dazu ist die sogenannte Körperschale, zu der auch die Extremitäten gehören, zwischen 28 und 36 Grad warm. Der Körper ist bestrebt, diese Temperaturen möglichst konstant zu halten, damit alle Körperfunktionen gewährleistet werden können. Zudem befindet sich der Körper in ständigem Wärmeaustausch mit der Umgebung. Da Körperkern und Körperschale unterschiedlich warm sind, ist auch der Temperaturunterschied zwischen diesen und der Umgebung verschieden. Somit gibt der Kopf im Vergleich zu den Extremitäten bei gleicher, niedriger Außentemperatur mehr Wärme ab.

Und das führt dazu, dass man das Gefühl hat, am Kopf leichter zu frieren?

Der Kopf verfügt im Vergleich zum Rumpf über weniger Unterhautfettgewebe und Muskeln, beides trägt zur Isolation des Körpers bei. Während der Rumpf und die Extremitäten bei niedrigen Umgebungstemperaturen durch Bekleidung zusätzlich isoliert werden, bleibt der Kopf größtenteils ohne zusätzliche Isolationsschicht, da Haare oder eine Mütze nur einen Teil des Kopfes bedecken.

Kann man sich schneller erkälten, wenn der Kopf bei kaltem Fahrtwind schlecht isoliert, also schlecht geschützt ist?

Eine Erkältung wird begünstigt durch Abkühlen des ganzen Körpers oder einzelner Körperteile. Die Abkühlung der Füße hat sogar eine Fernwirkung auf die Schleimhäute des Mund-Nasen-Rachenraumes, wodurch Viren und Bakterien leichter eine Infektion hervorrufen können. Daher empfiehlt es sich, den ganzen Körper und auch den Kopf entsprechend durch Bekleidung zu isolieren. Für Sportbekleidung empfiehlt sich das Schichtensystem, um sich an die Gegebenheiten optimal anzupassen.

Kann sich der Kopf an Kälte gewöhnen, oder gibt es unterschiedliche Kältetypen?

Beim Kälteempfinden gibt es regionale wie auch körperliche Unterschiede. Nordeuropäer haben ein anderes Temperaturempfinden als Südeuropäer. Wiederholt kalte Bedingungen können das sensorische Kälteempfinden beeinflussen.

In einigen unserer Auftritte verwenden wir sogenannte Affiliate Links. Diese sind mit Sternchen gekennzeichnet. Wenn Sie auf so einen Affiliate-Link klicken und über diesen Link einkaufen, erhalten wir von dem betreffenden Online-Shop oder Anbieter (wie z.B. Rose oder Amazon) eine Provision. Für Sie verändert sich der Preis dadurch nicht.