Sympatex meldet Insolvenz anErmittlungen der Staatsanwaltschaft seit 2023

Kristian Bauer

 · 26.01.2026

Sympatex meldet Insolvenz an: Ermittlungen der Staatsanwaltschaft seit 2023Foto: KI generiert mit StoryChief
Schwere Zeiten für Sympatex
Die Sympatex Technologies GmbH ist insolvent. Der Insolvenzantrag wurde am 22. Januar beim Amtsgericht München gestellt. Der operative Geschäftsbetrieb des Membrantechnologie-Spezialisten läuft weiter. Die Geschäfte leitet jetzt ein Insolvenzverwalter. In die Schlagzeilen geriet das Unternehmen auch wegen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München.

Die Sympatex Technologies GmbH, ein führender Entwickler und Hersteller von funktionalen Membranen für Sport- und Outdoorbekleidung, hat am 22. Januar 2026 Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit gestellt. Das Amtsgericht München hat dem Antrag entsprochen und am 26. Januar die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Axel W. Bierbach von der Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen aus München bestellt. Auch die Muttergesellschaft Smart Solutions Holding GmbH hat einen Insolvenzantrag gestellt. Trotz der finanziellen Schwierigkeiten läuft der operative Geschäftsbetrieb weiter. Die Löhne und Gehälter der rund 70 Mitarbeitenden sind bis Ende März 2026 über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert.

Sympatex aktuelle Situation

Laut Unternehmensangaben sei die Insolvenzantragstellung aufgrund anhaltender wirtschaftlicher Belastungen notwendig geworden, die zuletzt zur Zahlungsunfähigkeit geführt hätten. Kim Scholze, seit Ende September 2025 alleinige Geschäftsführerin der Sympatex Technologies GmbH, erklärt die Situation: "Die Antragstellung ist das Ergebnis schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen, die zuletzt nicht mehr allein durch das operative Geschäft ausgeglichen werden konnten." Das Insolvenzverfahren solle den notwendigen Rahmen schaffen, um das Unternehmen in einem strukturierten Sanierungsprozess neu aufzustellen.

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Der vorläufige Insolvenzverwalter Bierbach und sein Team haben bereits begonnen, sich einen umfassenden Überblick über die wirtschaftliche Gesamtsituation des Unternehmens zu verschaffen. In den kommenden Wochen werden sämtliche Fortführungsoptionen geprüft. Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten wurden am Montag über die aktuelle Situation informiert. Der Insolvenzverwalter will sicherstellen, dass Kundenaufträge weiterhin bearbeitet und laufende Projekte planmäßig umgesetzt werden können.

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Ermittlungen der Staatsanwaltschaft seit 2023

Ein Blick in die einsehbaren Geschäftszahlen belegt, dass die wirtschaftlichen Probleme schon länger bestehen. So musste das Unternehmen bereits 2017, 2018, 2020 und 2021 Verluste verbuchen. Der letzte öffentlich einsehbare Geschäftsabschluss von 2022 zeigt hohe Verbindlichkeiten. Schlechte Nachrichten gab es in den letzten Jahren durch Geschäfte der früheren Eigentümer. 2023 geriet das Unternehmen in die Schlagzeilen, weil die Staatsanwaltschaft München I die ehemaligen Eigentümer Stephan Goetz und Stefan Sanktjohanser  in Untersuchungshaft nahm und gegen sie wegen Millionenbetrug ermittelte. 2025 hat die Staatsanwaltschaft München 1 dann Anklage gegen sieben Beteiligte erhoben - darunter auch die beiden ehemaligen Eigentümer und Unternehmensberater. Der Vorwurf: Betrug, versuchter Betrug, Anstiftung zur Untreue sowie Marktmanipulation. Im Zentrum steht eine Anleihe über 13 Millionen Euro der Sympatex Technologies von 2013. Damals wurde mit den Gläubigern ein Schuldenschnitt wegen drohender Insolvenz vereinbart. Vor Gericht geklärt werden soll, ob von den Angeklagten damals die wirtschaftliche Lage korrekt dargestellt wurde. In einem ersten Urteil wurde bereits ein Schuldspruch verkündet.

Sympatex Membrane

Sympatex entwickelt und produziert seit 1986 porenfreie Membrantechnologie an europäischen Standorten. Die Membranen kommen in funktionaler Bekleidung, Schuhen sowie in Berufskleidung, persönlicher Schutzausrüstung und technischen Einsatzbereichen zum Einsatz. Das Unternehmen ist international über ein Netzwerk aus Marken-, Industrie- und Entwicklungspartnern positioniert.

Die Technologie basiert auf Polyester und ist komplett PFAS-frei – ein wichtiger Aspekt angesichts der zunehmenden Regulierung dieser Chemikalien in der Outdoor-Branche. Die Membranen sind wasserdicht, winddicht und atmungsaktiv sowie elastisch ausgelegt. Ausgewählte Varianten enthalten einen biobasierten Anteil und sind in unterschiedlichen Materialstärken verfügbar. Auf dieser Basis entwickelt Sympatex funktionale, monomateriale Polyester- und Fiber-to-Fiber-Laminate mit Fokus auf Recyclingfähigkeit.



Sympatex Sanierungschancen

Der vorläufige Insolvenzverwalter Axel W. Bierbach sieht trotz der aktuellen Schwierigkeiten Potenzial für eine erfolgreiche Sanierung: "Sympatex verfügt über eine technologisch starke Position im Markt und Mitarbeitende mit umfassendem Spezialwissen. Ziel des Verfahrens ist es, diese Substanz zu sichern und eine tragfähige Lösung für die Zukunft des Unternehmens zu entwickeln." Die Insolvenz biete die Chance, Sympatex neu zu strukturieren und einen Start ohne die Altlasten der Vergangenheit zu ermöglichen.

Geschäftsführerin Scholze betont die Stärken des Unternehmens: "Sympatex steht für Wissen, Haltung und Innovationskraft – und für Menschen, die dieses Unternehmen über Jahrzehnte nachhaltig geprägt haben." Diese Grundlagen könnten nun im Rahmen des Insolvenzverfahrens für einen Neustart genutzt werden.

Für die Outdoor- und Sportbekleidungsbranche ist Sympatex ein wichtiger Zulieferer von funktionalen Materialien. Die frühen Investitionen in kreislauffähige Konzepte, der hohe Anspruch an Transparenz sowie der partnerschaftliche Transfer des gewachsenen technologischen Know-hows prägen die nachhaltige Produktentwicklung des Unternehmens und könnten in Zeiten steigender Nachfrage nach umweltfreundlichen Materialien einen Wettbewerbsvorteil darstellen.

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