Trainingstipps für Rennradler

TrainingTrainingstipps für Rennradler

Unbekannt

 6/30/2008, Lesezeit: 5 Minuten

Wer auf dem Rennrad besser werden will, muss trainieren. Monotone Einheiten, bei denen Sie nur Kilometer herunterspulen, bringen allerdings wenig – sie sind sogar kontraproduktiv. TOUR-Experte Dr. Björn Stapelfeldt gibt Ihnen zehn Tipps mit auf den Weg, die Ihr Training abwechslungsreicher und effizienter machen.

1. Fahren Sie mal Mountainbike!

Mountainbiken ist die beste Technik-Schulung für den Radler-Körper. Der Gleichgewichtssinn verbessert sich, das Kurven- und Bremsverhalten ebenso. Außerdem erschließt sich Ihnen auf schönen, kleinen Waldpfaden ein ganz neues Terrain. So vergeht die Zeit wie im Flug, und Sie haben intensiv und abwechslungsreich trainiert. Auch wenn Sie wenig Zeit haben: Eine Stunde auf dem Mountainbike ist schon ein hervorragendes Training.

2. Schrauben Sie die Elektronik vom Rad!

Natürlich helfen Pulsmesser, SRM & Co. bei einer seriösen Trainingsplanung – aber lassen Sie sich nicht nur von Zahlen und Werten leiten. Wer ab und zu ohne elektronische Trainingshelfer fährt, entwickelt ein Gefühl für seinen Körper, die Geschwindigkeit und die Belastung. Und wer ein gut ausgeprägtes Körpergefühl hat, kann in vielen (Renn-)Situationen schneller reagieren und lernt außerdem, sich im Training nicht zu überlasten.

3. Fordern Sie Ihre Kollegen heraus!

Täglich im selben Trott zu fahren, bringt nichts, alleine Intervalle zu absolvieren erfordert große Motivation. Interessanter: Simulieren Sie mit Ihren Kumpels Rennsituationen, bauen Sie Ortsschildsprints und Bergwertungen ein, organisieren Sie ein Mannschaftszeitfahren. Treten Sie in Zweier-Teams gegeneinander an und vergeben Sie Punkte für die verschiedenen Wertungen – so kommt auch Taktik ins Spiel! Denn Spaß beim Training ist eine Grundvoraussetzung für gute Leistung.

4. Wechseln Sie die Blickrichtung!

Lernen Sie Ihre Heimat neu kennen – mit einem kleinen Trick: Fahren Sie die Hausrunde mal andersrum! So müssen Sie vertraute Kurven und Anstiege ganz anders anfahren, es ergeben sich neue Herausforderungen. Das wirkt wunderbar gegen Trainingsmonotonie – und eventuell können Sie durch eine abwechslungsreiche Streckenwahl sogar Ihre persönliche Geschwindigkeitsbarriere durchbrechen. Die neuen Impulse im Training bringen Sie außerdem fahrtechnisch voran: Sie verfeinern Ihre Bewegungstechniken und haben bald ein varia tionsreicheres Repertoire zur Verfügung.

5. Tun Sie einfach mal nichts!

”Ruhetag” kommt von Ruhen! Wenn Sie merken, dass Sie sich nicht fürs Rennradfahren motivieren können, machen Sie mit gutem Gewissen mal Pause. Lassen Sie Ihren Renner stehen – auch daran herumzuschrauben ist jetzt nicht sinnvoll. Sie werden merken, wie die Lust aufs Rennrad von ganz alleine wieder kommt. Auch aus physiologischer Sicht sind Ruhetage wichtig: Die Anpassung an die zuvor gesetzten Trainingsreize passiert nämlich genau dann. Also: Wenn Sie besser werden wollen, legen Sie einfach die Beine hoch.

6. Machen Sie Strecke!

Immer die gleiche Landschaft sehen? Öde! Selbst wenn Sie 120 Kilometer fahren, müssen Sie nach maximal 60 Kilometern umdrehen. Warum fahren Sie nicht mal weiter? Erkunden Sie neue Wege und Regionen! Wählen Sie ein Ziel und fahren Sie mit dem Zug zurück. So gewinnen Sie neue Eindrücke – und wenn Sie hinterher erzählen, wo Sie waren, werden alle mehr darüber staunen als über Ihre Standard-120-Kilometer-Runde.

7. Fahren Sie mal 50!

Puls-Obergrenzen hin oder her – manchmal macht es einfach Spaß, Vollgas zu geben – und diesen Spaß sollten Sie sich gönnen! Eine der schönsten Eigenschaften des Rennradelns ist die hohe Geschwindigkeit, die Sie erreichen können. Nutzen Sie das aus! In der Ebene die 50 zu knacken, kann eine tolle Herausforderung sein. Wenn Sie deswegen völlig platt von der Ausfahrt zurückkommen, ist das okay – an den nächsten Tagen ist dann eben lockeres Training angesagt.

8. Trainieren Sie Fahrtechnik!

Jeder kriegt die Kurbel herum. Entscheidend für die Ökonomie ist, welche Kräfte dabei eingesetzt werden. Und wer ökonomisch fährt, ist länger schnell. Den berühmten ”runden Tritt” können Sie gezielt trainieren – zum Beispiel durch einbeiniges Fahren an einem leichten Anstieg. Auch Kurventechnik und Bergabfahren zu üben ist lohnenswert: Je sicherer Sie das beherrschen, desto weniger Zeit verlieren Sie an diesen Stellen.

9. Arbeiten Sie an Ihren Stärken!

Sie sind ein Sprintertyp und tun sich am Berg schwer? Na und? Verbessern Sie Ihre Stärken mit gezieltem Training. Seien Sie lieber ein super Sprinter als ein mittelmäßiger, der auch leichte Steigungen mitziehen kann. Denn wenn Sie sich auf Ihr Talent konzentrieren, erzielen Sie schneller Trainingserfolge und haben mehr Spaß am Training. Das ist auch aus physiologischer Sicht sinnvoll – denn der Sprintertyp entsteht nicht im Kopf, sondern im Muskel; ob Sie eher Sprinter oder Kletterer sind, ist größtenteils genetisch festgelegt – dagegen anzukämpfen, lohnt sich nicht.

10. Träumen Sie realistisch!

”Dem weht kein Wind, der keinen Hafen hat, nach dem er segelt”, hat einmal ein französischer Philosoph gesagt. Das heißt: Ziele helfen uns voranzukommen und uns – auch sportlich – weiterzuentwickeln. Aber bitte hängen Sie die Latte nicht zu hoch, sonst sind Sie schnell frustriert! Suchen Sie neue Wettkämpfe oder Rennen aus, bereiten Sie sich auch mal kurzfristig auf ein Ziel vor – und gehen Sie mit realistischen Erwartungen an die Sache. Belohnen Sie sich, wenn Sie ein Ziel erreicht haben – und lassen Sie sich genug Erholungszeit vor der nächsten Herausforderung!

Fotos: Kraus, Rokosch 

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  Dr. Björn Stapelfeldt leitet das Radlabor Freiburg, wo er und sein Team Radsportler in Sachen Biomechanik, Leistungsdiagnostik und Trainingsplanung beraten. www.radlabor.de
Dr. Björn Stapelfeldt leitet das Radlabor Freiburg, wo er und sein Team Radsportler in Sachen Biomechanik, Leistungsdiagnostik und Trainingsplanung beraten. www.radlabor.de