Spinning schlecht für die Ausdauer?

TrainingSpinning schlecht für die Ausdauer?

Unbekannt

 11/10/2009, Lesezeit: 2 Minuten

Sebastian Weber betreut als Trainer beim Profi-Team Columbia unter anderen den ehemaligen Zeitfahr-Weltmeister Bert Grabsch und Tony Martin. Zudem arbeitet Weber mit zahlreichen Hobby-Radsportlern in seinem Trainingsinstitut STAPS. TOUR hat ihn zum Thema Spinning interviewt.

TOUR: Seit Jahren ist Spinning in Fitnessstudios populär. Welche Rolle spielt Spinning bei Profis?

WEBER: Ich kenne keine Profis, die in ihr Training Spinning-Einheiten einbauen. Profis fahren entweder draußen oder haben ein gutes Fahrradergometer, auf dem sie trainieren. Außerdem fliegen sie bei schlechtem Wetter in den Süden.

Ist Spinning also auch für Hobbysportler nicht sinnvoll?

Man muss unterscheiden: Was heißt Spinning? Das Spinningrad als Trainingsgerät ist sinnvoller, als auf der Rolle zu trainieren – wenn Pedalsystem und Sitzposition stimmen. Spinningräder haben ein großes Schwungrad. Dadurch hat man ein realistischeres Fahrgefühl als auf der Rolle. 200 Watt auf der Rolle und auf dem Spinningrad sind grundsätzlich die gleiche Leistung, aber für den Körper ist es zweierlei: Fahre ich auf der Straße 200 Watt mit einer Trittfrequenz von 120 Umdrehungen pro Minute, ist das sehr unrhythmisch. Das ähnelt dem Rollentraining. Fahre ich bei Tempo 50 oder 60 im Windschatten eines Lkw mit gleicher Leistung, fühlt sich das viel normaler an – vergleichbar verhält es sich auf dem Spinningrad.

In der Regel bedeutet Spinning animiertes Training mit Musik und in Gruppen. Kann ich damit das Wintertraining auf dem Rad ersetzen?

Mit dem üblichen Training, wie es in Studios angeboten wird, habe ich keine guten Erfahrungen gemacht. Wir haben Athleten, die regelmäßig zur Leistungsdiagnostik kommen und zum Spinning gegangen sind – mehrmals pro Woche über mehrere Monate. Ich schätze, dass 18 von 20 Sportlern sich durch das regelmäßige Spinning im Ausdauerbereich verschlechtern: Die anaerobe Schwelle sinkt, der Fettstoffwechsel verschlechtert sich. Vermutlich sind dafür die Intensität sowie die hohen Trittfrequenzen verantwortlich – und dass dieses Training nicht durch längere Einheiten ergänzt wird.

Ist Spinning dann überhaupt sinnvoll?

Ja, wenn man es mit Ausdauertraining auf der Straße oder langen Einheiten auf dem Spinningrad kombiniert. Wenn man das Spinningrad wie ein Ergometer oder eine Rolle verwendet, ist es ideal.

Sind Spinninggruppen empfehlenswert?

Ja, wenn man das Training als intensive Vorbelastung für eine längere oder kraftbetonte Einheit nimmt. Man kann durch Spinning seine Glykogenspeicher etwas leeren und sowohl motorisch als auch für den gesamten Stoffwechsel sowie den Muskelapparat eine Vorbelastung setzen.

Interview: Andreas Kubli, Foto: Picture Alliance/DPA

  Sebastian Weber, Trainer beim Profi-Team Columbia
Sebastian Weber, Trainer beim Profi-Team Columbia