Smarte Sensoren: Profi-Tools Core, Supersapiens und Whoop im CheckFoto: Gruber Images

TrainingSmarte Sensoren: Profi-Tools Core, Supersapiens und Whoop im Check

Tour Magazin

 4/5/2022, Lesezeit: 4 Minuten

Die Leistungen der Radprofis sind dank moderner Technik heute schon bis ins Detail transparent. Drei neue digitale Anwendungen wollen die Trainings- und Rennplanung im Radsport noch weiter verbessern. Was bringen die smarten Sensoren?

Volle Kontrolle für Radtraining dank smarter Sensoren

Keine Pedalumdrehung bleibt unbemerkt, jede Nahrungsaufnahme wird protokolliert, jede Ruhephase aufgezeichnet: Radprofis werden während Training und Rennen beinahe rund um die Uhr überwacht, neueste Technik macht’s möglich. Die jüngsten Anwendungen drehen sich um Aspekte wie Körpertemperatur, die individualisierte Steuerung der Ernährung oder das Belastungsmanagement.

Wir stellen die drei smarten Sensoren von Core, Supersapiens und Whoop und die zugehörigen Apps vor, die in der zurückliegenden Saison erstmals im Profi-Radsport eingesetzt wurden.

Core - Körpertemperatur-Monitoring

Die Angst vor Überhitzung treibt Radsportler um, denn wenn der Körper zu heiß wird, leidet die Leistung enorm und unmittelbar. Schon seit Jahren setzen Radprofis Kühlwesten ein, meist kurz vor dem Rennen. Das Ziel: die Körpertemperatur präventiv zu senken, um im Wettkampf größere Reserven für den unausweichlichen Temperaturanstieg zu haben. Der Sensor von Core soll hingegen ein fortwährendes Temperatur-Monitoring ermöglichen. Der federleichte und nur fingernagelgroße Sensor wird unterhalb der Brust auf die Haut geklebt oder mit einem Clip an den Pulsgurt geheftet. Die Ergebnisse werden in Echtzeit in der leicht verständlichen App aufbereitet und können durch einfaches Koppeln auch auf GPS-Geräte von Garmin und Wahoo übertragen werden. Um die erhobenen Daten nutzbar zu machen, braucht es aber etwas Expertenwissen und eine gute Selbsteinschätzung (oder Datenfülle) für den eigenen Körper. Bei den extremen Bedingungen während der Olympischen Spiele in Tokio 2021 waren Athleten mit dem Core-Sensor äußerst erfolgreich: Die Olympiasieger im Straßenrennen, Richard Carapaz und Anna Kiesenhofer, fuhren beide mit dem Echtzeit-Temperaturmesser.

Kostenpunkt: rund 250 Euro

+ einfache Installation; Anbindung an Garmin- und Wahoo-Geräte

- App liefert keine Hilfe zur Daten-Interpretation

Der Körpertemperatur-Sensor von CoreFoto: Hersteller
Der Körpertemperatur-Sensor von Core

Supersapiens - Glukose-Tracking

Die Teams Ineos-Grenadiers und Jumbo-Visma dominierten zuletzt nicht nur die großen Rundfahrten wie Tour de France oder Vuelta, sie gelten auch als technologische Speerspitze des Profi-Pelotons. Beide Teams nutzten in der vergangenen Saison erstmals das Glukose-Tracking von Supersapiens, dessen Einsatz im Rennen von der UCI inzwischen aber verboten wurde.

Das Prinzip: Ein Sensor an der Oberarmrückseite ermittelt in Echtzeit die Glukose-Werte im Körper, speichert die permanent erhobenen Daten bis zu acht Stunden und gibt sie an die zugehörige App weiter. Aus den aufbereiteten Daten lassen sich individuelle Ernährungsstrategien für Training, Wettkampf und Regeneration erstellen.

Mit Garmin- und Apple-Geräten lässt sich die App bereits koppeln, andere Marken sind noch nicht kompatibel, die Integration ist für 2022 angekündigt. Optional kann man das Supersapiens-Display-Armband (160 Euro) kaufen oder die Daten erst nach Training oder Wettkampf via App auswerten. Ein Sensor hält laut Hersteller durchschnittlich 14 Tage.

Kostenpunkt: ein Starter-Set mit zwei Sensoren kostet 150 Euro; ein saisonbegleitendes 18-Wochen-Set kommt auf 700 Euro.

+ detailliertes Ernährungstracking; gut verständliche App

- Koppeln bereitete Probleme; regelmäßig neue Sensoren nötig

Der Supersapiens-Sensor wird an der Oberarmrückseite angebracht.Foto: Hersteller
Der Supersapiens-Sensor wird an der Oberarmrückseite angebracht.
Über die Supersapiens-App lassen sich die Daten auslesen.Foto: Hersteller
Über die Supersapiens-App lassen sich die Daten auslesen.
Der Supersapiens-Sensor wird an der Oberarmrückseite angebracht.Foto: Hersteller
Der Supersapiens-Sensor wird an der Oberarmrückseite angebracht.
Über die Supersapiens-App lassen sich die Daten auslesen.Foto: Hersteller
Über die Supersapiens-App lassen sich die Daten auslesen.
Über die Supersapiens-App lassen sich die Daten auslesen.
Der Supersapiens-Sensor wird an der Oberarmrückseite angebracht.

WHOOP - intelligenter Fitness-Tracker

Das Armband am Handgelenk der Profis vom World-Tour-Team EF Education-EasyPost
unterscheidet sich wesentlich von anderen Fitness-Trackern: Die Datenauswertung erfolgt allein über die App, ein Display gibt es nicht. Das wasserfeste Band sitzt bequem, muss aber auch dauerhaft getragen werden, um aussagekräftige Daten zu erhalten. Im Fokus von Whoop steht das Belastungsmanagement. Dazu werden die Parameter Erholung, Schlaf und Belastung erfasst, Messwerte wie die Herzfrequenzvariabilität und der Ruhepuls werden genutzt. Zudem kann die App über das Herzfrequenzprofil bis zu 60 Sportarten unterscheiden. Bei unserem Test klappte dies mit Joggen, Radfahren, Tennis und Basketball tadellos. Aus den ermittelten Daten ergeben sich Empfehlungen zu Ruhe- und Schlafphasen und Prognosen zur Belastungsfähigkeit an bestimmten Tagen. Die App ist seit kurzer Zeit auf Deutsch erhältlich.

Kostenpunkt: Die Abrechnung erfolgt per Abo-Modell und kostet monatlich 18 bis 30 Euro, je nach vereinbarter Laufzeit.

Hinweis: Die Synchronisierung von Tracker zu App dauerte im Test bis zu einer Stunde und kostete einige Prozent Strom des Handy-Akkus.

+ System lernt; intelligentes Sport-Tracking; deutschsprachige App

- Synchronisation zieht viel Akku

Das Whoop-System besteht aus dem Armband am Handgelenk und der App.Foto: Hersteller
Das Whoop-System besteht aus dem Armband am Handgelenk und der App.