Rennradtraining immer gefährlicher?

Kristian Bauer

 · 20.02.2025

Rennradtraining immer gefährlicher?Foto: Christian Kaufmann
Rennradtraining in der Gruppe
Drei schlimme Unfälle beim Rennradtraining in kurzer Zeit haben im Frühjahr die Debatte über Gefahren im Straßenverkehr neu befeuert. Wird es immer gefährlicher auf den Straßen? Was kann man tun um sich nicht zu gefährden?

Ende Januar starb in Südtirol die 19-jährige Nachwuchsfahrerin Sara Pfiffer vom Team Mendelspeck. Sie wurde von einem Auto erfasst, dass beim Überholen auf ihrer Spur entgegenkam. In Großbritannien wurde der nationale Zeitfahrmeister der Juniorenklasse Aidan Worden von einem Auto angefahren und tödlich verletzt. Der 19-Jährige vom 360 Cycling Team verstarb am Unfallort. Vergleichsweise glimpflich davongekommen sind sechs Fahrer der deutschen Bahnrad-Nationalmannschaft. Sie wurden beim Rennradtraining auf Mallorca von einem 89 Jahre alten Autofahrer von hinten umgefahren. Zwei Sportler erlitten Lendenwirbelfrakturen, zwei Fahrer zogen sich Schulterbrüche zu. Die übrigen zwei Athleten erlitten laut German Cycling tiefe Schürfwunden, Gehirnerschütterungen, Frakturen und einen Haarriss. Bleibende Schäden erwartet der Mannschaftsarzt Dr. Matthias Baumann nicht. Bundestrainer Lucas Schädlich, saß im Begleitfahrzeug und war Augenzeuge des Unfalls: “Wir haben uns vorbildlich verhalten, uns Regelkonform auf der Straße bewegt, keine wilden Sachen gemacht”, sagt er gegenüber TOUR.

Sind die Straßen für Rennradfahrer gefährlicher geworden? Was kann man tun? Wir haben Personen aus dem Radsport gefragt:

Rennradtraining und Autofahrer - das sagen Szenekenner

“Ob es gefährlicher geworden ist, lässt sich schwer sagen. Man muss einfach mehr aufeinander achten und Rücksicht nehmen. Autofahrer sollten Radfahrern Platz geben, Radfahrer sollten Autofahrer nicht beschimpfen. Um Gefahren zu minimieren, sollte man große Hauptverkehrsströmungen im Training vermeiden und eher Nebenstraßen und Wirtschaftswege nutzen und die Sichtbarkeit erhöhen. Dazu gehört das Tragen heller Kleidung und das Anbringen eines Blinklichts an der Sattelstütze, das man konsequent eingeschaltet lassen sollte, egal welche Lichtverhältnisse herrschen.” - Lucas Schädlich, Bundestrainer Bahn-Ausdauer

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“Es gibt auf jeden Fall mehr Autos auf der Straße. Umsicht und Rücksicht sollte für alle Beteiligten selbstverständlich sein – auch bei uns Radfahrern. Wenn wir mit den Kindern trainieren, wählen wir Wege, wo weniger Autos sind und wir haben die Lampen an bei Tageslicht. Ich selbst hatte aber noch nie Probleme - außer Sachen wie knappes Überholen.” - André Greipel, Ex-Profi, Nachwuchstrainer

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“Der Verkehr nimmt einfach zu und ich habe das Gefühl, dass es rauer zugeht. Die 1,5 m Abstand beim Überholen müsste man mehr durchsetzen. Autofahrer verstehen nicht, wie es sich anfühlt, wenn sie so nah vorbeifahren. Bei großen Gruppen regen sich Autofahrer besonders schnell auf – wenn sie hinter einem Traktor fahren müssen, ist es kein Problem. Das Auto ist eine tödliche Waffe und Vergehen müssten härter bestraft werden. Es ist aber auch regional sehr unterschiedlich. Früher habe ich in Freiburg trainiert und viele brenzlige Situationen erlebt. Jetzt lebe ich im Münsterland und da passen die Autofahrer mehr auf. In Italien habe ich auch schon schlechte Erfahrungen gemacht – besonders beim Überholen.”- Fabian Wegmann, Sportlicher Leiter Deutschland Tour

“Ich denke, dass die Straßen immer stärker befahren werden und damit auch die Gefahrensituationen zunehmen. Ich denke auch, dass die Radfahrer immer schneller fahren und manchmal auch gefährliche Situationen in den Dörfern schaffen, was die Autofahrer aggressiver macht. Ich meide die großen Straßen, und in den Niederlanden haben wir das große Glück, dass es viele Radwege gibt. Im Ausland trainiere ich immer mit Licht am Fahrrad. Für die Pausen suche ich mir ruhige Straßen und in belebten Gegenden lasse ich es ruhig angehen, um Gefahren zu vermeiden.” - Ellen van Dijk, The Cyclists Alliance

Das sagen die Daten

Vier tote und 58 schwerverletzte Radfahrer – das ist die Unfallbilanz einer durchschnittlichen Woche auf deutschen Landstraßen. Damit verunglücken hier knapp 30 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren, wie eine wissenschaftliche Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft zu schweren Radunfällen auf Landstraßen zeigt. Der Anstieg folgt dem Trend, dass immer mehr Menschen Rad fahren. Viele Unfälle ließen sich aber vermeiden. “Das Hauptproblem ist, dass Radfahrende auf Landstraßen immer wieder übersehen werden”, sagt UDV-Leiterin Kirstin Zeidler. Häufigste Unfallursache sind Zusammenstöße mit Autos (41 Prozent), wobei Autofahrer den Unfall auch meist verursachen (59 Prozent). Jeder dritte schwere Radunfall außerorts passiert ohne weitere Beteiligte, etwa bei Stürzen.

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