Leistungsdiagnostik

Eva Stammberger

 · 28.02.2008

Leistungsdiagnostik
Wer wenig Zeit hat, will effektiv trainieren. Aber was ist effektiv? Eine Leistungsdiagnose hilft dabei, das Training clever zu planen und Fehler zu vermeiden. TOUR stellt vier Verfahren vor und sagt Ihnen, welches am besten zu Ihnen passt.

LAKTAT-STUFENTEST

Kleiner Pieks: Blut wird bei einem  Laktat-Stufentest in der Regel aus dem  Ohrläppchen entnommen.Kleiner Pieks: Blut wird bei einem Laktat-Stufentest in der Regel aus dem Ohrläppchen entnommen.

Idee: Durch eine stufenförmig ansteigende Belastung auf einem Fahrrad-Ergometer sollen alle für Radfahrer relevanten Leistungen von der Grundlagenausdauer bis zum Spitzenbereich gemessen werden. Relevante Messgrößen sind die Herzfrequenz, die Leistung in Watt und die Laktatkonzentration in Millimol pro Liter Blut.

So funktioniert der Test: Die Einstiegsleistung wird je nach Trainingszustand gewählt, gut trainierte Radler steigen bei 100 Watt (Männer), beziehungsweise 80 Watt (Frauen) ein. Alle drei Minuten nimmt die Belastung um eine bestimmte Wattzahl zu – hier unterscheiden sich die Institute bereits im Testdesign. Leistungssportler erhöhen in der Regel um 20 Watt pro Stufe, um differenziertere Werte zu erhalten. Der Test wird beendet, wenn der Proband nicht mehr kann, sich also subjektiv ausbelastet hat. Während der Belastung wird die Herzfrequenz gemessen, idealerweise ist der Fahrer zusätzlich an ein Belastungs-EKG angeschlossen, um festzuhalten, wenn das Herz unregelmäßig schlägt. Am Ende jeder Belastungsstufe wird dem Athleten Blut aus dem Ohrläppchen abgenommen, um den Laktatgehalt zu ermitteln. Für eine möglichst exakte Laktatleistungskurve sollten fünf bis sechs Stufen vollständig absolviert werden. Die Daten werden von einer speziellen Software ausgewertet.

Bewertung: Der Laktat-Stufentest ist der Klassiker unter den Leistungsdiagnosen. Seit dreißig Jahren etabliert, hilft er Breiten- und Spitzensportlern dabei, ihr Training möglichst effektiv zu gestalten. Durch die stufenweise ansteigende Belastung werden nach und nach die einzelnen Leistungsbereiche simuliert, das gesamte Spektrum wird abgedeckt. Aus den ermittelten Werten lässt sich ableiten, welche Herzfrequenzen den verschiedenen Leistungsstufen entsprechen. Da der Test relativ einfach durchzuführen ist, wird er von nahezu allen Instituten angeboten. Hier liegt aber zugleich ein Problem des Laktat-Stufentests: Viele Anbieter haben weder professionelle Ausrüstung noch geschultes Personal, das die Laktat- Leistungskurven richtig interpretieren kann. Außerdem sind die gemessenen Herzfrequenzen, die den Wattzahlen und Laktatkonzentrationen zugeordnet werden, oft ungenau, da das Herz auf ansteigende Belastung verzögert reagiert. Problematisch für die Auswertung des Tests sind auch die zahlreichen Theorien zur Bestimmung der aerob-anaeroben Schwellenwerte, die in der Sportwissenschaft mittlerweile kursieren. Je nach Konzept legen Institute fixe Schwellen fest (aerobe Schwelle bei 2 mmol/l, anaerobe Schwelle bei 4 mmol/l) oder ermitteln eine individuelle anaerobe Schwelle, die, ausgehend vom Laktatwert in Ruhe, bei einem Anstieg der Laktatkonzentration im Blut um 1,5 mmol/l festgeschrieben wird. Absolute Genauigkeit kann es bei dieser Diagnoseform also nicht geben. Um dennoch eine möglichst zuverlässige Auswertung zu gewährleisten, müssen die äußeren Bedingungen bei jedem Test gleich sein. Wer einen Laktat-Stufentest absolvieren möchte, sollte einen Anbieter wählen, der einen gewissen qualitativen Standard vorweisen kann. So vergibt etwa die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin (DGSP) ein Qualitätssiegel für Anbieter, die sich durch geeichte Geräte und speziell geschultes Personal auszeichnen. Um mit dem Siegel werben zu dürfen, müssen die Institute regelmäßig ihre Messgeräte überprüfen lassen.

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Kosten: ab etwa 80 Euro

Zielgruppe: ambitionierte Hobbyfahrer

SPIRO-ERGOMETRIE-TEST

Gewöhnungssache:  Die Atemmaske schließt luftdicht abGewöhnungssache: Die Atemmaske schließt luftdicht ab

Idee: Mit der zusätzlichen Messung der Atemgase können mehr und genauere Aussagen über den Energiestoffwechsel und die Leistungsfähigkeit gemacht werden. Eine wichtige Messgröße bei diesem Test ist die maximale Sauerstoffaufnahmefähigkeit (VO2max), sie gilt als wesentliches Kriterium der aeroben Leistung.

So funktioniert der Test: Wie beim Laktat-Stufentest wird die Einstiegsleistung dem Trainingszustand des Athleten angepasst. Die Belastung steigt je nach Testdesign stufenweise alle drei Minuten um eine bestimmte Wattzahl, bis zur Ausbelastung. Der Athlet trägt eine Atemmaske über Mund und Nase, mit der das Verhältnis von eingeatmetem Sauerstoff zu ausgeatmetem Kohlendioxid gemessen wird. Der ermittelte Wert ist der “Respiratorische Quotient”. Mit der Spiro-Ergometrie kann man die maximale Ausdauerleistungsfähigkeit an der anaeroben Schwelle und in Watt messen.

Bewertung: Die Spiro-Ergometrie bestimmt die Zusammensetzung der Atemgase unter Belastung und wird meistens zusätzlich zu einem regulären Stufentest durchgeführt. Bei der Auswertung der gewonnenen Daten gibt es einen geringeren Interpretationsspielraum als bei einem Laktat-Stufentest, da die Atemgaswerte kontinuierlich und nicht punktuell gemessen werden. Mit dem zusätzlich gemessenen Respiratorischen Quotienten (RQ) lässt sich die anaerobe Schwelle genau bestimmen. Im Ruhezustand beträgt der RQ etwa 0,7, mit steigender Belastung nähert er sich dem Wert 1. Liegt er über 1, ist der Athlet nicht länger in der Lage, genauso viel Sauerstoff aufzunehmen wie er CO2 abgibt – sein Laktatspiegel steigt deutlich an. Die Spiro-Ergometrie eignet sich auch zur Bestimmung der maximalen Leistungsfähigkeit. So lässt sich die Effektivität des vorangegangenen Trainings im Vergleich zur letzten Messung überprüfen. Die maximale Sauerstoffaufnahmefähigkeit wird ebenfalls durch die Spiro-Ergometrie gemessen. (VO2max). Dieser Wert gibt an, wie viel Sauerstoff die Muskulatur bei voller körperlicher Auslastung pro Minute umsetzen kann. Nachteile der Spiro-Ergometrie sind der etwas höhere Preis und die deutlich geringere Zahl an Instituten, die diese Form der Leistungsdiagnose anbieten.

Kosten: ab etwa 120 Euro

Zielgruppe: ambitionierte Hobbyfahrer, Amateurrennfahrer, Profis

ISOKINETISCHER TEST

Anspruchsvoll: Beim Isokinetischen Test heisst es Gas geben bis zum AnschlagAnspruchsvoll: Beim Isokinetischen Test heisst es Gas geben bis zum Anschlag

Idee: Beim Isokinetischen Test wird mit konstanter, voreingestellter Trittfrequenz gefahren. So können die absolute maximale Leistung und die maximale Leistungsabgabe bei verschiedenen Trittfrequenzen gemessen werden.

So funktioniert der Test: Um die anaerobe Leistungsfähigkeit zu messen, muss der Athlet nach einer Aufwärmphase etwa 60 bis 70 Sekunden bei vorgegebener Trittfrequenz voll fahren. Für ein paar Sekunden wird die maximale Leistung erreicht, danach fällt sie rapide ab, da die anaeroben Kapazitäten sich erschöpfen. Bei einer anderen Variante des Tests wird bei bestimmten Trittfrequenzen die maximale Leistungsabgabe bestimmt. Der Athlet fährt bei 60, 90 und 120 Umdrehungen pro Minute. Die Drehzahl wird abgeriegelt, so dass die vorgegebenen Werte eingehalten werden müssen. Eine SRM-Messkurbel zeichnet die bei jeder Stufe erzielten Herzfrequenz- und Wattwerte auf.

Bewertung: Der Isokinetische Test eignet sich sehr gut, um die anaeroben Kapazitäten eines Radsportlers zu messen. In einer Variante gibt er außerdem Auskunft über die maximale Leistung bei unterschiedlichen Trittfrequenzen. Die absolute Ausbelastung zu Beginn des Tests – Profis erreichen hier mehr als 1200 Watt – gibt Auskunft über die maximale Leistungs- und Leidensfähigkeit. Nicht selten werden bei Athleten Laktat-Werte um 20 mmol/l gemessen. Sinnvoll ist ein solcher Test vor allem für Leistungssportler, die häufig im anaeroben Bereich Spitzenleistungen bringen müssen. Weniger Trainierte sind in der Regel gar nicht dazu in der Lage, den Test durchzustehen, da über eine Minute lang maximal gefahren werden muss. Außerdem wird der Isokinetische Test nur von wenigen Instituten angeboten.

Kosten: Der Test wird von den meisten Instituten nur in Kombination mit anderen Tests durchgeführt, dann für rund 20 Euro Aufpreis

Zielgruppe: Leistungs- und Wettkampfsportler

RAMPENTEST

Pflicht bei der Rampe: eine Atemmaske für spirometrische DatenPflicht bei der Rampe: eine Atemmaske für spirometrische Daten

Idee: Ziel eines Rampentests ist es, den Sportler in kurzer Zeit, das heißt in etwa acht bis zwölf Minuten, zum Leistungsabbruch zu bringen. So kann die maximale Leistung genauer als bei einem Laktat-Stufentest ermittelt werden. In der Regel wird der Rampentest mit einer Spirometrie verknüpft.

So funktioniert der Test: Die Startleistung wird standardisiert bei 100 Watt festgesetzt und kontinuierlich gesteigert. Zum Ende der Belastung nach etwa acht Minuten erreichen Radsportler bis zu 900 Watt. Je schneller die Leistung gesteigert wird, je “steiler” also die Rampe, desto mehr gibt der Test Aufschluss über die maximale Leistungsfähigkeit. Am Belastungsende werden die maximale Sauerstoffaufnahme und die maximale Laktatmobilisation erfasst.

Bewertung: Der Rampentest eignet sich besonders, um die maximale Leistungsfähigkeit zu messen. Diese gibt er wesentlich genauer an als ein Laktat-Stufentest, da der Athlet subjektiv ausbelastet ist, bevor sich Ermüdungseinflüsse bemerkbar machen. So lassen sich genaue Aussagen über Maximalleistung und Laktattoleranz treffen. Diese beiden Werte charakterisieren den aktuellen Trainingszustand maßgeblich. Für die Trainingssteuerung im Grundlagenausdauerbereich eignet sich der Test dagegen kaum.

Kosten: ab etwa 80 Euro

Zielgruppe: Wettkampf- und Leistungssportler

FAZIT: Für den Großteil der ambitionierten Hobbyradler ist ein Laktat-Stufentest bei einem seriösen Institut die richtige Wahl. Eine zusätzliche Spiro-Ergometrie liefert weitere sinnvolle Informationen. Rampentest und Isokinetischer Test eignen sich eher für stark wettkampf- und leistungsorientierte Sportler, da sie vorwiegend Maximalwerte ermitteln und so Auskunft über den momentanen Trainingszustand, aber nicht über die daraus resultierende Trainingsplanung geben können. Bei allen Formen der Leistungsdiagnostik sollte man sich darüber im Klaren sein, dass die gewonnenen Erkenntnisse Richtwerte sind, die die Trainingssteuerung nicht diktieren, sondern bei ihr helfen sollen.

Worauf Sie bei der Suche nach einem Leistungsdiagnose-Institut achten sollten Qaulität:

Zertifikat von der DGSP oder andere seriöse Qualifikation (positive Erfahrungswerte von Radlerkollegen miteinbeziehen)

Professionalität: Gute Ausstattung, moderne Auswertungssoftware, individuell einstellbarer Hochleistungs-Ergometer oder Rolle, auf die man das eigene Rad montieren kann

Konstanz: Reproduzierbare Testbedingungen hinsichtlich Ergometer, Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit

Kompetenz: Der Betreuer sollte die ermittelten Werte und ihre Bedeutung für die Trainingsplanung anschaulich erklären können. Gute Institute speichern die Daten früherer Leistungstests, so hat man Vergleichsmöglichkeiten

Preis: Gute Institute bieten günstige Leistungs- Pakete an (mehrere Diagnosen pro Jahr, spezifische Trainingsplanung, Ernährungsberatung)

KEINE LUST AUF LABOR?

Wenn Sie einen Leistungstest kostenlos und unabhängig von einemLeistungsdiagnose-Institut absolvieren möchten, dann machen Sie den Maximum-Power-Test! Diesen Zeitfahrtest am Berg hat TOUR zusammen mit dem Online-Anbieter 2peak.com entwickelt. Sie brauchen: Eine Steigung von mindestens 7 Prozent, einen Höhenmesser, eine Personenwaage, eine Stoppuhr und einen Tacho. Um Ihre Trainingsbereiche nach Leistung abzuleiten, sollten Sie länger als vier Minuten fahren.

So funktioniert der Test:

Fahren sie sich etwa 20 bis 25 Minuten warm. Dann beginnen Sie mit fliegendem Start über eine vorher markierte oder imaginäre Startlinie. Fahren Sie so schnell und dennoch so gleichmäßig Sie können. Haben Sie die Ziellinie überquert und Ihre Zeit gestoppt, können Sie Ihre erbrachte Leistung mit folgender Formel bestimmen:

Noch exakter können Sie Ihre Leistung und die daraus abzuleitenden Trainingsbereiche mit dem Berechnungstool auf www.2peak.com bestimmen. Adressen von Leistungsdiagnostik-Instituten finden Sie in der Rubrik SERVICE > Links – einfach Leistungsdiagnostik in die Suche eingeben.

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