Prämien im HobbyradsportReich durch Preisgeld?

Kristian Bauer

 · 18.04.2026

Prämien im Hobbyradsport: Reich durch Preisgeld?Foto: MyWhoosh
MyWhoosh ist bekannt für hohe Prämien
​Mit hohem Preisgeld locken Veranstalter ambitionierte Freizeitsportler – die Grenze zwischen Profi-Radsport und Amateursport verschwindet in finanzieller Hinsicht. Besonders im E-Cycling sprudelt die Geldquelle – für den Titel gibt es mehr Geld als bei der UCI-Straßenrad-WM.

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​Eine Million Dollar, die ausgeschüttet werden – das klingt eher nach Lotto als Sport. Doch genau so viel Geld war im Topf der MyWhoosh Championships 2025. Bei der zweiten Ausgabe des E-Sports-Events MyWhoosh Championships gewannen eine Sportlerin und ein Sportler aus Neuseeland für den ersten Platz 12.000 US-Dollar, die sich mit gewonnenen Zusatzwertungen noch erhöhten. Zum Vergleich: Tadej Pogačar bekam für seinen Weltmeistertitel im Straßenrennen nur 8.000 Euro. Die Vierte des Esports-Rennens bei den Frauen steht beispielhaft für den Traum vom Geldverdienen auf dem Rennrad nebenbei: Mary Kate McCarthy arbeitet als Vollzeit-Polizistin im neuseeländischen Hamilton und fährt nur in ihrer Freizeit Indoor-Cycling-Rennen. Sie hat sich auf Rennen mit Preisgeld spezialisiert und nimmt das ganze Jahr an Wettkämpfen teil. Ihr Sieg bei der UCI Cycling Esports World Championships wenige Monate später bescherte ihr 15.000 US-Dollar, zusätzlich zu 13.000 US-Dollar bei Zwift-Rennen und 148.000 US-Dollar von MyWhoosh. Damit lagen ihre Einnahmen durch Preisgelder für das Jahr 2025 bei 176.000 US-Dollar, also rund 153.000 Euro. Eine beeindruckende Summe, wenn man bedenkt, dass in der Women's World-World-Tour das Mindestgehalt im ersten Jahr bei 31.768 Euro liegt. Kein Wunder, dass McCarthy in Interviews erklärt, sie träume nicht mehr von einer Karriere im Profiradsport: „E-Cycling ermöglicht es mir, auf höchstem Niveau anzutreten und gleichzeitig zu Hause bei meiner Familie zu sein – und nur sehr wenige Sportarten bieten diese Balance. Ich schätze mich unglaublich glücklich, auf so hohem Niveau Rennen fahren zu können, und zwar auf eine Weise, die zu meinem Leben passt“, erklärte sie gegenüber Escape Collective. Die Radsportseite hat ausgerechnet, dass die neuseeländische Polizistin auf einen Stundenlohn von 3.000 US-Dollar kam, wenn man die gefahrenen Rennen mit dem Preisgeld verrechnet.

Preisgeld MyWhoosh Championships

Das klingt verlockend, doch der weltweite Leistungsvergleich ist hart – in der höchsten Kategorie werden extreme Leistungen abgeliefert. Deutlich wird das bei den MyWhoosh Championships 2025: Hier setzte sich Michael Vink, ehemaliger Fahrer beim UAE Team Emirates, durch. Dass ein ehemaliger World-Tour-Profi gewinnt, lässt erahnen, wie schwer es echte Amateure haben. Bei den UCI Cycling Esports World Championships setzte sich 2025 der Deutsche Jason Osborne durch. Es ist sein dritter E-Cycling-Weltmeistertitel und Osborne gewinnt als ausgewiesener Spezialist seit Jahren E-Cycling-Rennen. Er verdankt der Plattform ein regelmäßiges Einkommen – allein für einen Sieg beim wöchentlichen Sonntagsrennen Sunday Race Club streicht er 2.170 US-Dollar ein. 400 Watt Durchschnittsleistung, 5,7 W/kg und ein Durchschnittspuls von 161 zeigen, dass Osborne beim Indoor-Cycling brutale Leistung liefert. Auch andere Preisgeldjäger finden Gefallen am Sunday Race Club – hier kann man in verschiedenen Leistungsklassen regelmäßig Rennerfahrung und Preisgeld sammeln. Die deutsche Triathletin Eleisa Haag beschreibt ihre Motivation zur Rennteilnahme: „Gerade im Winter ist das für mich mit einem Vollzeitjob eine super Möglichkeit, Wettkampfhärte zu trainieren – und das ganz bequem von zu Hause aus, ohne zusätzliche Wegezeiten. Das ausgeschriebene Preisgeld, welches von der Kategorie abhängt, ist dabei natürlich ein Anreiz, der nochmal extra motiviert.“ Haag startet in der zweithöchsten Kategorie und profitiert davon, dass nicht nur die Siegerin eine Prämie bekommt, sondern auch weitere Plätze honoriert werden. Ein kluger Schachzug von MyWhoosh ist es die Rennen in sechs verschiedenen Leistungsklassen auszutragen. Das Modell ist angelehnt an das Leistungssystem im australischen Amateurradsport, das Rennen in verschiedenen Alters- und Leistungsklassen anbietet. Über einen Power-Passport-Test mit Videoaufzeichnung erfolgt die erste Einstufung in eine Gruppe. Auch ein Einsteiger kann sich in seiner Klasse hocharbeiten und für Rang 10 eine Prämie bekommen. „Egal, auf welchem Niveau du bist, kannst du mitmachen“, so Smithson. „Wir hören viele Geschichten, in denen Leute gesagt haben: Ich habe mir durch das Rennen ein neues Auto gekauft, ich bin mit meiner Familie in den Urlaub gefahren.“

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Viel Preisgeld aus den Golfstaaten

MyWhoosh wird maßgeblich durch die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) finanziert und unterstützt. Das Ziel der Regierung ist es, den Radsport in allen Bereichen als Marketing-Instrument zu nutzen. So hat auf der Straße der Abu Dhabi Gran Fondo neue Maßstäbe gesetzt, was die Höhe des Preisgelds betrifft. Rund 470.000 Euro wurden beim Straßenrennen 2025 vergeben. Nicht nur die Gesamtsieger bekamen einen Scheck, sondern auch viele Platzierte in den Altersklassen. Bei rund 1.000 Startern klingt es rein statistisch besser als bei dem weltweiten Kräftemessen im E-Cycling. Doch Illusionen sollte man sich nicht machen. Um den Sieg konkurrieren starke Teams, die gezielt für das Rennen aufgestellt werden – z. B. das Team Dubai Police, Shabab Al Ahli Dubai oder das Al Wathba Team. Die Preisgelder sind in gleicher Höhe für Frauen und Männer und gehen bis zu Rang 10 der Altersklasse. Für den Altersklassensieg gab es 2024 rund 4.700 Euro. Die genauen Informationen sind schwer zu finden und die Regeln zum Ausschluss von Profis erscheinen beim Blick auf die Ergebnisliste nicht ganz konsequent umgesetzt. In jedem Fall als Sieger stand beim Abu Dhabi Gran Fondo Lothar Färber fest: er startete als einziger in der Altersklasse 75+. Der 77-Jährige konnte sein Preisgeld daher fest einplanen – solange er es sturzfrei ins Ziel schafft. Denn bei so einem großen Preisgeld sind auch die Ambitionen der Teilnehmer groß – viele Stürze sind Teil des Rennens.

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Hohe Prämien in den USA

Ein weiteres Paradies für Preisgeldjäger scheinen die USA zu sein – dort gibt es gleich mehrere Rennen und Rennserien auf der Straße und im Gelände, bei denen der Tresor gut gefüllt ist. Beim Levi’s Granfondo wurden im vergangenen Jahr insgesamt 156.000 US-Dollar (ca. 136.000 Euro) ausgeschüttet. Viel Geld gibt es auch im Gravel-Rennsport, wo die Grenzen zwischen Profi und Amateur nicht so klar geregelt sind wie im Straßenradsport. Private Rennveranstalter entscheiden auf Antrag, wer in der „Pro“-Kategorie starten darf und viele Gravelbiker sehen sich als Profi, sobald sie Sponsoren haben. Finanziell ist die Gravelrennszene auf jeden Fall professionell. Das Rennen Lauf Gravel Worlds in Lincoln, Nebraska, setzt für 2026 neue Maßstäbe: Mit einem Preisgeld von 150.000 US-Dollar (ca. 125.000 Euro), das zu gleichen Teilen zwischen Männern und Frauen aufgeteilt wird, etabliert es sich als Event mit der höchsten Prämie im Gravel-Bereich für ein eintägiges Rennen. Der Sponsor Goodlife Nutrition, ein in Lincoln ansässiges Unternehmen, ermöglicht diese Summe. Das Preisgeld wird jeweils auf die zehn bestplatzierten Fahrerinnen und Fahrer verteilt. Die Sieger bei den Frauen und Männern bekommen je 25.000 US-Dollar. Für Rang zwei gibt es 17.000 und Rang drei 10.000 US-Dollar - für einen 10. Platz gibt es noch 500 Euro. Nicht verwechseln darf man die Veranstaltung mit den UCI Gravel World Championships, die vom Weltradsportverband ausgetragen werden.

Preisgeld im Gravel-Radsport

Die hohen Preisgelder im Gravel-Radsport sind für Straßenradsportler attraktiv. Auf dem Podium finden sich oft ehemalige Profis aus der World-Tour wieder und selbst aktuelle Radprofis. So lockte das neue Gravel-Etappenrennen Gravel Burn 2025 mit einem Gesamt-Preisgeld von 150.000 Euro. Bei den Frauen gewann die Französin Axelle Dubau-Prevot, die inzwischen in der Women‘s World Tour beim Team EF Education-Oatly startet. Dabei gibt es noch Events mit höherem Preisgeld. Der Life Time Grand Prix ist eine Rennserie (u. a. Unbound Gravel), bei der 350.000 US-Dollar (ca. 300.000 Euro) ausgeschüttet werden. Zum Vergleich: beim Etappenrennen Tour de Suisse gab es nur rund 131.000 Euro.

Kontrast zu Radkriterien in Deutschland

In Deutschland sind Radkriterien die Basis des organisierten Amateurradsports. In nostalgischen Anekdoten berichten Rad-Amateure über die goldenen Zeiten, als große Starterfelder auch für attraktive Sachpreise sorgten. Wer Talent hatte, sah die Prämien als Motivation auch weite Anreisen in Kauf zu nehmen. Bei lokalen Kriterien waren die Prämiensprints besonders beliebt, da man im Rennverlauf immer wieder sein Glück versuchen konnte. Viele Radvereine sind heutzutage froh, wenn sie die Organisationskosten stemmen können – viel Spielraum bei Siegprämien gibt es nicht. 30 Euro für den Wertungssprint beim Kriterium sind realistische Anreize. Weniger im Topf ist auch aufgrund der gesunkenen Teilnehmerzahlen. Die Wettkampfbestimmungen von German Cycling sehen vor, dass mindestens 30 Prozent der Einnahmen durch Startgelder als Preisgelder wieder ausgeschüttet werden. Bei den kleinen Startfeldern und niedrigen Nenngeldern bleibt zwangsläufig wenig übrig. Ganz anders sieht das in den USA aus: Bei der Rennserie USA Crits bekommen der Sieger bei den Männern und Frauen je 100.000 US-Dollar pro Sieg. Zudem gibt es noch Preisgeld für Platzierungen und Teams. Die Serie besteht aus acht Rennen auf kurzen Rundkursen in der Innenstadt und lockt daher tausende Zuschauer an. Alle Fahrer müssen eine gültige Lizenz von USA Cycling (USAC) oder der UCI besitzen und die höchste Stufe der Serie besteht aus fest registrierten "D1 Teams", die die gesamte Serie bestreiten. Die Registrierung als D1 Team kostet für sechs Fahrer rund 3.000 Euro. Es nahmen 2025 sieben Männer- und vier Frauenteams teil. Mit Hobbysport haben die Crits in den USA aber nichts zu tun – auch leistungsmäßig. Perfekt veranschaulicht das der deutsche World-Tour-Fahrer Maurice Ballerstedt, der 2025 eine Profi-Auszeit nahm und in den USA Crits fuhr. Nur selten landete er auf dem Podium, dabei fährt er seit 2022 für Alpecin-Premier Tech gegen die besten Radprofis der Welt.

Preisgeld als Investition

Warum geben Veranstalter oder Regierungen so viel für Preisgeld aus? Über 650 Fahrerinnen und Fahrer aus 47 Ländern nahmen an den sieben Etappen der MyWhoosh Championships 2025 in Abu Dhabi teil, die über acht Tage verteilt waren. Wenn man davon ausgeht, dass viele Sportler mit Begleitung anreisen, könnten für den lokalen Tourismus geschätzte zwei Mio. Euro Umsatz generiert werden durch das Event. Betrachtet man es aus diesem Gesichtspunkt sind das Event und die Preisgelder eine Investition.

Abu Dhabi veranstaltet auch einen Marathon, einen Wettkampf der World Triathlon Championship Series, die Spartan World Championship oder den Abu Dhabi Sail Grand Prix. Die Investitionen in Abu Dhabi haben sicher auch eine politische Dimension. Das Land nutzt den Profi- und Amateurradsport ebenso wie Saudi-Arabien, um politischen Einfluss zu gewinnen und das Image des Landes zu verbessern. Es gibt aber auch rein ökonomische Gründe für hohe Preisgelder: sie erhöhen die Relevanz der Veranstaltung, steigern die mediale Berichterstattung und damit die Sichtbarkeit für Sponsoren.

Preisgeld als Marketing-Treiber zeigt sich auch am Beispiel MyWhoosh: „Wir standen vor der Frage: Wie können wir aus Marketing-Sicht auf uns aufmerksam machen? Und so beschlossen wir, dass E-Sport unser Einstieg sein sollte. In den Anfangsjahren unseres Unternehmens haben wir, eigentlich gar kein Marketing betrieben. Das war unser Marketinginstrument. So verbreitete sich die Nachricht: „Oh, es gibt diese neue Plattform, die bietet bezahlte Rennen an“, und so begannen wir zu wachsen.“ Eine weltweite Kundengruppe mit Werbung zu erreichen, ist teuer - umso besser, wenn ein hohes Preisgeld die Nachricht ganz von selbst transportiert.

Gleiches Preisgeld für Frauen

Mehr als sechs Mio. Dollar Preisgeld hat MyWhoosh 2025 vergeben – die Hälfte davon an Frauen, die zahlenmäßig immer noch in der Minderheit im Radrennsport sind. Man könnte die Plattform daher auch als kleines Förderprogramm für den Frauenradsport bezeichnen. Bestes Beispiel ist das Frauen-Radsportteam „Champ Bullies Philippines“, das von der mehrfachen philippinischen Meisterin Jermyn Parado angeführt wird. Das Team tritt jede Woche im Sunday Race Club (SRC) an, meist in den Kategorien 2 bis 4, und kämpft sowohl einzeln als auch gemeinsam um ein möglichst hohes Preisgeld. Das gesamte auf MyWhoosh verdiente Preisgeld wird gesammelt und wieder in das Team investiert, um Reisen, Unterkunft, Startgebühren und Ausrüstung zu finanzieren. Das hat es dem Team ermöglicht, in ganz Asien anzutreten und den Weg in den Profi-Radsport zu ebnen. Fahrerinnen des Teams haben bereits nationale Meistertitel gewonnen. In einer Sportart, in der finanzielle Hürden – insbesondere im Frauenradsport – groß sind, hat Champ Bullies ein selbsttragendes Modell geschaffen, das vollständig durch Indoor-Cycling-Rennen finanziert wird. Zugespitzt gesagt haben die Fahrerinnen von Champ Bullies Philippines die Plattform MyWhoosh als Sponsor genutzt und die Höhe des Sponsorings hängt von ihrer Leistung ab.

Dass Preisgelder aber nicht alles sind, zeigt Tadej Pogačar. Nur 8.000 Euro hat er für seinen WM-Sieg bekommen - sein jährliches Einkommen wird aber auf rund 12 Mio. Euro geschätzt. Das WM-Preisgeld ist für ihn nicht mehr als ein Taschengeld.

Kristian Bauer

Kristian Bauer

Redakteur

Kristian Bauer ist gebürtiger Münchner und liebt Ausdauersport – besonders wenn es in die Berge geht. Er ist ein Fan der Tour de France und bevorzugt solide Rennradtechnik. Er führt für TOUR Interviews, berichtet von Events im Hobbyradsport und schreibt Artikel über die Fahrradbranche sowie Trends im Rennradsport.

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