Matthew Smithson ist Director Esports & Game Operations bei MyWhoosh. Im Interview mit TOUR verrät er wie viele Millionen US-Dollar die Plattform für E-Cycling-Rennen ausschüttet und gibt einen Einblick in die Gewinner und die Zukunft der Plattform.
TOUR: Im letzten Jahr wurde bei der MyWhoosh Championship ein Preisgeld von etwa einer Million US-Dollar verteilt. Wird das wiederholt?
Smithson: Ja, wir wollen die MyWhoosh Championship zu einer jährlichen Veranstaltung machen. Wir werden sie auf jeden Fall 2026 wieder veranstalten. Wir haben unseren Sunday Race Club, der natürlich auch unser wöchentliches E-Sport-Event ist. Aber die MyWhoosh Championship wurde so konzipiert, dass sie den Teilnehmern zunächst eine Herausforderung bietet, die sie meistern müssen, und dann das Preisgeld einsetzt, um damit, die Reichweite in der Radsport-Community und in den Medien zu erhöhen. Und das ist uns gelungen. Und es ist auch wichtig für uns, unsere Produktfähigkeiten zu demonstrieren. Indem wir Preisgeld aussetzen und damit garantieren, dass das Spiel stabil läuft. Dass die Ergebnisse korrekt sein werden, dass man das überall auf der Welt in seiner Garage machen kann, dass wir alle unsere Fahrer überprüft haben, dass unsere Einstufung korrekt ist.
TOUR: Wie viel Preisgeld wurde 2025 durch MyWhoosh vergeben?
Smithson: Etwa 6 Millionen Dollar.
TOUR: Gibt es Sportler, die davon leben können?
Smithson: Ja, einige der Profis verdienen 150.000, 200.000 US-Dollar pro Jahr mit Rennen auf MyWhoosh. Das ist ihr Vollzeitjob und das ist gut dokumentiert. Was wir nicht gut dokumentieren, sind viele der Leute, die in den Kategorien 3, 4 und 5 fahren, auf der ganzen Welt. Ich nehme zum Beispiel die Philippinen – dort haben wir eine sehr starke Fangemeinde. Ich weiß, dass es auf den Philippinen ein Frauenteam gibt, das die meiste Zeit in den Kategorien 3 und 4 fährt. Sie legen ihr Geld aus ihren Preisgeldern zusammen und fahren Straßenrennen in ihrem Team, das im Grunde vom Sunday Race Club finanziert wird. Wir haben viele Geschichten, in denen Leute gesagt haben: ‚Ich habe mir durch das Rennen auf meiner Straße ein neues Auto gekauft. Ich habe meine Familie in den Urlaub mitgenommen.‘ Und wir reden hier nicht von Profisportlern. Es gibt viele Leute da draußen, die 1000 Dollar im Monat verdienen und das sind durchschnittliche Radfahrer. Sie sind in Kategorien eingeteilt, sie fahren gegen Leute auf dem gleichen Niveau. Sie fahren einen Sprint, sie holen sich einen fünften Platz, das sind vielleicht ein paar 100 Dollar für sie. Ein paar hundert US-Dollar pro Jahr, das ist ein Urlaub, das sind Raten für ein Auto. Wir zahlen bis zum 10. Platz aus, die Teams werden bis zum 7. Platz bezahlt. Jeden Monat bekommen 30 Leute in jeder Kategorie ein Preisgeld, mindestens 30 Leute. Also, ja, wir haben Hunderte von Geschichten von Leuten, die Preisgeld gewonnen haben.
TOUR: Aber ich schätze, mit dem höheren Preisgeld kam auch die Diskussion auf, dass Leute sagten: Ich traue dem anderen Fahrer nicht, der schneller war als ich …
Smithson: Nicht mehr. Eine der wichtigsten Errungenschaften ist meiner Meinung nach die Entwicklung des Verifizierungssystems, das wir bei eingerichtet haben. Ganz einfach: Anhand der Trittdynamik, kann ich im Grunde erkennen, ob du es bist. Ich kenne deine Herzfrequenz im Verhältnis zur Leistung. Ich kenne deine Erholungsraten. Ich kenne deine geschätzte Leistungsfähigkeit, ob du super fit bist oder nicht. Ich kenne dein Gewicht. Ich weiß alles über dich, angefangen bei unserem Power-Passport-Test, den du absolvieren musst, um am Rennen teilnehmen zu können, bis hin zur Verifizierung am Ende des Rennens. Wir haben Primär- und Sekundärleistungsvergleiche, wir messen die Abweichungen dieser Geräte. Ich glaube wir haben bis jetzt 26 Tests in unserer Überprüfung, und da sind wir zu 99,9 % sicher. Das bestätigt, wenn du diese Tests bestehst, dass die Daten korrekt waren. Und wenn du diese Tests nicht bestehst, wirst du vom Rennen ausgeschlossen.
TOUR: Was für Tipps geben Sie Einsteigern ins E-Racing?
Smithson: Der wichtigste Rat, den ich jedem gebe: Lerne wie das Spiel funktioniert. MyWhoosh unterscheidet sich sehr von anderen: Das Windschattenfahren ist anders, die Dynamik ist anders, die Position, die man in der Gruppe einnehmen muss. Also erstens: Mach dich mit dem Spiel vertraut, fahre, übe. Und geh raus und hab Spaß. Sich in die Community einbringen, mit den Leuten, die bei uns fahren, in Kontakt treten, mit unserem Rennleitungsteam interagieren. Und es ist eine tolle Atmosphäre. Sobald man beim Sunday Race Club anfängt, wird der Sunday Race Club zum Mittelpunkt des Lebens.
TOUR: MyWhoosh ist eine kostenlose Plattform und vergibt jede Menge Preisgeld. Warum?
Matt Smithson: Wir glauben, dass E-Sport ein sehr wichtiger Teil der Zukunft des Radsports ist. Es ist eine eigenständige Disziplin. Aus diesem Grund investieren wir nicht nur für den Moment, sondern für die Zukunft. Straßenrennen sind aufwändig: Man muss Straßen sperren lassen, man muss eine Rennstrecke organisieren, das ist schwierig. Wir glauben, dass der Wandel in der Zukunft vor allem in Richtung, nennen wir es mal, Rennen auf sozialer Ebene gehen wird. Wir werden uns sicherlich mehr in Richtung eines E-Sport-Szenarios bewegen, und dieser E-Sport sollte nicht nur der Elite vorbehalten sein. Im traditionellen Radsport fährt man unter der Woche sein Vereinsrennen und es gibt die Kategorien 1, 2, 3, 4, 5 und so weiter. Und bei diesen Rennen gibt es Preisgelder, zumindest in Australien ist das so. Wir haben diese Methodik einfach übernommen und auf eine globale Ebene übertragen. Aber gleichzeitig wollen wir Preisgelder bereitstellen, von Anfängern bis hin zur Elite, um dies zu einem Beruf zu machen. Unser Hauptziel ist es also, E-Sport zu etablieren, weg von einem Nischensport hin zu einer Art eigenständiger globaler Radsportdisziplin.
TOUR: Es geht bestimmt auch um Marketing?
Smithson: Als wir auf den Markt kamen, war der Markt stark auf eine Plattform ausgerichtet. Aber der Bereich, den sie noch nicht so gut abgedeckt hatten, war der E-Sport-Aspekt. Da gab es viele Fragezeichen. Wir standen vor der Frage: Wie können wir aus Marketing-Sicht auf uns aufmerksam machen? Und so beschlossen wir, dass E-Sport unser Einstieg sein sollte. Also gingen wir es ein wenig anders an als viele andere Plattformen. Diese bauten vermutlich erst eine Community auf und leiteten sie dann zum Rennsport weiter, während wir mit E-Sport begannen und diese Community aufbauten. Und wenn man sich uns ansieht, haben wir, zumindest in den Anfangsjahren unseres Unternehmens, eigentlich gar kein Marketing betrieben. Das war unser Marketinginstrument. So verbreitete sich die Nachricht: ‚Oh, es gibt diese neue Plattform, die bietet bezahlte Rennen an‘, und so begannen wir zu wachsen. Und erst 2025 haben wir wirklich größere Investitionen in normale Medienausgaben getätigt, um unsere Plattform auszubauen, weil wir das stark vorangetrieben haben. Darauf, im E-Sport wahrgenommen zu werden. Viele Leute haben dadurch von uns erfahren, und dann haben wir den Community-Aspekt in den Vordergrund gerückt, und jetzt haben wir uns so weit entwickelt, dass unsere Plattform riesig ist.
TOUR: Haben Sie Pläne für die Zukunft, das Preisgeld zu reduzieren?
Smithson: Zum jetzigen Zeitpunkt engagieren wir uns kurz- bis mittelfristig im E-Sport. Daran besteht kein Zweifel. Wir würden unser Engagement bei der UCI gerne fortsetzen. Das ist derzeit in Arbeit. Wir werden unser Verifizierungs- und Kategorisierungssystem weiter verschärfen. Aber wir haben sicherlich nicht vor uns aus dem Preisgeld-Rennsport zurückzuziehen.

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