Hitze-TourenTipps für’s Radfahren wenn die Sonne knallt

Gitta Beimfohr

 · 30.06.2026

Hitze-Touren: Tipps für’s Radfahren wenn die Sonne knallt
Eine Abkühlung ist beim Radfahren bei Hitze immer willkommen! | Adrian Werner
Hitze kann mehr als nur unangenehm werden: Erste Warnsignale, der Unterschied zwischen Sonnenstich, Hitzschlag & Co. und Sofortmaßnahmen, damit Deine Tour sicher weitergeht.

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Boah, viel zu heiß für den Helm. Mountainbiker, die ihren Helm während des Anstiegs am Lenker spazieren fahren, gehören in den Alpen zum Alltagsbild. “Da krieg ich ja einen Hitzschlag!”, sagt man dann so leicht dahin. Aber was ist das eigentlich, ein Hitzschlag? Tatsächlich bedeuten die derzeitigen Super-Sommertage mit Temperaturen von weit über 30 Grad einiges an Zusatzbelastung für den Körper.

Aber was soll man machen, wenn sich die Alpenüberquerung oder die Bikepacking-Tour terminlich nicht verschieben oder verkürzen lässt? Grundsätzlich ist Radfahren auch bei höheren Temperaturen kein Problem. Ein gesunder, sportlich trainierter Körper passt sich den äußeren Bedingungen schnell an und hält einiges aus. Allerdings: Wer hat sich nachts unter der Bettdecke noch nicht über einen heiß strahlenden Sonnenbrand gewundert, den er tagsüber gar nicht bemerkt hat? Dabei gibt der Körper durchaus Warnzeichen. Vor allem Biker, die auf einer mehrtägigen Tour unterwegs sind, sollten vorbeugen und Warnzeichen rechtzeitig erkennen, um die Tour nicht vorzeitig abbrechen zu müssen. Dazu die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen, wenn es einen trotzdem erwischt hat.

Sonnenbrand - nicht so schlimm?

Kennt jeder, hatte jeder schon. Die Haut rötet sich, brennt in der Nacht und bei unempfindlichen Menschen werden diese Stellen bald braun. Das klingt vermeintlich gar nicht so dramatisch. Aber was ist ein Sonnenbrand eigentlich genau?

Bei einem Sonnenbrand haben vor allem die UV-B-Strahlen der Sonne die Zellen der obersten Hautschicht und deren Erbgut geschädigt. Um diese Schäden zu beheben, reagiert der Körper zeitversetzt mit einer Entzündung: Die Blutgefäße weiten sich, um die Haut besser zu durchbluten und damit Abwehrzellen an die verbrannten Stellen transportieren zu können. Wenn sich die Haut nach ein paar Tagen schält, stößt der Körper die beschädigten Hautschichten schließlich ab. Das wäre jedenfalls der Verlauf einer Verbrennung 1. Grades.

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Verbrennungen zweiten Grades sind bereits schmerzhafter. Ihre Symptome treten erst 12 bis 24 Stunden später auf: Die Haut wirft wässrige Blasen, die man auf keinen Fall aufstechen sollte (Infektionsgefahr!). Dazu kommen häufig Kopfschmerzen, leichtes Fieber, Schüttelfrost und Übelkeit. In diesem Fall wird man die Tour bereits abbrechen müssen.

Sonnenbrand vorbeugen

Die UV-Strahlung ist im Sommer von 11 bis 16 Uhr am stärksten. Je höher man kommt, desto dünner die Atmosphäre und desto intensiver die Strahlung (pro 1000 Meter Höhe mindestens 20 Prozent). Deshalb nie ohne Lichtschutzfaktor 50+ auf Bergtour gehen. Vor allem Arme, Nacken, Ohren und Beine sind der Sonne beim Biken stark ausgesetzt und sollten eine halbe Stunde vor der Tour großzügig eingecremt werden. Außerdem: alle zwei Stunden nachcremen, besonders wenn man viel schwitzt.

Erste-Hilfe bei Sonnenbrand

Wenn es einen doch erwischt hat: Zur Schmerzlinderung feuchte Tücher auflegen. Auch Quark-, Aloe Vera- und Joghurt-Wickel helfen. Dazu viel Wasser trinken, um den Feuchtigkeitsverlust auszugleichen. Die Tour kann fortgesetzt werden, dann aber die betroffenen Stellen mit Stoff schützen. Auch wenn es heiß ist. Bei Symptomen zweiten Grades hilft Ibuprofen, um die Entzündung zu hemmen, ein Arztbesuch ist aber ratsam.

Sonnenbrand in den Augen

Ein Problem, das Viele unterschätzen: Auch die Augen können einen Sonnenbrand erleiden. Ein Übermaß an UV-Strahlung kann die erste Hornhautschicht verbrennen und das führt wiederum zur so genannten “Schneeblindheit”. Erste Anzeichen: Brennen, Schmerzen, Tränenfluss und das Gefühl von Sand in den Augen (oft erst Stunden später).

Vermindertes Sehvermögen ist das eine, aber man hat herausgefunden, dass jahrelange UV-Strahlung zu Grauem Star führen kann. Sprich: Die Augenlinse trübt ein, die Sicht wird schleichend milchiger und unschärfer. UV-A-Strahlen der Sonne dringen sogar tiefer in die Netzhaut ein und zerstören das zentrale Sehen im Alter (Makuladegeneration).

Sonnenbrand im Auge vorbeugen

​Nicht ohne Sonnenbrille auf Tour gehen und beim Kauf auf UV400-Gläser achten oder “100 % UV-Schutz”. Am besten mit gebogenen Gläsern, die auch seitlichen Schutz geben.

Erste Hilfe, wenn die Augen brennen

Augen schließen und mit feuchten Tüchern kühlen. Bei starken Schmerzen die Hornhaut beim Augenarzt untersuchen lassen.

Hitzekrampf

Die Beinmuskulatur eines Mountainbikers muss nicht nur ziehen und treten beim Kurbeln, sondern in den Abfahrten auch Schläge und Vibrationen vom Untergrund einstecken und abfedern. Solche Strapazen quittieren Muskeln häufig mit Überlastungskrämpfen. Doch bei hohen Temperaturen kann es bei längerer Beanspruchung der Muskeln auch zu Hitzekrämpfen kommen. Warum? Wer viel schwitzt und zu wenig trinkt, riskiert eine Dysbalance seines Mineralien-Haushalts.

Hitzekrampf vorbeugen

Kleine Gänge fahren und viel trinken (Elektrolyte mit Natrium, Kalium und Magnesium). Außerdem möglichst gut trainiert in eine längere MTB-Tour gehen. Ein gut trainierter Muskel krampft deutlich weniger bei hohen Belastungen.

Erste Hilfe bei Krämpfen

Ob es sich unterwegs nun um einen Überlastungs- oder Hitzekrampf handelt, ist schwer zu sagen. Die ersten Maßnahmen zur Linderung sind aber dieselben: Den betroffen Muskel gegendehnen und viel trinken. Auf der Hütte am besten eine Prise Salz ins große Glas Wasser rieseln lassen, wenn keine anderen Elekrolyt-Getränke greifbar sind. Wer häufig von Krämpfen heimgesucht wird, sollte immer ein kleines Fläschchen mit Saure-Gurken-Wasser dabei haben. Das intensive Süßsauer löst schon, kaum auf der Zunge, eine wundersame, sofortige Linderung aus (über das Zentrale Nervensystem).

Wer von Krämpfen gebeutelt wurde, sollte nach der Tour auf Dehnübungen verzichten, weil es die Regeneration der Muskeln verlängern kann. Besser eine durchblutungsfördernde Salbe auftragen und den Muskel massieren.

Sonnenstich

Wer Kopfschutz Stunden lang einen sonnenausgesetzt Hang hochkurbelt, riskiert tatsächlich einen Sonnenstich. Der entsteht nämlich durch Reizung der Hirnhäute aufgrund direkter Sonneneinstrahlung. Gemeinerweise treten die wirklich ernstzunehmenden Symptome auch hier erst Stunden nach der Tour auf: Kopfschmerzen, roter Kopf, Nackensteife, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Krampfanfälle.

Sonnenstich vorbeugen

Helm aufsetzen! Wer das bei einem sehr langen Anstieg nicht aushält, sollte wenigstens einen anderen Kopfschutz aufsetzen und sich so bald wie möglich einen Helm mit besserer Belüftung zulegen.

Erste Hilfe beim Sonnenstich

Bettruhe! Kopf und Nacken mit feuchten Tüchern kühlen, Kopf hochlagern. Enge Kleidung öffnen, kleine Schlucke Wasser oder Tee trinken. Kommt es zu Benommenheit und Erbrechen, sollte der Notarzt gerufen werden.

Hitzschlag

Dieses Szenario gilt es auf Tour unbedingt zu vermeiden. Von den ersten Symptomen her ähnelt der Hitzschlag dem Sonnenstich, nur dass sich die Haut des Betroffenen heiß und auffällig trocken anfühlt: Der gesamte Körper ist überhitzt, weil die natürliiche Temperaturregulierung - das Schwitzen - ausgesetzt hat. Über 40 Grad können sich dann im Körper stauen. Der Puls rast, die Atmung ist flach und schnell und es kann zu Halluzinationen und Krampfanfällen kommen.

Passieren kann das Ganze beispielsweise an sehr heißen Tagen mit hoher Luftfeuchtigkeit. Auch Herz-Kreislauf-Patienten sind gefährdet

Hitzschlag vorbeugen

Längere körperliche Belastungsspitzen bei schwül-heißem Wetter vermeiden, luftige Bekleidung wählen, viel trinken, auf Alkohol komplett verzichten.

Erste Hilfe bei Hitzschlag

Notruf absetzen und den Patienten bis zum Eintreffen des Arztes kühlen, Kopf hochlagern, Kleidung lockern und kleine Schlucke zu trinken geben.

Und was ist eigentlich mit der Ozon-Belastung?

Vor wenigen Jahren erreichte das Reizgas noch Alarmwerte: Der Hals kratzte, trockenes Hüsteln quälte und die Augen brannten. Wenn man das Ozon beim Sport tiefer inhaliert, soll es in der Lunge auch nachhaltig Schaden anrichten. Daher riet der Wetterbericht an heißen Sommertagen von sportlichen Aktivitäten ab, der Schulsport auf dem Sportplatz wurde eingestellt.

Mittlerweile ist von Ozon-Belastungen kaum noch die Rede. Der Grund: Durch Luftreinigungsmaßnahmen wie Filteranlagen bei Autos und Industrie konnten die Spitzenwerte wohl so reduziert werden, dass die bodennahe Ozonbelastung nur noch selten den Grenzwert überschreitet.

Allerdings weist das Bundesumweltamt daraufhin, dass zwar die Spitzenwerte durch diese Maßnahmen erfolgreich gekappt werden konnten, die Ozon-Mittelwerte übers ganze Jahr gesehen dafür aber angestiegen sind. Die Begründung: Mit den Abgaswerten ist auch der Gehalt an Stickstoffmonoxid in der Atmosphäre zurückgegangen. Stickstoffmonoxid hilft aber beim Abbau der Ozonmoleküle. Weniger Stickstoffmonoxid bedeutet daher leider auch mehr Ozon in der Atmosphäre.

Besonders deutlich zeigt sich dieser Effekt ausgerechnet in ländlichen Gebieten. Denn eines der Ozon-Bausteinmoleküle stammt aus pflanzlichen Quellen. Daher hat sich die Belastung auf dem Land in den vergangenen Jahrzehnten praktisch nicht verändert. Der aktuelle Alarmwert liegt derzeit bei 240 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft und der wird deutschlandweit nur noch selten überschritten.

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Gitta Beimfohr

Gitta Beimfohr

Redakteurin

Gitta Beimfohr stieg während ihres Tourismus-Studiums ins BIKE-Reiseressort ein, als die Strada delle 52 Gallerie am Pasubio gerade für Mountainbiker gesperrt wurde. Seit Gitta die Alpen zwei Mal im Renntempo überquerte, mag sie am liebsten Mehrtagestouren – mit dem MTB in den Alpen oder per Gravelbike durch deutsche Mittelgebirge.

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