Radsport nach Bandscheibenvorfall

Unbekannt

 · 18.04.2012

Radsport nach BandscheibenvorfallFoto: Daniel Kraus

Stellt Radfahren nach einer Bandscheibenoperation ein Risiko dar? Unterschiedliche Meinungen von Medizinern stiften hier oft Verwirrung. Der Facharzt Dr. Merkl gibt Auskunft.

Frage von Bernd J.: Aufgrund eines akuten Bandscheibenvorfalls mit massiven Schmerzen und komplettem Funktionsausfall des rechten Beins wurde ich an der Wirbelsäule operiert. Nach OP und stationärem Aufenthalt war ich schmerzfrei, es folgten Reha und Krankengymnastik. Im Laufe dieses Trainings verbesserte sich die Funktion des rechten Beins allmählich. Nachfragen bei verschiedenen Ärzten und Physiotherapeuten, ob ich wieder MTB und/oder Rennrad fahren dürfte, brachten völlig unterschiedliche Antworten, von Radfahren sei „Mord für die Wirbelsäule“ bis zu „klar, können Sie wieder aufs Rad, aber nur , wenn es ein Fully ist“. Dabei konnte ich nicht klären, worauf diese Ratschläge jeweils fußten. Meine Frage daher: Ist es vertretbar und sinnvoll, wieder Rad zu fahren, oder ist es zu risikoreich?

Dr. Christian Merkl: Bandscheibenvorfälle mit der Konsequenz einer Operation sind ein einschneidendes Ereignis. Ist der Eingriff zunächst komplikationslos verlaufen, kommt es danach nicht selten zwischen der vierten und sechsten Woche zu Problemen, meist durch zu frühe Mobilisation und Aktivität. Ich rate daher zunächst zu keinerlei Aktivität; meist verordne ich sogar ein Korsett, das die Wirbelsäule immobilisiert. Der Grund: Das OP-Gebiet soll erst möglichst narbenarm abheilen können. Je größer aber die anfängliche Aktivität, umso größer ist die Gefahr eines erneuten Vorfalls oder der vermehrten Narbenbildung.

Diese Art der Behandlung bringt zwar zunächst einen Abbau der Muskulatur mit sich, ich glaube aber, dass dies nach drei Monaten wieder ausgeglichen werden kann, indem man das Training intensiviert. Dafür empfehle ich zunächst rein isometrisches Krafttraining der Rumpfmuskulatur. Auf dem Ergometer – eventuell auch mit Korsett – kann dann langsam wieder mit dem Pedalieren begonnen werden. Späterem Radtraining mit zunehmender Steigerung stehe ich positiv gegenüber und sehe es ganz sicher nicht als „Mord für die Wirbelsäule“ an. Zumal, wenn Sie im Oberlenkergriff fahren und die Position häufig wechseln, zum Beispiel durch Fahren im Wiegetritt. Insgesamt sollte nach einem halben Jahr eine normale Belastbarkeit beim Radfahren wieder gegeben sein.

  Dr . Christian Merkl führt in Regensburg eine orthopädische Praxis mit den Schwerpunkten Sportmedizin und ChirotherapieFoto: Privat
Dr . Christian Merkl führt in Regensburg eine orthopädische Praxis mit den Schwerpunkten Sportmedizin und Chirotherapie