Radfahren im AlterStudie belegt bessere körperliche und mentale Gesundheit

Kristian Bauer

 · 17.01.2026

Radfahren im Alter: Studie belegt bessere körperliche und mentale GesundheitFoto: KI Bild StoryChief
Radfahren im Alter
Eine systematische Übersichtsarbeit der Universität Valencia zeigt, dass regelmäßiges Radfahren bei Menschen über 65 Jahren mit verbesserten körperlichen und mentalen Gesundheitsindikatoren verbunden ist. Die Forschungsergebnisse deuten auf positive Effekte bei Mobilität, Gleichgewicht, Herz-Kreislauf-Gesundheit sowie psychischem Wohlbefinden hin. Gleichzeitig identifiziert die Studie spezifische Risiken und Barrieren, die den Zugang zum Radfahren im Alter einschränken können.

Regelmäßiges Radfahren kann einen bedeutenden Beitrag zur Gesundheit und Lebensqualität älterer Menschen leisten. Zu diesem Ergebnis kommt eine systematische Übersichtsarbeit, die kürzlich im Journal of Transport & Health veröffentlicht wurde. Das Forschungsteam um Sergio A. Useche vom Research Institute on Traffic and Road Safety (INTRAS) der Universität Valencia analysierte 28 Studien, die sich mit den gesundheitsbezogenen Auswirkungen des Radfahrens bei Erwachsenen ab 65 Jahren befassten. Die Ergebnisse zeigen konsistente Zusammenhänge zwischen Radfahren und verbesserten Indikatoren für körperliche und mentale Gesundheit, weisen jedoch auch auf wichtige Risikofaktoren und Barrieren hin, die berücksichtigt werden müssen.

Die Studie ist vor dem Hintergrund des demografischen Wandels besonders relevant. "Die Bevölkerungsalterung verändert Gesundheits- und Mobilitätssysteme weltweit. Europa wird voraussichtlich die am stärksten gealterte Region bleiben, wobei etwa ein Drittel seiner Bevölkerung bis Mitte des Jahrhunderts 60 Jahre und älter sein wird", schreiben die Forscher in ihrer Einleitung. In diesem Kontext gewinne Mobilität als entscheidende Dimension an Bedeutung, durch die Lebensqualität mit Möglichkeiten für routinemäßige Aktivität, sozialen Kontakt und unabhängige Entscheidungsfindung zusammenhänge.

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Radfahren bringt Gesundheitsvorteile

Die Übersichtsarbeit identifizierte zahlreiche positive Auswirkungen des Radfahrens auf die körperliche Gesundheit älterer Menschen. In 16 der 28 untersuchten Studien wurden entsprechende Zusammenhänge dokumentiert. Besonders hervorzuheben sind Verbesserungen bei Mobilität, Gleichgewicht und Beinkraft sowie günstige Auswirkungen auf kardiovaskuläre und metabolische Marker. Die Forscher berichten, dass ältere Menschen, die regelmäßig Rad fahren, in Tests zu Gleichgewicht und Beinkraft besser abschneiden als Nicht-Radfahrende. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Radfahren auch dann einen bedeutenden Beitrag zur metabolischen Gesundheit älterer Menschen leisten kann, wenn es als alltägliches Transportmittel und nicht als strukturiertes Training durchgeführt wird.

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Psychische und soziale Vorteile

Neben den körperlichen Vorteilen untersuchten elf der einbezogenen Studien die Auswirkungen des Radfahrens auf die psychische Gesundheit älterer Menschen. Die Ergebnisse zeigen, dass regelmäßiges Radfahren mit einem geringeren Maß an psychischer Belastung und einer höheren Lebenszufriedenheit verbunden ist. Diese positiven Effekte wurden sowohl beim Pendeln als auch bei Freizeitaktivitäten beobachtet, was darauf hindeutet, dass die Vorteile nicht nur aus der körperlichen Aktivität selbst resultieren, sondern auch aus der Autonomie und dem Vergnügen, die das Radfahren bietet.

Darüber hinaus scheint das Radfahren soziale Verbundenheit und Teilhabe zu fördern. Studien von Zander et al. (2013) und Van Dyck et al. (2015) beschrieben, wie Radfahren Möglichkeiten für soziales Engagement bietet, sei es durch Gruppenfahrten, gemeinschaftliche Aktivitäten oder größere Interaktion im öffentlichen Raum.



Risiken beim Radfahren im Alter

Trotz der zahlreichen Vorteile identifizierte die Übersichtsarbeit auch spezifische Risiken und Vulnerabilitäten, die mit dem Radfahren im höheren Alter verbunden sind. Acht der einbezogenen Studien befassten sich mit diesen Aspekten. Die Forscher stellten fest, dass ältere Radfahrer zwar tendenziell weniger riskante Verhaltensweisen zeigen als jüngere Altersgruppen, jedoch aufgrund altersbedingter körperlicher Faktoren und externer Bedingungen wie Infrastruktur, Verkehrsumgebung und Schadstoffbelastung unverhältnismäßig gefährdet bleiben.

"Crash- und verletzungsbezogene Studien wiesen durchgängig auf erhöhte Risiken in älteren Populationen hin. Analysen von Trauma-Datenbanken zeigten, dass ältere Radfahrer, die in Unfälle verwickelt waren, schwerere Verletzungen erlitten, darunter Beckenfrakturen, Wirbelsäulentraumata und intrakranielle Blutungen, und im Vergleich zu jüngeren Kohorten längere Rehabilitationszeiten hatten", berichten die Autoren.

Praktische Implikationen zum Radfahren

Die Ergebnisse der Übersichtsarbeit haben wichtige praktische Implikationen für Politik und Praxis. Die Förderung des Radfahrens im höheren Alter sollte von Maßnahmen begleitet werden, die die in der Studie hervorgehobenen Vulnerabilitäten mindern. Infrastruktur spielt dabei eine zentrale Rolle: Separate Radwege, reduzierte Verkehrsgeschwindigkeiten in gemischten Umgebungen und altersfreundliche Designmerkmale wie glattere Oberflächen oder zugängliche Übergänge können sowohl wahrgenommene als auch tatsächliche Risiken reduzieren.

"Aus Sicht der Politik deuten die Ergebnisse dieser Übersicht darauf hin, dass Verkehrs- und Gesundheitspolitik von einer stärkeren Integration des Radfahrens in breitere Rahmenbedingungen für aktives Altern profitieren würde", schreiben die Forscher in ihren Schlussfolgerungen. Die meisten untersuchten Studien zeigten eine deutliche Verzerrung zugunsten gesünderer und einkommensstärkerer Gruppen, was Fragen zur Zugänglichkeit für ältere Menschen in ländlichen Gebieten, mit niedrigerem sozioökonomischem Status oder mit chronischen Gesundheitszuständen offenlässt.

Die Hauptschlussfolgerung der Studie lautet, dass Radfahren einen bedeutenden Beitrag zu einem gesunden Altern leisten kann, jedoch nur, wenn angemessene Bedingungen für ältere Erwachsene geschaffen werden. "Die wichtigste praktische Implikation ist die Notwendigkeit, infrastrukturelle, sicherheits- und soziale Barrieren anzugehen. Nur durch die Beseitigung dieser Barrieren kann das Radfahren von einer Freizeitaktivität zu einem signifikanten Beitrag zum körperlichen und psychosozialen Wohlbefinden älterer Menschen werden", betonen die Autoren.

Link zur Studie

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