Puls kommt nicht auf Touren

Unbekannt

 · 10.07.2010

Puls kommt nicht auf TourenFoto: Tour

Was tun, wenn an manchen Tagen der Puls beim Training bei 125 Schlägen pro Minute hängt? Kann zuviel Training schaden? Unser Experte Dr. Eifler weiß, woran das liegen könnte.

Frage von G. George: Ich bin 53 Jahre alt und betreibe seit meiner Jugend Leistungssport (Rudern, Laufen und Radfahren). Nun habe ich folgendes Problem: An manchen Tagen komme ich auf dem Rad einfach nicht auf Touren – ich bekomme meinen Puls dann kaum über 125 Schläge pro Minute. Woran kann das liegen? Ich habe normalen Blutdruck und nehme keine Medikamente ein. Sollte ich mehr Intervalle trainieren? (mache ich bisher nicht), trainiere ich zu viel? (zirka 5.000 Jahres-Kilometer), bin ich zu “vagoton”?

Der Expertenrat von Dr. Eifler: Dass an manchen Tagen die Pulsfrequenz einfach nicht auf Touren kommt, kann viele Ursachen haben: Mit jedem Jahr nimmt die Pulsfrequenzamplitude ab – das heißt der Spielraum zwischen Maximalpuls und Ruhepuls. Demzufolge erreicht man seine maximale Leistungsfähigkeit im Laufe der Jahre bei immer niedrigeren Pulsfrequenzen. Bei einem trainingsbedingten so genannten Vagotonus, wie Sie ihn ansprechen – in diesem Zustand regelt das vegetative Nervensystem auch in Ruhe Puls und Blutdruck nach unten – braucht der Organismus eine längere Anlaufzeit, um seine volle Leistungsfähigkeit zu erreichen.

Dagegen hilft, sich langsam steigernd warm zu fahren. Durch kurze, hochintensive Intervalle, zum Beispiel über Streckenabschnitte von 100 bis 200 Metern, können Sie außerdem die Reaktionszeit des Kreislaufsystems verbessern. Ursache für den lahmenden Puls können aber auch in der Ernährung zu finden sein: Wenn die Muskulatur über zu geringe Kohlenhydratvorräte verfügt, kann sie nicht ihre volle Leistungsfähigkeit ausschöpfen, was auch die Pulsfrequenz einschränkt. Das gleiche gilt, wenn die Muskeln durch eine vorherige, intensive Trainingseinheit ermüdet sind. Ebenso kann auch die Tagesform eine Rolle spielen. Mannigfache Einflüsse bestimmen sie: Schlaf, Temperatur, Ernährungsverhalten und Schwankungen der Leistungsbereitschaft im Tagesverlauf. Ein Training am Morgen fällt zum Beispiel leichter als nach einem Arbeitstag, bei dem sich nach langem Sitzen oder Stehen Flüssigkeit in der Muskulatur eingelagert hat und sie dadurch verfestigt. Dann kommt man tatsächlich erst nach längerem Einfahren mit dem Puls auf Touren.

In Erwägung zu ziehen ist auch ein Übertrainings-Syndrom, bei dem die maximale Pulsfrequenz nicht erreicht werden kann. Ob dies der Fall ist, kann ich jedoch aus der Ferne nicht beurteilen. Zu einem scheinbar niedrigen Pulswert auf der Uhr könnten letztlich auch Herzrhythmusstörungen führen: Um diese als Ursache auszuschließen, sollten Sie ein Belastungs- oder Langzeit-EKG anfertigen lassen.

  Dr. med. Robert Eifler ist Verbandsarzt im Bund Deutscher Radfahrer, Arzt für Innere Medizin und ärztlicher Leiter der Sportambulanz im Fital Hotel in Höchenschwand/Schwarzwald
Dr. med. Robert Eifler ist Verbandsarzt im Bund Deutscher Radfahrer, Arzt für Innere Medizin und ärztlicher Leiter der Sportambulanz im Fital Hotel in Höchenschwand/Schwarzwald