Leistenbruch durch zuviel Radfahren?Foto: Uwe Geißler

Gesundheit Leistenbruch durch zuviel Radfahren?

Unbekannt

 3/8/2013, Lesezeit: 2 Minuten

Kann ein Leistenbruch unter anderem durch zu viele Kilometer auf dem Rennrad begünstigt werden? Unser Experte Dr. Robert Eifler gibt Auskunft.

Frage von einem TOUR-Leser: Bei mir wurde ein Leistenbruch festgestellt. Im Moment kann ich zwar noch Rennrad fahren, aber da ich mich demnächst einer Operation zur Fixierung des Bruchs mit einem Netz unterziehen muss, würden mich folgende Fragen interessieren: Hat das Rennradfahren (zirka 5.000 Kilometer pro Jahr) die Entstehung des Bruchs begünstigt? Kann ich präventiv etwas tun, um weitere Brüche zu verhindern, wie etwa spezielle gymnastische Übungen oder Krafttraining, und soll ich eventuell die Sitzposition auf dem Rad überprüfen? Welche Behandlungsmethode – Schnitt oder nicht invasiv – wäre besser, um möglichst bald wieder Rennrad fahren zu können? Ab wann nach der OP ist das möglich, und wie stark soll ich mich dann belasten?

Antwort von Dr. Robert Eifler: Rennradfahren führt nicht zu Leistenbrüchen. Dabei handelt es sich um eine Erweiterung des Leistenkanals, in die je nach Ausmaß des Bruchs ein mehr oder weniger großer Teil der Darmwand rutschen kann. Die häufiger auftretenden kleinen Leistenbrüche sind meist an einem kleinen, beweglichen Wulst im Leistenbereich zu erkennen. Auslöser für einen Leistenbruch sind in der Regel wiederholte stark erhöhte Drücke auf die Bauchhöhle, zum Beispiel beim Heben schwerer Gewichte. Beim Rennradfahren ist dieser Bereich normalerweise keinem derart starken Druck ausgesetzt, es sei denn, Sie fahren eine extrem flache Sitzposition. Dann kann der untere Bauchbereich stark geknickt werden. Jedoch ist es auch dann eher unwahrscheinlich, dass alleine durch diese Belastung ein Leistenbruch entsteht. Auch das Fahren großer Gänge allein kann nicht zu einem Leistenbruch führen.

Falls in Ihrer Familie allerdings bereits häufiger Leistenbrüche vorgekommen sind, ist es möglich, dass Sie eine angeborene Neigung dazu haben. Dann sollten Sie extrem aerodynamische Sitzpositionen und langes Treten sehr dicker Gänge, wie etwa beim Sprinten oder Bergfahren, vermeiden. Gymnastik kann vorbeugen, kräftigen Sie dabei die gerade und schräge Bauchmuskulatur. Die Wahl der OP-Methode lässt sich aus der Ferne leider nicht beurteilen, da dies von der individuellen Situation abhängt. Wieder ins Radtraining einsteigen können Sie voraussichtlich nach etwa drei Wochen, beziehungsweise nach Vorgabe des operierenden Arztes. Halten Sie sich in den ersten Wochen dann an lockeres Grundlagenausdauertraining.

  Dr. Robert Eifler: Facharzt für Innere Medizin sowie Sportmediziner. Er betreut Fitness- und Rehaprogramme im „Fitalhotel“ Höchenschwand; früher arbeitete er in der Sport-Leistungsdiagnostik.Foto: Privatfoto
Dr. Robert Eifler: Facharzt für Innere Medizin sowie Sportmediziner. Er betreut Fitness- und Rehaprogramme im „Fitalhotel“ Höchenschwand; früher arbeitete er in der Sport-Leistungsdiagnostik.